• vom 31.05.2018, 07:30 Uhr

Stadtpolitik

Update: 01.06.2018, 07:32 Uhr

Citymaut

"Mit Appellen werden wir nicht weiterkommen"




  • Artikel
  • Kommentare (12)
  • Lesenswert (41)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bernd Vasari

  • Der grüne Verkehrssprecher Maresch legt nach. Neben City-Maut fordert er 365-Euro-Öffi-Jahreskarte für Wien plus Umland.

200.000 Menschen pendeln täglich mit dem Auto nach Wien undwieder zurück. - © APAweb, Herbert Neubauer

200.000 Menschen pendeln täglich mit dem Auto nach Wien undwieder zurück. © APAweb, Herbert Neubauer

Wien. Bei der Diskussion um die Einführung einer City-Maut für Wien legt der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch nun nach. Neben der Maut, die zwei Euro kosten soll, fordert er die Umsetzung des 365 Euro Öffi-Jahrestickets für Wien plus Umland. Den roten Koalitionspartner und Niederösterreich möchte er dafür an den Verhandlungstisch bringen.

Nach der jüngsten Gerichtsgenehmigung für den Bau einer Schnellstraße unter der Lobau reagierte Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou zuletzt mit dem Vorschlag der City-Maut. Da es darum geht, Pendler zum Umstieg auf die Öffis zu bewegen, kann sich Vassilakou eine zeitliche Begrenzung – beispielsweise von 6.00 bis 10.00 Uhr – vorstellen.

Die derzeitige Situation sieht die Stadträtin für alle Seiten als belastend an: "Wer kennt diese Bilder nicht? Frühmorgens steht auf den Einfahrtsstraßen alles, am Abend dann das gleiche Bild, wenn 200.000 Autos die Stadt wieder verlassen wollen. Für die Wienerinnen und Wiener bedeutet das in weiterer Folge Lärm, Stau, schlechte Luft und erhöhte CO2-Belastung. Für alle Betroffenen – also auch die Pendlerinnen und Pendler aus Niederösterreich und dem Burgenland – bedeutet das schlicht und einfach im Stau verlorene Lebenszeit", sagte sie.

Rüdiger Maresch fordert: "Wir müssen mit der Wiener SPÖ und Niederösterreich zum Verhandeln anfangen über den Ausbau des öffentlichen Verkehrs." Am Schluss soll ein Vertragswerk stehen, wie wir es dann umsetzen.

Neben dem 365 Euro Ticket plus Umland müsse die Taktung der Schnellbahnlinien auf einen Viertelstundenabsatz reduziert werden, erklärt Maresch. Die Öffis im Umland sollen verlässlicher werden, der letzte Bus soll nicht um 19 Uhr aufhören. Er verweist auf Stockholm, wo der öffentliche Verkehr grenzübergreifend organisiert wird und nur ein Ticket notwendig ist.

20 Prozent Autoanteil

"Wenn rot-grün die selbstgesteckten Ziele von Smart City und vom Stadtentwicklungsplan umsetzen will, also lediglich 20 Prozent Autoanteil, dann müssen wir jetzt handeln. Mit Appellen wie ‚Bitte nimm den Bus‘ werden wir nicht weiterkommen."

Den Pendlern empfiehlt er zudem die Gründung von Fahrgemeinschaften.

"Wir haben im Mittel 1,1 Personen in den Autos. Das erzeugt immens viel Staus und Blechlawinen, unter denen alle, auch die Autofahrer, leiden." Maresch kann sich zwei Euro pro Tag und pro Pendler vorstellen. Mit den Einnahmen durch die City Maut könnten die Öffis massiv ausgebaut werden.

Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) lehnte den Vorstoß der Grünen zuletzt ab und drohte damit, die Zuschüsse des Bundes für den U-Bahnbau zu kürzen, sollte der Plan umgesetzt werden. "Wenn die Stadt Wien durch die Einführung der City-Maut Einnahmen lukriert, die dem Vernehmen nach für den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel verwendet werden sollen, dann müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, diese bestehende Vereinbarung abzuändern, um so Geldmittel freizubekommen, mit denen wir anderen Ballungsräumen beim Öffi-Ausbau unter die Arme greifen können", sagte Hofer in einer Aussendung.

"Populistischer Theaterdonner"

Für Maresch sind die Aussagen des Verkehrsministers nichts weiter als "populistischer Theaterdonner." Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) steht einer Citymaut für Einpendler distanziert gegenüber. "Ich sehe das kritisch, weil Pendler nicht den Eindruck gewinnen sollen, dass wir sie nicht wollen", sagt Ludwig. Statt einer "unsichtbaren Mauer" solle man Umsteige-Anreize schaffen, erklärt er.

Deutliche Kritik an dem Vorstoß, eine Citymaut ab der Stadtgrenze einzuführen, kam aus Niederösterreich. "Die Einführung der City-Maut ist ein populistischer Schnellschuss, den wir so klar ablehnen", sagte Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP). Niederösterreichs Pendler würden nicht "für Frau Vassilakous Probleme bezahlen", erklärt der Landesrat.





12 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-30 14:52:07
Letzte Änderung am 2018-06-01 07:32:38


Kulturticket-App

Goethes Gretchen - eine App

Die beiden Gründer Wolfgang Graf (r.) und Gerald Stockinger. - © Stanislav Jenis Wien. Die Unternehmensgründung von "Ticket Gretchen" erfolgte im klassischen Start-up-Sinn. Aus einem persönlichen Bedürfnis entstand eine Idee... weiter




Start-up

Der eingebremste Weltretter

Gründer Martin Wesian im Hinterhof seiner Firma Helioz auf der Mariahilfer Straße. - © Saskia Blatakes Wien. Durst, Wasserhahn aufdrehen, trinken. So einfach ist das in Österreich. Aber mehr als 660 Millionen Menschen in Afrika... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Mann, der Elfenbein mit Milch putzt
  2. Wien den Marsch blasen
  3. Verschlusssache Baum in der Wiener Josefstadt
  4. Jetti-Tant auf City-Tour
  5. Erster Mensch-Tier Friedhof eröffnet
Meistkommentiert
  1. "Wien ist eindeutig der Verlierer"
  2. Im Zeichen des Regenbogens
  3. Aus Sophienspital wird Sophienpark
  4. Türkischer Wahlkampf an Wiener Schulen
  5. KH Nord unter der Lupe

Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Stadtplanung

Höchstens 58 Meter

Am Areal beim Franz-Josefs-Bahnhof ist eine Überplattung mit terrassenförmigen Gebäuden geplant. - © apa/Zoomvp.at/Zoom visual Project GmvH Wien. 126 Meter hoch hätte gebaut werden dürfen - letztendlich hat man sich auf 58 Meter als höchsten Punkt beschränkt: In Wien wurde am Donnerstag... weiter




Bauen

"Wir bauen den größten Sondermüll der Baugeschichte"

Workers spreading mortar over styrofoam insulation and mesh with trowel - © fotolia/Dagmara_K Wien. Wenn Dietmar Steiner (67) auf einer europäischen Landkarte überall dort ein Fähnchen stecken würde, wo ein Bau steht... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter






Werbung