• vom 03.10.2018, 17:39 Uhr

Stadtpolitik

Update: 03.10.2018, 21:18 Uhr

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Grüner Fünfkampf




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  • Fünf Kandidaten wollen Vassilakou beerben. Auch zwei Außenseiter sind dabei.

Marihan Abensperg-Traun, David Ellensohn, Birgit Hebein, Benjamin Kaan und Peter Kraus (v. l. n. r.) kämpfen um den grünen Spitzenplatz. - © apa/Robert Jäger

Marihan Abensperg-Traun, David Ellensohn, Birgit Hebein, Benjamin Kaan und Peter Kraus (v. l. n. r.) kämpfen um den grünen Spitzenplatz. © apa/Robert Jäger

Wien. Das Match um die Führung der Wiener Grünen wird zum Fünfkampf: Denn neben Klubchef David Ellensohn (56), Sozialsprecherin Birgit Hebein (51) und Wirtschaftssprecher Peter Kraus (31) haben sich noch zwei Außenseiter für die Spitzenwahl qualifiziert: Der Meidlinger Bezirksrat Benjamin Kaan (32) und die Ärztin Marihan Abensperg-Traun (42) schafften es ebenfalls, die nötige Zahl an Unterschriften zu sammeln. Damit haben fünf Personen die Chance, als Spitzenkandidat die Wiener Grünen in die nächste Wien-Wahl zu führen und die Nachfolge von Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou anzutreten. Sie hat ihren Rückzug spätestens bis zum Frühsommer angekündigt.

Um auf den Wahlzettel zu kommen, brauchten die ursprünglich neun Bewerber die Zustimmung von 100 Personen, wobei 50 davon Parteimitglieder sein mussten. Wer schon mehr als zwei Perioden in ununterbrochener Reihenfolge ein Mandat im Gemeinderat und Landtag innehat, benötigte 200 Unterstützungserklärungen, 100 davon von Grün-Mitgliedern. Am Dienstag war die Frist abgelaufen. Vier Bewerber sind daran gescheitert. Die fünf Kandidaten, die die erste Runde erfolgreich überstanden haben, wurden am Mittwoch in einer Pressekonferenz präsentiert.


Wer sind nun die beiden unbekannten Quereinsteiger? Kaan sitzt seit 2015 für die Meidlinger Grünen in der Bezirksvertretung. Zuvor war er Mitarbeiter der damaligen EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek. Er ist Unternehmer in der Bio-Lebensmittelbranche. Kaan will die Partei verändern. Zuletzt habe grünintern zuweilen der Frust eingesetzt. Zur Regierungsrolle der Wiener Grünen bekennt er sich: "Gestalten ist wichtiger als Oppositionsarbeit."

Eine "Koalition
mit Augenmaß"

Keinen Konnex zum Parteiapparat hat Abensperg-Traun. Sie ist Medizinerin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im AKH. Unter "bisherige Tätigkeit" für die Grünen verbucht sie ihre "große Sympathie in Bezug auf grüne Werte" und "regelmäßiges und treues Wählen". Inhaltlich will sie Begrünungsmaßnahmen gegen Hitze in der Stadt, den Öffi-Ausbau und niederschwellige Anlaufstellen für medizinische Betreuung im Grätzel forcieren. Mit der SPÖ wünscht sie sich eine "Koalition mit Augenmaß": "Es kann nicht so sein, dass wir grüne Werte verraten", sagt sie.

Vorstellen durften sich auch die drei bekannteren Gesichter im Rennen um die Nummer eins. Klubobmann Ellensohn sprach von den Grünen als "erfolgreiche Projektpartei", die vieles in der Stadtregierung durchsetzen habe können. Er will den Ökos aber wieder mehr das Gesicht einer "Protestpartei" geben, "die sich anlegt mit den Großen - mit Novomatic, Immobilienhaien und der Bundesregierung".

Im Gegenmodell zu Türkis-Blau sieht auch Hebein die Rolle der Grünen: "Wir können den Spaltern und Zerstörern nicht unser leiwandes Wien überlassen." Ihre Herzensangelegenheit sei die Sozialpolitik, sie wolle Begeisterung für die grüne Idee auslösen. Hebein rief zur Teilnahme an der Demo gegen die Bundesregierung und zur Unterstützung des Frauenvolksbegehrens auf.

Kraus setzt auf die Themen leistbares Wohnen, die ungleiche Verteilung des Reichtums und die Umwelt. Er will das grüne Regierungsressort in ein "echtes Klimaschutzressort" umbauen, weil dies die zentrale Herausforderung für die Zukunft sei. Es solle keine Straße mehr in Wien ohne Bäume geben. "Und ich will raus aus Öl und Gas", hielt Kraus am Mittwoch fest.

Entscheidung fällt
Ende November

Wer das Rennen macht, wird Ende November feststehen. Entschieden wird via Briefwahl, die am 8. November startet. Davor stellen sich die Kandidaten auf vier Veranstaltungen der Öffentlichkeit. Das Auftakt-Event findet am kommenden Dienstag, 9. Oktober, im Odeon-Theater statt. Besuchen können die Veranstaltungen nicht nur Parteimitglieder, sondern auch alle anderen Interessierten, wenn sie angemeldet sind.

Wählen selbst können ebenfalls externe Personen, wenn sie sich bis 18. Oktober auf www.spitzenwahl.wien registrieren. Bisher
haben das 1520 Menschen getan. Die Zahl der Parteimitglieder der Wiener Grünen beträgt rund 1800.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-03 17:48:31
Letzte Änderung am 2018-10-03 21:18:30


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