• vom 03.03.2015, 17:19 Uhr

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Update: 03.03.2015, 18:00 Uhr

Zufußgehen

"Mahü für jeden Bezirk"




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  • Vassilakou will Wiener mit sogenannten Flaniermeilen zum Zufußgehen animieren.

Das Modell der Mariahilfer Straße soll es bald auch in anderen Bezirken geben.

Das Modell der Mariahilfer Straße soll es bald auch in anderen Bezirken geben.© apa/Hochmuth Das Modell der Mariahilfer Straße soll es bald auch in anderen Bezirken geben.© apa/Hochmuth

Wien. Die Wiener sollen zum Zufußgehen motiviert werden. Langfristig möchte Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) den Anteil der Fußwege am Modal Split auf 30 Prozent heben - dafür sorgen könnten etwa Flaniermeilen und ein besseres Sicherheitsgefühl. "In jedem Bezirk soll es so etwas wie die Mahü (Mariahilfer Straße, Anm.) geben", meinte Vassilakou am Dienstag bei einem Pressegespräch.

Schon jetzt gehen die Wiener laut einer aktuellen Studie im internationalen Vergleich relativ viel. 80 Prozent der 600 Befragten gaben an, häufig zu Fuß zu gehen. Immerhin 60 Prozent verzichten nicht nur notgedrungen, sondern auch "gerne" auf Auto oder Öffis. Derzeit werden 26 Prozent aller Wege in Wien zu Fuß zurückgelegt, wie Harald Frey, Studienautor und Verkehrsexperte der Technischen Universität Wien, erklärte. Knapp 40 Prozent der Wiener legen fast täglich reine Fußwege zurück.


Vor allem eine schöne Umgebung motiviert die Wiener, sich zu bewegen. Autoverkehr oder lange Warte- und Querungszeiten an Ampeln seien dagegen negative Einflussfaktoren. Im "Jahr des Zufußgehens" 2015 wolle man nun alles tun, "um die Wiener auf den Geschmack zu bringen, Wege zu Fuß zurückzulegen", wie Vassilakou meinte.

Bis 2018 sollen etwa die ersten zwei "Flaniermeilen" durch die Stadt entstehen: Die erste Route wird vom Hauptbahnhof durch die City und in die Leopoldstadt bis zur Hauptallee und zum neuen Campus der Wirtschaftsuniversität führen. Der zweite Weg beginnt am Währinger Gürtel, verläuft über die Währinger Straße in den 8., 7. und 6. Bezirk. Sitzgelegenheiten, Wasser und sehenswerte Gebäude sollen die Wiener auf diese Wege locken. Bis 2025 sind fünf weitere Meilen geplant.

Auch eine Wien-zu-Fuß-App inklusive Routenplaner, Schrittzähler und Schatzsuche-Spiel, das Belohnungen bei Kooperationspartnern verspricht, sowie die erste Wiener-Fußwege-Karte (beides verfügbar ab April) sollen die Bewohner der Bundeshauptstadt von ihren Autositzen holen, wie Fußverkehr-Beauftragte Petra Jens schilderte.

13 Millionen Euro Budget
Das lässt sich die Stadt auch einiges kosten. Am morgigen Mittwoch soll das Budget der Mobilitätsagentur, bei der auch Radfahr- und Fußverkehr-Beauftragte beheimatet sind, im Verkehrsausschuss neu beschlossen werden. Für die Jahre 2016 bis 2020 sind 13 Millionen Euro veranschlagt, wie der Grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch im Gespräch mit der APA erklärte. 2,2 Millionen Euro gibt es pro Jahr, zwei Millionen Euro sind noch extra für den Fußgängerschwerpunkt einkalkuliert.

In der Vergangenheit hatte es bei verkehrspolitischen Ideen, wie nun etwa einer verkehrsberuhigten Zone pro Bezirk, immer wieder Probleme mit den einzelnen Bezirken gegeben. Denn die Verkehrsagenden liegen in deren Kompetenzen. Vassilakou hatte wiederholt eine Neuordnung dieser Machtverteilung angeregt - was prompt zu heftigen Protesten der Bezirksvorsteher führte. "Das war ein Missverständnis: Ich möchte den Bezirken keine Kompetenzen wegnehmen", präzisierte die Stadträtin heute.

Allerdings: "Geht es um Aufgaben, bei denen wir eine Gesamtplanung brauchen, soll der Gemeinderat das letzte Wort haben." Denn es sei weder vernünftig, dass eine Straße noch eine Buslinie oder eine Flaniermeile an den Bezirksgrenzen ende. "Wir wohnen in einer Stadt, nicht in 23." Als Beispiel nannte Vassilakou etwa das Radwegenetz: So würde das zusammenhängende, übergeordnete Hauptradnetz schon jetzt von der Stadt geplant und finanziert werden. Die Bezirke können dann autonom über weitere Strecken entscheiden.

Kritik zu dem Vorhaben der Grünen kam von der ÖVP. "Dass man kurz vor den Wahlen im Herbst die nicht gerade vom Erfolg verwöhnte Mobilitätsagentur mit einem Geldreigen von 13 Millionen Euro belohnt und somit bis zum Jahr 2020 ausfinanziert, ist eine bodenlose Frechheit. Es ist offensichtlich, dass man hier Fakten schaffen will, und das alles auf Kosten der Wienerinnen und Wiener", sagte ÖVP Wien Landesparteiobmann Stadtrat Manfred Juraczka.




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Dokument erstellt am 2015-03-03 17:56:05
Letzte Änderung am 2015-03-03 18:00:33


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