• vom 06.04.2018, 16:17 Uhr

Stadtpolitik

Update: 06.04.2018, 22:02 Uhr

Wohnen

Stadt Wien saniert Bauordnung




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  • Novelle sieht eine Vereinfachung von Bauverfahren und den Schutz historischer Häuser vor.

Nicht abgerissen, sondern renoviert sollen Gründerzeithäuser (wie jenes im Foto) werden, so der Plan der Stadtregierung. - © apa/Oczeret

Nicht abgerissen, sondern renoviert sollen Gründerzeithäuser (wie jenes im Foto) werden, so der Plan der Stadtregierung. © apa/Oczeret

Wien. Zwei Jahre verhandelten die beiden Wiener Regierungsparteien die Bauordnung. Nun präsentierten Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) und der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr das Ergebnis. Die Novelle sieht etwa die Beschleunigung und Vereinfachung von kleineren Bauverfahren vor. Gleichzeitig wird der Schutz historischer Häuser intensiviert. Weiters werden Kurzfrist-Vermietungen erschwert.

Als wichtiger Schwerpunkt wurden Erleichterungen für Bauvorhaben genannt, die die Bauklasse 1 betreffen. Die bebaute Fläche ist in diesem Fall nicht größer als 150 Quadratmeter. Hier ist etwa unter gewissen Voraussetzungen keine mündliche Bauverhandlung mehr nötig. Im Rathaus rechnet man damit, dass sich Häuslbauer durch die Maßnahmen rund 8000 Euro sowie einige Wochen Verfahrensdauer ersparen.

Widmungen für Wohnraum sollen erleichtert werden

Angesichts des großen Bedarfs an entsprechenden Flächen wird auch die "Mobilisierung" von Bauland erleichtert. Landwirtschaftlich genutzte Flächen können etwa gegen entsprechende Entschädigung künftig einfacher herangezogen und für Wohnraum umgewidmet werden. Ein vehementeres Vorgehen wurde beim Gebäudeschutz angekündigt. Werden etwa Gründerzeithäuser abgerissen, muss die zuständige Magistratsabteilung 19 (Architektur und Stadtgestaltung) erst grünes Licht dafür geben.

Auch die "technische Abbruchreife" wird neu definiert. Konkret wird es erschwert, ein Haus so lange verfallen zu lassen, bis es nicht mehr saniert werden kann. Künftig muss es tatsächlich technisch unmöglich sein, das Haus wieder instand zu setzen. 2017 wurden 115 Gebäude abgerissen, die vor 1945 erbaut wurden - darunter aber auch Abbrüche von ehemaligen Werkstätten in Innenhöfen. Die Zahl der Abrisse soll künftig niedriger sein.

In den als Wohnzonen ausgewiesenen Flächen der Stadt wird es außerdem Einschränkungen für Kurzzeitvermietungen geben. Es wird nicht mehr erlaubt sein, gewerblich Wohnungen über Vermittlungsplattformen wie Airbnb zu vermieten. Derzeit gibt es etwa 8000 Airbnb-Wohnungen in Wien. Eine Gewerblichkeit liegt etwa dann vor, wenn mehrere Bleiben angeboten werden. Einzelwohnungen dürfen von ihren Eigentümern aber nach wie vor entsprechend angeboten werden, wird versichert.

Entschärfung der Stellplatzverpflichtung

Entschärft wird die Stellplatzverpflichtung, da in Zukunft zum Beispiel nicht mehr benötigte Pflicht-Parkplätze aufgelassen werden dürfen. Deutlich schwieriger wird es zudem, Supermärkte dort zu errichten, wo auch Produktionsstandorte möglich wären. Um Letztere abzusichern, brauchen Supermärkte künftig schon ab 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche eine Widmung als Einkaufszentrum, zuvor waren es 2500 Quadratmeter.

Ludwig und Chorherr hoben zudem die Maßnahmen in Sachen Klima- und Umweltschutz hervor. Die wohl einschneidendsten Neuerungen betreffen das Heizen. Ölheizungen sollen in Neubauten nicht mehr verwendet werden dürfen. Und auch den Gasetagenheizungen geht es an den Kragen. Sie sind laut Novelle nur noch dann erlaubt, wenn sie in Kombination mit Solarenergie verwendet werden. Bestehende Anlagen sind von dieser Regelung nicht betroffen.

Die Novelle wird nun in Begutachtung geschickt. Der Beschluss im Landtag soll dann im Oktober erfolgen. Kritik am Ablauf kommt bereits jetzt von der Opposition. FPÖ, ÖVP und Neos haben in einer gemeinsamen Aussendung kritisiert, dass sie zwar um Vorschläge gebeten wurden, diese dann aber nie diskutiert worden seien. Der nun eingeschlagene Weg sei "denkbar schlecht" gewählt, falls man die Zustimmung der Opposition gewinnen wolle, hieß es. Die Neos fordern unter anderem eine echte Beteiligung der Nachbarschaft bei Bauvorhaben. Die Stellplatzverpflichtung soll bei einer guten Öffi-Anbindung zudem bis zu 100 Prozent reduziert werden können.

Die Wiener Wirtschaftkammer begrüßt hingegen die Bauordnungsnovelle.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-06 16:21:04
Letzte Änderung am 2018-04-06 22:02:15


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