• vom 09.11.2017, 17:11 Uhr

Stadtpolitik

Update: 09.11.2017, 18:40 Uhr

Wien

(Noch) kein Mann des Volkes




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Von Ina Weber

  • Ludwig wird als Nachfolger von Häupl gehandelt. Doch wie kommt er in der Wiener Bevölkerung an?

- © apa/Herbert P. Oczeret

© apa/Herbert P. Oczeret

Wien. Wenn man die US-amerikanische Serie "Designated Survivor" gesehen hat, weiß man, was aus zunächst unscheinbar wirkenden Wohnbaustadträten bzw. -ministern werden kann. Im Fall der Serie wurde der zwar engagierte, aber zurückhaltende Wohnbauminister Tom Kirkman, gespielt von Kiefer Sutherland, über Nacht Präsident von Amerika. Ausgerechnet der farbloseste Politiker mit dem unbedeutendsten Ressort, der eigentlich schon gefeuert werden sollte, kam zum Zug.

Die Wiener Politik sieht freilich anders aus. Doch auch hier steht ein Wohnbaustadtrat kurz davor, die Nummer eins zu werden, ein eher unscheinbar wirkender Floridsdorfer mit Agenden, die sich nicht zum Machtpoltern eignen. Doch anders als Kirkman in der Serie brachte Ludwig sich bereits vor Jahren in Stellung. Immer öfter trat er in Erscheinung. Sein Richtungsschwenk zur FPÖ hin - "Mir geht es darum, dass man mit allen redet und nach gemeinsamen Schnittmengen sucht" - ließ aufhorchen.


Doch was bringen die Wiener mit Ludwig in Verbindung? "Wenig bis gar nichts", sagt ein Mann bei einem Espresso am Donnerstagmorgen in einem Café im 14. Bezirk. "Das ist doch der Wohnbaustadtrat", sagt er. Als Elektriker kenne er die Situation in den Gemeindewohnungen und damit wisse er eines: Die Politiker würden das eine sagen, die Realität sei aber eine andere. In den Wiener Gemeindewohnungen würden nur noch Menschen leben, die gar kein Deutsch können und dennoch einen österreichischen Pass haben, sagt der Mann kopfschüttelnd. "Unsereins kann jahrelang auf eine Gemeindewohnung warten, wenn wir überhaupt eine kriegen", mischt sich die Caféhausbesitzerin in das Gespräch ein. Ihre Tochter hätte für einige Zeit auf engstem Raum in einer privat gemieteten schimmligen Wohnung leben müssen. Ein Brief an Ludwig habe daran aber auch nichts geändert. Dass Ludwig dennoch in SPÖ-Kreisen auf immer breitere Unterstützung trifft, fasst der Elektriker mit dem Wort "Freunderlwirtschaft" zusammen, und er zitiert den Spruch seines Großvaters: "Die Schweine ändern sich, der Trog bleibt derselbe."

Bei einem Rundgang in Neubau sagen zwei Verkäuferinnen unisono: "Ludwig? Kennen wir nicht. Sagt mir nix." "Aber es muss ja nicht immer jemand aus der Partei sein", fügt eine Frau im Geschäft hinzu. Sie würde sich jemanden von außen als nächsten Bürgermeister wünschen.

Der Mann im Anzug im 1. Bezirk hat keine Zeit für ein Gespräch. Die beiden älteren Damen im Schanigarten eines Caféhauses am Graben schlagen die Hände über den Köpfen zusammen: "Um Gottes willen, wir wollen mit der Politik nichts mehr zu tun haben", lachen sie und winken ab.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-09 17:14:05
Letzte ńnderung am 2017-11-09 18:40:09



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