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Update: 03.07.2016, 15:09 Uhr

Schifffahrt

Ein Lehrberuf mit Jobgarantie




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Von Mathias Ziegler

  • Die heutige DDSG Blue Danube GmbH hat bei ihrer Gründung vor genau 20 Jahren von der ursprünglichen DDSG nicht nur den Namen, sondern auch fünf ihrer sechs Schiffe übernommen. Und sie ist der größte Lehrlingsausbilder für die Binnenschifffahrt in Österreich.

Die 1987 gebaute "MS Admiral Tegetthoff " (l.) wurde 2012 völlig neu gestaltet. Die "MS Blue Danube" (r.) hieß ursprünglich "MS Schlögen". Diese wurde 2007 in Dienst gestellt, aber 2014 komplett umgebaut und umbenannt. - © DDSG Blue Danube GmbH

Die 1987 gebaute "MS Admiral Tegetthoff " (l.) wurde 2012 völlig neu gestaltet. Die "MS Blue Danube" (r.) hieß ursprünglich "MS Schlögen". Diese wurde 2007 in Dienst gestellt, aber 2014 komplett umgebaut und umbenannt. © DDSG Blue Danube GmbH

Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänskajütentürklinkenputzer. Kaum ein anderes Unternehmen hat sich mit seinem Namen dermaßen ins kollektive Gedächtnis der Österreicher eingebrannt (nicht zuletzt, weil man beim "Stille Post"-Spielen so tolle lange zusammengesetzte Hauptwörter damit bilden kann) wie die DDSG – die genaugenommen seit 1995 nicht mehr existiert und vor genau 20 Jahren von der DDSG Blue Danube GmbH abgelöst wurde. "Die alte DDSG hat über Jahrzehnte Steuermillionen versenkt, bis sie sich schließlich selbst versenkt hat. Bis zum Jahr 1995 war es keinem privaten Schifffahrtsunternehmen möglich, auf der österreichischen Donau Personenschifffahrt zu betreiben, da jegliches Bestreben in diese Richtung durch die 'Bedarfsprüfung' der DDSG abgeschmettert wurde", merkt Barbara Brandner-Mosser zum eher unrühmlichen Ende der alten DDSG an. Ihr Unternehmen Brandner betreibt folgerichtig erst seit 1996 mit zwei Schiffen, der "MS Austria" und der "MS Austria Princess" Personenfahrten, auch wenn seine Geschichte gut 200 Jahre zurückreicht.

Aber zurück zur neuen, von der Vergangenheit unbelasteten Donaudampfschifffahrtsgesellschaft - die eigentlich mittlerweile Donaudieselschifffahrtsgesellschaft heißen müsste. Denn alle sechs DDSG-Schiffe haben ausschließlich Dieselmotoren. Und so ist der Seitenraddampfer "MS Schönbrunn" (Baujahr 1912) das letzte verbliebene Dampfschiff, das in Österreich auf der Donau unterwegs ist. Ausgerechnet dieses Schiff war vor gut zwei Wochen in einen Unfall verwickelt. Die "MS Schönbrunn" kollidierte nämlich mit dem Ausflugsschiff "MS Austria" der Firma Brandner. Der alte Schaufelraddampfer drehte sich während der traditionellen Sonnwendfahrt in der Wachau bei Dürnstein plötzlich quer und rammte die "MS Austria" mit hoher Geschwindigkeit - die Schäden waren so groß, dass die "MS Austria" zwei Wochen lang ausfiel und in der Werft Linz repariert werden musste. Personen kamen bei dem Vorfall zum Glück nicht zu Schaden.

Information

Chronologie der DDSG (Auszug)

