• vom 27.07.2018, 17:50 Uhr

Stadtpolitik

Update: 27.07.2018, 18:04 Uhr

KH Nord

"Es liegt der Verdacht auf Korruption nahe"




  • Artikel
  • Kommentare (12)
  • Lesenswert (207)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexander U. Mathé

  • 117.000m3 ausgehoben statt 4000m3: Neue Ungereimtheiten rund um den Bau des Krankenhauses Nord.

- © apa/Hochmuth

© apa/Hochmuth


© M. Hirsch © M. Hirsch

Wien. 4000m3 Erde sollten für den Bau des Krankenhauses Nord laut Hauptauftrag in etwa ausgehoben werden. Abgerechnet wurden aber letztlich gut 117.000m3. Das geht aus dem Bericht des Rechnungshofs zu der Causa hervor. Es ist ein neuer Fall von Ungereimtheiten, die derzeit im Wochentakt rund um den riesigen Spitalsbau auftauchen. Darunter finden sich auch harmlose wirkende Positionen wie etwa die Verdübelung des Mauerwerks. Menge laut Hauptauftrag: 500 Stück. Menge laut Abrechnung 30.056,52 bei einem Preis von 39,91 Euro pro Einheit.

Auffällig bei den neu entdeckten Zahlen ist, dass der Zweitbieter, der bei der Ausschreibung nur knapp unterlag, in diesen Fällen bei weitem günstiger gewesen wäre. Im Fall des Grubenaushubs berechnete der Auftragnehmer 3,23 Euro pro Einheit, der Konkurrent hatte dasselbe für 0,42 Euro angeboten. Beim Beispiel Verdübelung lag der Einheitspreis des zweiten Bieters bei 9,04 Euro. In Zahlen gegossen bedeutet das laut Rechnungshof knapp eine Million Euro, die man sich mit dem zweiten Bieter gespart hätte - und das allein nur bei der Verdübelung.


Gründe für Ausweitung der Aufträge liegen im Dunklen
Warum es zu diesem Anstieg teilweise um das 60-Fache kam, darüber lässt sich nur spekulieren. Bei den 4000m³ Aushub handle es sich nur um einen Teil des Gesamtauftrages, bestätigte man lediglich beim KAV. Die Baufirma Porr wiederum erklärt, dass sie die Gründe für die Ausweitung der Auftragsleistung durch den Auftraggeber - sprich: den KAV - nicht kenne.

"Ausbaden muss dieses Finanzdebakel die Wiener Bevölkerung und eröffnet wird ein Spital, bei dem die Bauphase nahtlos in die Umbauphase übergeht, um den aktuellen Standards zu entsprechen", erklärte dazu die ÖVP-Landtagsabgeordnete, Ingrid Korosec gegenüber der "Wiener Zeitung". Sie wittert hier Manipulation: "Es liegt der Verdacht auf Korruption nahe", sagte Korosec. Die Auftragsvergabe entziehe sich nämlich jeder Logik.

Nur 0,2 Prozent Unterschied zwischen Bestbietern
Beim Rohbau etwa, der unter der Position "5200 Rohbau Baumeister" läuft, liegen vier der Angebote nur drei Millionen Euro auseinander. Das bei einem Auftragsvolumen von rund 100 Millionen Euro. Die beiden erstgereihten Angebote liegen lediglich 0,2 Prozent der Auftragssumme von einander entfernt. Zwischen dem ersten und vierten liegen auch nur gerade einmal drei Prozent. Dieses enge Rennen kann Zufall sein, allerdings auch auf unerlaubte Preisabsprachen hinweisen.

Hinzu kommen für Ingrid Korosec fragwürdige Antikorruptionsmaßnahmen. Sie beklagt, dass der Leiter der Internen Revision des KAV gleichzeitig auch Antikorruptionsbeauftragter des Programms Krankenhaus Nord ist. "Der Prüfer prüft sich hier selbst", erklärt Korosec. Denn die Interne Revision sei für die Überprüfung der Antikorruptionsmaßnahmen zuständig gewesen.

Die Kosten für das, was das modernstes Spital Europas werden sollte, waren ursprünglich mit 825 Millionen Euro veranschlagt. Laut Rechnungshof sind diese Kosten auf 1,5 Milliarden explodiert. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker erklärte im Juni, dass laut KAV bisher Leistungen im Ausmaß von 919 Millionen Euro abgerechnet wurden. Der KAV beziffert die aktuelle Kostenschätzung mit 1,341 Milliarden Euro.




12 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-27 17:59:16
Letzte Änderung am 2018-07-27 18:04:02


Rohstoffe

Das Gold der Städte

Elektroschrott landet in vielen Ländern immer noch auf Mülldeponien. - © apa/dpa/Julian Stratenschulte Wien. In unseren Schubladen liegt Gold. Aus den mehr als zehn Millionen Handys, die schätzungsweise in Österreich ungebraucht herumliegen... weiter




Kulturticket-App

Goethes Gretchen - eine App

Die beiden Gründer Wolfgang Graf (r.) und Gerald Stockinger. - © Stanislav Jenis Wien. Die Unternehmensgründung von "Ticket Gretchen" erfolgte im klassischen Start-up-Sinn. Aus einem persönlichen Bedürfnis entstand eine Idee... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Rückgang bei Lagezuschlägen erwartet
  2. "Geboxt wird mit Worten"
  3. Wien lehnt Wohnungsdeal endgültig ab
  4. Grenzen aus Backstein und Benimmregeln
  5. "Muss schlichten statt unterrichten"
Meistkommentiert
  1. Das grüne Gespenst
  2. Ein Buch als Zündstoff für eine Politik-Debatte
  3. "Muss schlichten statt unterrichten"
  4. "Das war ein Amoklauf"
  5. Chorherr geht mit Jahresende

Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Stadtplanung

Höchstens 58 Meter

Am Areal beim Franz-Josefs-Bahnhof ist eine Überplattung mit terrassenförmigen Gebäuden geplant. - © apa/Zoomvp.at/Zoom visual Project GmvH Wien. 126 Meter hoch hätte gebaut werden dürfen - letztendlich hat man sich auf 58 Meter als höchsten Punkt beschränkt: In Wien wurde am Donnerstag... weiter




Bauen

"Wir bauen den größten Sondermüll der Baugeschichte"

Workers spreading mortar over styrofoam insulation and mesh with trowel - © fotolia/Dagmara_K Wien. Wenn Dietmar Steiner (67) auf einer europäischen Landkarte überall dort ein Fähnchen stecken würde, wo ein Bau steht... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter






Werbung