• vom 11.07.2018, 17:13 Uhr

Stadtpolitik

Update: 11.07.2018, 18:37 Uhr

Begegnungszone

Aufregung um Begegnungszone




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  • Verkehrsstadträtin versteht Kritik an Plänen für die Rotenturmstraße nicht.

Die Rotenturmstraße wird täglich von 60.000 Fußgängern und 3000 Fahrzeugen frequentiert.

Die Rotenturmstraße wird täglich von 60.000 Fußgängern und 3000 Fahrzeugen frequentiert.© Jenis Die Rotenturmstraße wird täglich von 60.000 Fußgängern und 3000 Fahrzeugen frequentiert.© Jenis

Wien. (lp) Im Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou versteht man die Aufregung über die geplante Begegnungszone in der Rotenturmstraße nicht: Markus Figl hatte heftig kritisiert, dass der Bezirk nicht in die Planung eingebunden wurde. Laut dem Stadtratsbüro geht es aber in der Ausschreibung nur um eine Interessentensuche für die Oberflächengestaltung. In einem zweiten Schritt sollen diese um Ideen gebeten werden. Eine Jury werde dann in weiterer Folge diese Ideen bewerten und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge machen. "In dieser Jury besitzt die Bezirksvorstehung Innere Stadt eine gewichtige Stimme und wird gebeten, davon Gebrauch zu machen", hieß es in einer Stellungnahme der Stadträtin.

Seit Veröffentlichung besagter Ausschreibung hagelt es Kritik an Vassilakou. Die Rede ist von einer "Drüberfahrpolitik". Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) kritisierte die Ausschreibung als "ideologischen Alleingang von Vassilakou". Dass im Vorfeld der Ausschreibung weder die zuständigen Gremien des Bezirkes noch die direkt betroffenen Bewohner eingebunden worden seien, sei "eine Fortsetzung des ignoranten Umganges mit Bürgern".


Die Wiener ÖVP sei zwar nicht per se gegen eine Begegnungszone, meinte der nicht amtsführende Stadtrat Markus Wölbitsch. Aber es sollten seiner Meinung nach Bezirk und Bevölkerung eingebunden werden.

Auch die Wiener FPÖ hält nichts von den Plänen: "Dieses Konzept ist weder durchdacht noch in irgendeiner Art und Weise sinnvoll - die Idee, jetzt die Rotenturmstraße stillzulegen, ist lediglich ein weiterer Versuch, Autofahrer willkürlich zu sekkieren", meinte Verkehrssprecher Toni Mahdalik dazu. Offenbar wolle sich Vassilakou vor ihrer Abwahl noch ein paar Denkmäler setzen.

Markus Tschank, Obmann der FPÖ Innere Stadt, betonte die Bedeutung der Rotenturmstraße als Ausfahrtsmöglichkeit aus der Stadt. Eine Begegnungszone - Tschank nannte sie "Vassilakou Blockade" - würde ein Chaos auf der Wollzeile verursachen. Liz Tanzer, Neos-Vorsitzende in der Inneren Stadt, bemängelte, dass Anrainer und Geschäftsleute vor vollendete Tatsachen gestellt würden. Die Verkehrsstadträtin sei nicht lernfähig, so Tanzer. Sie wiederhole "altbekannte Fehler" und zeige dieselbe Herangehensweise wie auch schon bei der Mariahilfer Straße.

Laut dem Wiener Arbö-Geschäftsführer Günther Schweizer würde mit der Begegnungszone eine der wenigen Ausfallstraßen aus der City für den Individualverkehr de facto gekappt werden.

"Versteckte Fußgängerzone"
Zusätzlich wären sämtliche angrenzenden Straßenzüge für den Individualverkehr nur schwer zu erreichen, beziehungsweise würden viele Gassen in der City als Sackgasse enden, meinte Schweizer. "Eine Begegnungszone in der Rotenturmstraße wäre eine versteckte Fußgängerzone zwischen Stephansplatz und Schwedenplatz, weil diese Verkehrsfläche aufgrund der täglichen 60.000 Touristen und City-Besucher nicht sicher zu befahren wäre", so Schweizer. Abgesehen davon ortet man beim Arbö auch extreme Nachteile für die Wirtschaftstreibenden und Geschäftsleute in der City - nicht zuletzt deshalb, weil durch die Begegnungszone Parkplätze wegfallen würden.

Arbö dagegen, ÖAMTC dafür
Ganz anders sieht das wiederum der ÖAMTC: Eine Begegnungszone bei richtiger Planung könnte laut dem Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung, Bernhard Wiesinger, die Situation für alle Verkehrsteilnehmer entspannen: "Pro Tag wird die Rotenturmstraße von circa 60.000 Fußgängern und rund 3000 Fahrzeugen frequentiert, der Gehsteig ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt", so Wiesinger. Es wäre jedoch wichtig, darauf zu achten, dass die Zahl an Stellplätzen in dem Gebiet möglichst konstant bleibe "und etwa durch spezielle bauliche oder gestalterische Maßnahmen ein Befahren mit möglichst geringen Behinderungen möglich bleibt", räumte Wiesinger ein. Das Vorhaben könne darüber hinaus auch nicht losgelöst vom Projekt "Umbau Schwedenplatz" gesehen werden. "Hier braucht es unbedingt ein ausgewogenes Gesamtkonzept", betonte Wiesinger abschließend.

Die SPÖ hatte sich im Übrigen bereits Anfang Mai dem Vorhaben gegenüber positiv geäußert. "Eine Begegnungszone in der Roten-turmstraße habe ich lieber heute als morgen", sagte Mireille Ngosso, Vizebezirkschefin der Inneren Stadt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-11 17:19:55
Letzte Änderung am 2018-07-11 18:37:37


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