1817 Das erste Schiff, gebaut von Anton Bernhard, befährt die österreichische Donau
1818 Das erste Schiff, gebaut von Anton Bernhard, befährt die ungarische Donau
1829 Gründung der Ersten Donaudampfschifffahrtsgesellschaft (1. DDSG)
1830 Erste Schifffahrt Wien-Budapest
1838 Regelmäßiger Schiffsverkehr Wien-Linz
1839 Übergang von Holz- auf Eisenschiffe
1846 Gründung der Schiffswerft Linz
1848 Die DDSG besitzt 50 Dampfer und 142 Güterboote
1852 Gründung der Schiffswerft Korneuburg
1870 Erbauung des Wiener Donaukanals
1875 Eröffnung des Wiener Donaudurchstichs, dadurch Stilllegung der Hafenanlage in der Alten Donau
1880 Die DDSG ist das größte Binnenschifffahrtsunternehmen der Welt
1902 Eröffnung des Hafens Freudenau
1918 Nach dem Ersten Weltkrieg geht fast die Hälfte des Fuhrparks an die Siegermächte
1945 Durch den Zweiten Weltkrieg hat die DDSG rund 85 Prozent des Gesamtvermögens verloren, darunter 14 Dampfschiffe, 17 Motorzugschiffe, 245 Güterboote und 75 Tankboote, das gesamte Auslandsvermögen, das Kohlebergwerk in Pecs (Ungarn) sowie die Schiffswerften in Korneuburg und bei Budapest; die gesamte Schifffahrt ist bis 1947 stillgelegt
1949 Das erste Nachkriegsschiff, die "Ostarrichi" wird in Dienst gestellt
1955 Staatsvertrag: Die DDSG wird zu einem österreichischen Unternehmen zusammengeführt; Fertigstellung des Kraftwerks Jochenstein
1961 Anfänge der Schubschifffahrt bei der DDSG
1972 Modernisierung der Flotte
1990 Koalitionsabkommen zur Privatisierung der DDSG
1991 Die Frachtschifffahrt wird als DDSG Cargo GmbH ausgegliedert, die Passagierschifffahrt wird zur DDSG Donaureisen GmbH
1995 Die DDSG Donaureisen GmbH wird mit Jahresende aufgelöst – die fünf jüngsten Schiffe werden von der neuen DDSG Blue Danube Schifffahrt GmbH (50 % Hafen Wien, 50 % Österreichisches Verkehrsbüro) übernommen (vier davon fahren noch heute)
2001 Beginn der DDSG-Lehrlingsausbildung
2006 Erster Twin City Liner Wien-Bratislava der Central Danube mit der DDSG Blue Danube als strategischem Partner
2007 Das jüngste DDSG-Schiff, die "MS Schlögen", wird in Dienst gestellt (2014 runderneuert und in "MS Blue Danube" umbenannt)
2008 Zweiter Twin City Liner Wien-Bratislava
2010 Eröffnung der Schiffsstation Wien/City
am Wiener Schwedenplatz
Vom Wasser aus sieht man auch weniger bekannte Seiten von Wien.

Vom Wasser aus sieht man auch weniger bekannte Seiten von Wien.© DDSG Blue Danube / Dieter Lampl Vom Wasser aus sieht man auch weniger bekannte Seiten von Wien.© DDSG Blue Danube / Dieter Lampl

Die DDSG Blue Danube war jedenfalls an dieser Kollision nicht beteiligt, und so schippern ihre sechs Schiffe unbehelligt weiter die Donau hinauf und hinunter. Vier Ausflugsschiffe stammen übrigens noch von der alten DDSG, die in drei verschiedene eigenständige Gesellschaften aufgegangen ist: Die 1996 gegründete DDSG Blue Danube bedient die Passagierschifffahrt. Die 2002 gegründete Wiener Donauraum Länden und Ufer Betriebs- und Entwicklungsgesellschaft hält die Anlegestellen entlang der Donau, die nicht in privatem Besitz sind oder von Städten betrieben werden (auch Brandner ist Eigentümer von zwölf Anlegestellen zwischen Linz und Wien). Und die 1993 ausgegliederte First-DDSG Logistics Holding alias DDSG-Cargo betreibt das Frachtgeschäft. "Von der Eigentümerverstrickung her gib es nur noch eine Verbindung zwischen uns und der Wiener Donauraum", erklärt Wolfgang Hanreich, einer der beiden Geschäftsführer der DDSG Blue Danube SchiffahrtGmbH: "Die Wiener Donauraum gehört zu 100 Prozent der Wien Holding, wir gehören zu 50 Prozent der Wien Holding. Die DDSG-Cargo ist mittlerweile im Besitz des ukrainischen Eisenerzförderers Ferrexpo – da sind nur noch die ersten vier Buchstaben gleich."

"Entwicklung weg vom reinen Beförderer hin zur Erlebnisschifffahrt"

Die Bord-Unterhaltung wird immer wichtiger, dazu gehören auch Screens mit aktuellen Informationen.

