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Wien

Update: 11.04.2018, 10:10 Uhr

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Der eingebremste Weltretter




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Von Saskia Blatakes

  • Ein Gerät soll für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern sorgen - und stößt dabei auf den Widerstand multinationaler Konzerne.

Die sogenannte Sodis-Methode ersetzt Chlortabletten und säubert das Wasser mit Sonnenlicht. - © Helioz

Die sogenannte Sodis-Methode ersetzt Chlortabletten und säubert das Wasser mit Sonnenlicht. © Helioz



Gründer Martin Wesian im Hinterhof seiner Firma Helioz auf der Mariahilfer Straße.

Gründer Martin Wesian im Hinterhof seiner Firma Helioz auf der Mariahilfer Straße.© Saskia Blatakes Gründer Martin Wesian im Hinterhof seiner Firma Helioz auf der Mariahilfer Straße.© Saskia Blatakes

Wien. Durst, Wasserhahn aufdrehen, trinken. So einfach ist das in Österreich. Aber mehr als 660 Millionen Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Die Hälfte aller weltweit verfügbaren Krankenhausbetten sind von Menschen belegt, die an Durchfall, Cholera oder Typhus leiden - alles Folgen von verunreinigtem Wasser.

Was es heißt, wenn auf das Trinkwasser kein Verlass ist, das hat auch der Vorarlberger Martin Wesian schon am eigenen Leib erlebt: Er lebte in Venezuela und war einer der Betroffenen der Cholera-Epidemie, die das Land in den Neunziger Jahren traf. Das infizierte Gebiet wurde hermetisch abgeriegelt, zehntausende Menschen starben. Doch Martin Wesian überlebte dank bester medizinischer Betreuung. Und er hatte dabei das ungute Gefühl, bevorzugt behandelt zu werden. "Und zwar bloß, weil ich eine weiße Hautfarbe habe", erzählt er beim Besuch der "Wiener Zeitung" in seinem Büro in einem Hinterhof der Mariahilfer Straße.

Während ihm geholfen wurde, bedeutet verunreinigtes Wasser täglich für viele Menschen weltweit den Tod. Diese Erfahrung wird ihn nie mehr loslassen. An den Moment, der ihn dann endgültig zum leidenschaftlichen "Wasser-Retter" machte, kann er sich noch genau erinnern. Er ist längst wieder aus Lateinamerika zurückgekehrt und arbeitet in Wien, als er 2007 im deutschen Wochenmagazin "Der Spiegel" ein Interview liest.

Von einem "Wasserprediger" ist dort die Rede - für den Schweizer Bauingenieur Martin Wegelin, der an der ETH Zürich "Sodis" (Solar Water Desinfection) erforscht, eine genial einfache und sehr effektive Methode, um aus verseuchtem Wasser Trinkwasser zu machen. Doch obwohl die Methode eigentlich ganz einfach ist, sei die Anwendung in der Realität umso schwieriger, klagt der Ingenieur. Denn die einfachste Technik bringt nichts, wenn niemand sie kennt. Das Wichtigste sei jetzt, die Botschaft von "Sodis" in den Entwicklungsländern unter die Leute zu bringen, sagte er in dem Interview.

Als Wesian das liest, hat er eine Art Geistesblitz und ruft den Professor in Zürich kurzerhand an: "Was halten Sie von einem technischen Indikator?" Denn dieser könnte die Methode für Nutzer noch einfacher und verlässlicher machen. Der Schweizer ist begeistert. Das Gerät Wadi ist aus der - zumindest geistigen - Taufe gehoben.

Die beim Wadi verwendete Sodis-Methode entstand durch einen ziemlich banalen Zufall: Es ist ein sonniger Morgen im Beirut der Achtziger Jahre. Biochemiker Aftim Akra vergisst eine Plastikflasche mit kontaminiertem Wasser auf der Fensterbank seines Labors. Als er sich am Abend wieder an die Flasche erinnert, macht er eine verblüffende Entdeckung: Alle Bakterien sind verschwunden. Dass UV-Strahlen eine desinfizierende Wirkung haben, ist zwar schon lange bekannt, aber dass die Zusammenwirkung aus PET-Flasche und Sonnenlicht in der Lage ist, aus verunreinigtem Wasser innerhalb weniger Stunden Trinkwasser zu machen, ist damals aber eine echte Sensation.




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Dokument erstellt am 2018-04-03 16:42:05
Letzte Änderung am 2018-04-11 10:10:01


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