• vom 18.08.2018, 07:00 Uhr

Stadtpolitik


Grüne

Vassilakous Nachfolger




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Von Bernd Vasari

  • Wer grüner Spitzenkandidat für die kommende Wien-Wahl wird, entscheidet sich zwischen David Ellensohn und Peter Kraus.

Wer wird Maria Vassilakou beerben? Peter Kraus (l.) oder David Ellensohn. - © Grüne Wien

Wer wird Maria Vassilakou beerben? Peter Kraus (l.) oder David Ellensohn. © Grüne Wien



Maria Vassilakou.

Maria Vassilakou.© apa/Neubauer Maria Vassilakou.© apa/Neubauer

Wien. Die Grünen stehen vor einer Richtungsentscheidung. Die Karten werden neu gemischt. Maria Vassilakou, langjährige Spitzenkandidatin, soll laut Informationen der "Wiener Zeitung" bei der nächsten Wien-Wahl nicht mehr antreten. Mögliche Nachfolger können sich ab Montag für den vakanten ersten Listenplatz bewerben. Dabei wird es wohl auf ein Duell zwischen erfahren und unverbraucht, zwischen Klubobmann David Ellensohn und Gemeinderat Peter Kraus hinauslaufen. Wer sind die beiden?

"Null geehrte Herren, (. . .) ihr Wixer." David Ellensohns Ankunft als Grüner im Gemeinderat ereignet sich vor 17 Jahren mit einer E-Mail, die für Aufregung sorgte. "Eure Fickfantasien könnt ihr euch in den Arsch schieben. Grußlos", schreibt er an die Junge ÖVP Penzing. Zuvor hatten die Jung-Schwarzen auf ihrer Homepage über das Sexualleben der Grünen spekuliert: "Bekifft fickende Grüne?"

Seiner Karriere schadet der Mailverkehr nicht. Ellensohn (55), weißer Kurzhaarschnitt, glatt rasiert, Sakko und Hose schwarz, steigt schnell in der grünen Hierarchie auf, riskiert eine Auseinandersetzung mit dem damaligen Klubobmann Christoph Chorherr, setzt sich durch. Als nicht amtsführender Stadtrat wird er die Nummer zwei hinter Klubobfrau Vassilakou, die Chorherr nachfolgt. Ein Kompromiss, auf den sich alle in der Partei einigen können. 14 Jahre lang steht Ellensohn im Schatten Vassilakous. Geht es nach ihm, soll sich das nun ändern.

Politisch verankert ist Ellensohn in der Antifa-Bewegung, er tritt zudem für soziale Gerechtigkeit ein. Mit Erfolg. 2003 wird auf seine Initiative hin das Ehrengrab des Nazi-Piloten Walter Nowotny auf dem Zentralfriedhof aberkannt. Auch das Deserteursdenkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz auf dem Ballhausplatz ist ihm zu verdanken.

Flecken auf David Ellensohns weißer Weste

Durchgesetzt hat er sich ebenso beim Gedenken an den Sieg der Alliierten über das Nazi-Regime am 8. Mai. Aus dem jährlichen Totengedenken der Burschenschafter auf dem Heldenplatz wurde 2013 das Fest der Freude. Weiters setzt er sich erfolgreich für die Abschaffung des kleinen Glücksspiels ein, das 2015 verboten wird.

Flecken bekam Ellensohns weiße Weste jedoch im vergangenen Jahr. Sein größter politischer Rückschlag war die Abstimmung rund um das Investorenprojekt am Heumarkt. Als sich die grünen Gegner des Projekts in einer internen Urabstimmung durchsetzten, beauftragte ihn Vassilakou, eine Mehrheit im grünen Klub für die Umwidmung des Projekts zu finden. Er setzte sich damit über das eigentlich bindende Ergebnis der Abstimmung hinweg. Er hatte jedoch Glück, dass der Schuldige für das grüne Desaster nicht er, sondern Vassilakou wurde.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-17 17:17:48
Letzte Änderung am 2018-08-17 17:27:50


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