• vom 03.09.2018, 19:55 Uhr

Stadtpolitik

Update: 03.09.2018, 20:09 Uhr

Maria Vassilakou

Abgang der Artischocke




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Von Daniel Bischof

  • Maria Vassilakou hat wie kaum eine Politikerin Zorn und Bewunderung hervorgerufen.

Maria Vassilakou bei der Wahlkampf-Abschlussveranstaltung der Wiener Grünen 2005.

Maria Vassilakou bei der Wahlkampf-Abschlussveranstaltung der Wiener Grünen 2005.© apa/Schlager Maria Vassilakou bei der Wahlkampf-Abschlussveranstaltung der Wiener Grünen 2005.© apa/Schlager

Wien. Es gibt diese Gemüsesorten, die liebt oder hasst man. Die Artischocke beispielsweise. So mancher Esser verzieht schon das Gesicht, wenn er sie nur auf seiner Pizza liegen sieht, während ein anderer die Eigenheiten des Gemüses über alles schätzt.

So wie die Artischocke die Geschmäcker spaltet, so sehr polarisiert auch Maria Vassilakou in der Wiener Stadtpolitik. Mit ihrer Ankündigung vom Sonntag, sie werde nicht mehr bei der anstehenden Wien-Wahl 2020 für die Grünen kandidieren, geht der Bundeshauptstadt ihre streitbarste Politikerin abhanden.


Denn Vassilakou, die spätestens bis Juni 2019 ihren Stadtratsposten an ihren Nachfolger übergeben will, rief wie kaum eine andere Politikerin Emotionen hervor. Für die einen ist sie die durchsetzungsstarke Galionsfigur der Grünen, die die Partei einte und vorwärtsbrachte. Andere wiederum sehen in ihr den grünen Gottseibeiuns, der seinen Lebenszweck nur darin sieht, den Autofahrern das Leben zu vermiesen.

"Irgendwann ist es entglitten"
"Dass eine Grünen-Politikerin in Wien polarisiert, ist gewollt. Es liegt in der Logik der Grünen und einer Kleinpartei", sagt Politologe Peter Filzmaier. Denn eine Partei, die von Grund auf bei rund zehn Prozent liege, müsse polarisieren, um ihre Wähler zu erreichen.

"Irgendwann ist es aber vom Ausmaß her entglitten", meint Filzmaier. Dazu habe auch die eigentümliche Dynamik der modernen Politik- und Mediengesellschaft beigetragen: "Da wird alles sehr stark auf die persönliche Ebene verlagert." Angeheizt wurde diese Polarisierung vom emotionalen Thema Verkehr, das Vassilakou als Planungsstadträtin besetzte. "Beim Autofahren ist es wie beim Fußball - jeder weiß es immer besser", meint der ehemalige Klubchef der Wiener SPÖ, Christian Oxonitsch.

Mit der Neugestaltung der Mariahilfer Straße zu einer Fußgänger- und Begegnungszone begeisterte sie die grüne Basis, verärgerte aber Autofahrer, Geschäftstreibende und die Oppositionsparteien. Auch die Ausweitung des Parkpickerls und der Bau neuer Radwege traf nicht überall auf Gegenliebe. Harsche persönliche Anfeindungen folgten.

"Sie war ein Hassobjekt"
"Sie war ein Hassobjekt in der Bevölkerung. Unpackbar, was sie da ausgehalten hat", sagt Bettina Emmerling, die als Verkehrssprecherin der Wiener Neos mit Vassilakou zu tun hatte. Das sei wohl auch ihrer unmissverständlichen Linie geschuldet, die Vassilakou gefahren sei. "Da haben es Frauen dann besonders schwer - sie gelten als zu bissig, wenn sie klare Meinungen vertreten, ansonsten hält man sie für zu schwach."

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Dokument erstellt am 2018-09-03 18:05:57
Letzte Änderung am 2018-09-03 20:09:23


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