• vom 09.07.2018, 17:53 Uhr

Stadtpolitik

Update: 09.07.2018, 18:06 Uhr

Ewald Lochner

"Das Stigma ist sehr groß"




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Von Alexandra Laubner

  • Ewald Lochner ist Wiens neuer Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen.


© Jenis © Jenis

Wien. Das Themengebiet ist nicht neu für ihn: Ewald Lochner ist seit elf Jahren im Bereich der Sucht- und Drogenkoordination tätig - zuletzt war er kaufmännischer Leiter der Psychosozialen Dienste. Als neuer Sucht- und Drogenkoordinator übernimmt Lochner auch die Koordination für den Bereich Psychiatrie. Der 46-Jährige möchte die Kinder- und Jugendpsychiatrie ausbauen, kündigt zusätzliche Maßnahmen zum Alkoholverbot am Praterstern an und kann sich eine Legalisierung von Cannabis unter bestimmten Voraussetzungen vorstellen.

"Wiener Zeitung": Wie oft wurden Sie in Interviews gefragt, welche Sucht Sie denn hätten?


Ewald Lochner: Bis jetzt nur einmal.

Und wie lautete die Antwort?

Was meine Person betrifft, würde ich von keiner Sucht sprechen. Ich bin der Meinung, dass grundsätzlich nicht jedes Verhalten, das man an den Tag legt, eine Sucht darstellt.

Sie haben vor zwei Monaten das Amt übernommen. War es überraschend für Sie, dass nun auch die Psychiatrie zu Ihren Agenden zählt?

Es ist eine logische Konsequenz. Ende 2016 gab es einen einstimmigen Landtagsbeschluss, wo die Rahmenbedingungen festgelegt wurden, wie die Psychiatrie der Zukunft in Wien aussehen soll. Und da war klar, dass es eine Koordinationsfunktion brauchen wird. Fakt ist auch, dass Sucht, in erster Linie Alkohol, eine Auswirkung einer psychiatrischen Krankheit sein kann.

Sie sind für viele Themen zuständig. Welche Prioritäten setzen Sie?

Dass es weniger kranke Menschen im Bereich psychischer Erkrankung gibt. Derzeit erreichen wir nur ein Drittel der Menschen, da das Stigma noch sehr groß ist.

Wie soll eine Entstigmatisierung erfolgen?

Voraussetzung ist, dass es gute Behandlungssysteme gibt, die die Menschen in unterschiedlichen Lebenswelten in Anspruch nehmen können. An dem arbeiten wir derzeit intensiv. Der nächste Schritt wäre dann, den Menschen bewusst zu machen, dass eine psychische Erkrankung eine Erkrankung wie jede andere ist, die man auch behandeln kann.

Wien wird, was die psychiatrische Versorgung betrifft, in drei Großregionen organisiert sein. Wie weit ist das Konzept vorangeschritten?

Was die Erwachsenenpsychiatrie betrifft, ist die Regionalisierung schon gegeben.

...abgesehen vom Krankenhaus Nord...

Das Krankenhaus Nord wird dann noch hinzukommen. Insgesamt wird es zu einer klaren Aufgabenverteilung zwischen dem stationären und dem ambulanten Bereich kommen.

Es wird immer wieder Kritik laut, dass zahlreiche Plätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie fehlen. Was passiert in diesem Bereich?

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Dokument erstellt am 2018-07-09 18:01:52
Letzte Änderung am 2018-07-09 18:06:10


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