• vom 29.10.2018, 16:43 Uhr

Stadtpolitik

Update: 29.10.2018, 17:25 Uhr

Hundehaltung

Bisse, Misstrauen und Proteste




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  • Eine Beißattacke auf ein elfjähriges Mädchen heizt die Diskussion um Maulkorbpflicht für Hunde weiter an.

Der American Staffordshire Terrier zählt in Wien zu den sogenannten Listenhunden.

Der American Staffordshire Terrier zählt in Wien zu den sogenannten Listenhunden.© apa/Georg Hochmuth Der American Staffordshire Terrier zählt in Wien zu den sogenannten Listenhunden.© apa/Georg Hochmuth

Wien. (dab) Die Debatte um die Maulkorbpflicht für Hunde spinnt sich weiter. Am Montag erneuerte die für Tierhaltung zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) ihre Forderung, nachdem am Wochenende ein elfjähriges Mädchen von einem Kampfhund gebissen worden war: Es brauche eine Beißkorbpflicht für alle Listenhunde, sagte Sima.

Diese Pflicht war in der Novelle des Wiener Tierhaltegesetz ursprünglich enthalten - die "Wiener Zeitung" berichtete. Die Grünen hatten die Umsetzung aber blockiert, weil ihnen die Novelle nicht weit genug geht. Sie fordern eine Maulkorbpflicht für aggressive Hunde, unabhängig von ihrer Rasse. Auch soll der verpflichtende Führschein für alle Hunde eingeführt werden.


Gebissen wurde die Elfjährige am Wochenende von einem American Staffordshire Terrier, der zu den Listenhunden gehört. Das Mädchen hatte sich den ausgewachsenen Hund und einen Staffordshire-Terrier-Welpen von einer 18-jährigen Halterin ausgeborgt. Beim Spaziergehen wurde sie dann von dem älteren Tier gebissen. Zeugen beobachteten die Attacke und riefen die Polizei. Diese sicherte die Tiere, das Mädchen wurde mit Verletzungen an den Armen und am linken Bein in ein Krankenhaus gebracht.

Im Zuge der Befragungen kam heraus, dass das Mädchen bereits am Freitag von dem Hund gebissen worden war. "Sie hat das aber verheimlicht", so ein Polizeisprecher. Zudem wurde bekannt, dass eine Frau am 20. Oktober angegeben hat, ebenfalls von dem Hund gebissen worden zu sein. Dieser Vorfall wurde auch angezeigt.

Nach Rücksprache mit dem Amtstierarzt wurde die Abnahme beider Hunde verfügt, sie wurden der Tierrettung übergeben. Die 18-jährige Hundebesitzerin wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung angezeigt.

Demo gegen Verschärfungen
"Hätte der Hund einen Beißkorb gehabt, wären diese Vorfälle nicht passiert. Gott sei Dank ist es hier glimpflich verlaufen, aber es hätte auch Schlimmeres passieren können", sagte Sima. Sie ortet auch eine Mehrheit in der Bevölkerung, die sich für eine Maulkorbpflicht bei Kampfhunden ausspricht. Der Wunsch resultiere daraus, "dass man einigen Haltern offenbar nicht vertrauen kann".

Auf Kritik stießen Simas Pläne am Sonntag bei Tierschützern und Hundehaltern, sie demonstrierten vor dem Rathaus gegen die Verschärfungen. Auch der freiheitliche Landtagsabgeordnete Udo Guggenbichler beteiligte sich daran. Simas "völlig willkürliche und tierfeindliche Anlassgesetzgebung" spalte die Gesellschaft, Hundebesitzer würden angefeindet und angepöbelt werden, so der FPÖ-Politiker. Sima solle lieber im Bund mit Experten ein Tierhaltegesetz erarbeiten.

Bisher wurde die Novelle zum Tierhaltegesetz - die keine Maulkorbpflicht für Listenhunde, aber etwa eine Alkoholgrenze für Halter dieser Hunde vorsieht - nicht. Eigentlich war ein Beschluss im Landtag am vergangenen Donnerstag geplant, das verhindert allerdings die Wiener FPÖ im Sonderausschuss. Sie konnte die Novelle zwar verzögern, verhindern aber nicht: Der Beschluss soll nun bei einem Sonderlandtagtag im November erfolgen.




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Dokument erstellt am 2018-10-29 16:55:00
Letzte Änderung am 2018-10-29 17:25:07


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