• vom 20.03.2018, 17:34 Uhr

Stadtpolitik

Update: 20.03.2018, 17:41 Uhr

Energetik-Auftrag

"Das ist nicht tolerierbar"




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Von Ina Weber

  • Die Krankenhaus-Nord-Programmleiterin wurde beurlaubt, die Staatsanwaltschaft ermittelt, das Geld an den Energetiker soll zurückgeholt werden - und die rot-grüne Stadtregierung bringt nun selbst einen Antrag auf eine Untersuchung ein.

Stadträtin Frauenberger und der KAV-Vorstand distanzieren sich von dem Vorfall. - © apa/Techt

Stadträtin Frauenberger und der KAV-Vorstand distanzieren sich von dem Vorfall. © apa/Techt

Wien. Der Bau des Krankenhaus Nord ist um eine Facette reicher: Ein medial veröffentlichter Auftrag des KAV (Krankenanstaltenverbund) an einen Energetiker in der Höhe von 95.000 Euro ließ den KAV-Vorstand erblassen. Die "Wiener Zeitung" hat bereits ausführlich berichtet. Gemeinsam mit Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) distanzierten sich am Dienstag Evelyn Kölldorfer-Leitgeb (stv. Generaldirektorin), Herwig Wetzlinger (Finanzdirektor) und Michael Binder (Direktor für Health Care Management) von dem Auftrag. "Die Vorgehensweise spottet jeder Beschreibung", so Wetzlinger. Von Geldverschwendung und Vertrauensverlust war die Rede. Der Leistungsinhalt lautete Optimierung der Bewusstseins-Struktur des KH Nord. "Das ist nicht tolerierbar. Ich ärgere mich genauso wie die Wiener", so Frauenberger.

Gemeinsam legten sie weitere Details offen. Am 4. Oktober 2017 habe es ein Angebotsgespräch mit dem "Forschungszentrum für Bewusstsein" gegeben. Anfang November wurde der Auftrag erteilt. Der Energetiker stellte für seine Arbeit von November bis Jänner 2018 zwei Rechnungen (35.000 und 60.000 Euro). Den Auftrag erteilte die Programmleiterin des KH Nord, die für die Inbetriebnahme verantwortlich war. In keiner Sitzung hätte sie über den Auftrag berichtet, so Wetzlinger.


"Laufende Untersuchung"
Auch beim zweiten Schritt, bei der Überprüfung der Rechnungen, habe es keinen Aufschrei gegeben. Die Prüfung erfolgte im 8-Augen-Prinzip - die Programmleiterin, ihre zwei Stellvertreter und eine Projektmitarbeiterin.

Die Konsequenzen sollen hart ausfallen, sagte Frauenberger. Die Programmleiterin und einer der beiden Stellvertreter wurden beurlaubt. Eine Suspendierung könne erst nach einer Überprüfung ausgesprochen werden. Bis nach Ostern soll die Gesamtprüfung abgeschlossen sein. Über die Motive der Programmleiterin könne man nichts sagen. "Wir befinden uns in einer laufenden Untersuchung", so Kölldorfer-Leitgeb.

Auch beim bestellten Energetiker, der seinen Auftrag ausgeführt hat, will man sich schadlos halten. Man wolle versuchen, die gesamte Summe zurückzubekommen, so Wetzlinger. Seine Gewerbeberechtigung soll überprüft werden und er soll seine Leistung nachweisen müssen. Laut Homepage hat der Betroffene einen Gewerbeschein für Unternehmensberatung einschließlich Unternehmensorganisation. Als solcher soll er für den KAV auch tätig gewesen sein. Ein Nachweis der Leistung dürfte sich schon schwieriger gestalten.

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Dokument erstellt am 2018-03-20 17:38:51
Letzte Änderung am 2018-03-20 17:41:53


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