• vom 09.03.2018, 16:51 Uhr

Stadtpolitik


Mehrstufenklassen

"Nicht in ein Notenkasterl stecken"




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Von Ina Weber

  • Mehrstufenklassen-Vertreter fürchten um ihr Modell - Stadt richtet Appell an den Bund.

Altersübergreifendes Lernen ist das Konzept der Mehrstufenklasse. - © fotolia

Altersübergreifendes Lernen ist das Konzept der Mehrstufenklasse. © fotolia

Wien. Mit Musikinstrumenten, selbst gebastelten Plakaten und Zeichnungen zogen rund 2000 Schüler und Lehrer am Freitagvormittag vom Börseplatz zum Ballhausplatz. Lautstark machten sie auf ihre Anliegen aufmerksam. Sie forderten den Erhalt des Modells der Mehrstufenklassen. "Wir befürchten, dass, wenn die Bundesregierung den Sparkurs fährt, die Mehrstufenklassen gefährdet sind", sagt Ingrid Teufel von der Lerngemeinschaft15 zur "Wiener Zeitung". Konkret wurde gegen einen möglichen Personalabbau und gegen die Wiedereinführung von Noten protestiert.

Hintergrund der Sorge ist die neue Bildungsreform, die im vergangenen Jahr beschlossen wurde. Darin enthalten ist die neue Schulautonomie, Bildungsdirektionen und die Modellregion der "Gemeinsamen Schule". Die neue Schulautonomie soll Schulversuche beschränken. Nur noch fünf Prozent der Schulen eines Bundeslandes sollen künftig Schulversuche aufweisen dürfen, heißt es aus dem Ministerium von Bildungsminister Heinz Faßmann. Die Schulen sollen laut Reform in Zukunft verstärkt schulautonome Konzepte und Angebote entwickeln.


Schulversuche sollen nur noch zeitlich begrenzt durchgeführt werden. Dann soll entschieden werden, ob und in welchem Ausmaß diese in das Regelschulwesen überführt werden können. Und weiters heißt es in der Reform: Schulversuche, die derzeit laufen, könnten in einer Übergangsfrist bis längstens 31. August 2025 weitergeführt werden.

Die Mehrstufenklassen, die fast 20 Jahre lang als Schulversuch geführt wurden, wurden im Zuge der Schulrechtsreform im Jahr 2016 in das Regelschulsystem überführt und sind damit auch kein Schulversuch mehr.

Mehr Lehrpersonal
Die Befürchtung, dass mit dem Wegfall des Sonderstatus Schulversuch auch Ressourcen wie zwei statt ein Lehrer pro Klasse fallen würden, war grundlos. Jede Mehrstufenklasse hat mindestens zwei Lehrer in der Klasse. Die Vertreter der derzeit 117 Mehrstufenklassen in Wien sind dennoch besorgt. Das derzeitige Modell laufe für alle - Lehrer, Eltern und Schüler - höchst zufriedenstellend, sagte Pädagogin Teufel. Dafür bräuchte man aber auch in Zukunft genügend Lehrpersonal, das sichergestellt werden müsste.

Im Wiener Modell der Mehrstufenklasse lernen Kinder unterschiedlichen Alters gemeinsam in einem Klassenverband. Vertreter der Mehrstufenklasse sind überzeugt davon, dass diese Art zu lernen für Kinder dieses Alters optimal sei. Die Altersmischung fördere das Miteinander und kleinere Kinder könnten von dem Wissen der größeren profitieren.

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Dokument erstellt am 2018-03-09 16:56:42


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