Die Bord-Unterhaltung wird immer wichtiger, dazu gehören auch Screens mit aktuellen Informationen.© ViennaPress / Andreas TISCHLER Die Bord-Unterhaltung wird immer wichtiger, dazu gehören auch Screens mit aktuellen Informationen.© ViennaPress / Andreas TISCHLER

In Wien ist die DDSG Blue Danube sozusagen der Monopolist in der Schifffahrt, in der Wachau und in Oberösterreich gibt es noch andere Mitbewerber wie eben zum Beispiel Brandner. "Da muss jeder schauen, wie er zu seinen Kunden kommt. Der touristische Markt ist heiß umkämpft. Und die Ausflugsschifffahrt hat sich gewandelt, vom reinen Beförderer zur Erlebnisschifffahrt", erläutert Geschäftsführer Hanreich. "Man muss dem Kunden etwas bieten, das reicht von chilliger Hintergrundmusik über Flatscreens, auf denen die Sehenswürdigkeiten in der Nähe vorgestellt werden, bis zur vollausgestatteten Bordküche mit Topqualität, die manches Restaurant gerne hätte. Auf jedem unserer Schiffe wird frisch gekocht. Die Donau in Wien ist halt leider nicht an der Ringstraße gebaut. Insofern ist es nicht so Wien in Paris auf der Seine oder in Budapest, wo man von der Donau aus mehr sieht. Aber hier bei uns sieht man von der Donau aus Teile von Wien, die man sonst nicht so zu sehen bekommt." Insofern ist Hanreich froh, dass Wien mittlerweile entlang der Donau eine moderne Skyline hat. Und auch den unteren Donaukanal, der sehr grün ist, findet er durchaus "beeindruckend für eine Großstadt". Und er freut sich über jeden heißen Sommer, weil auf der Donau immer eine frische Brise weht, während schlechtes Wetter und Hochwasser den Donauschiffern eher Probleme bereiten.

Insgesamt befördert die DDSG Blue Danube pro Jahr zwischen 250.000 und 300.000 Passagiere (125.000 davon in der Wachau) – Tendenz langfristig steigend. "Schifffahrt ist schon in", findet Hanreich, der auf die Modernisierung der kompletten Flotte verweist, bei der nur noch die "MS Wachau" fehlt – finanziert aus bereits verdienten Eigenmitteln. Die Mehrzahl der Gäste in der Linienschifffahrt sind Ausländer, bei den rund 220 Themenfahrten pro Jahr hingegen sind es bis zu 90 Prozent Österreicher, berichtet Hanreich. "Weil einfach viele Themen nichts mit Wien zu tun haben. Warum sollte ein Gast aus dem Ausland eine karibische Nacht oder eine Austropop-Fahrt buchen? Allerdings gibt es beispielsweise jeden Donnerstag eine Heurigenfahrt, da sind dann auch viele ausländischen Gäste dabei, die sonst vielleicht nach Grinzing fahren würden."

Sonnendeck der "MS Wachau" - auf der Donau weht auch im heißesten Hochsommer immer ein Lüfterl.

Sonnendeck der "MS Wachau" - auf der Donau weht auch im heißesten Hochsommer immer ein Lüfterl.© DDSG Blue Danube GmbH Sonnendeck der "MS Wachau" - auf der Donau weht auch im heißesten Hochsommer immer ein Lüfterl.© DDSG Blue Danube GmbH

Auch die Charterschifffahrt hat sich gewandelt: Zu den klassischen Betriebsausflügen etwa nach Dürnstein und zurück sind Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und Firmenevents in einem etwas anderen Rahmen gekommen. Der Fantasie sind dabei (fast) keine Grenzen gesetzt, so Hanreich: "Sie sagen, wohin sie fahren möchten, und wir sagen, was es kostet. Wir sind auch schon mit der britischen Botschaft mit einem auf British gebrandeten Fest bis nach Budapest gefahren, das war so eine Art Roadshow auf dem Wasser." Nach London über den Ärmelkanal hätte man allerdings eher nicht fahren können. "Von der Steifigkeit und vom Tiefgang her ist ein Binnenschiff nicht für die offene See geeignet", sagt Kammerer. Es gibt zwar sogenannte Küstenschiffe, die aber auch nur bedingt für Binnen- und Hochseeschifffahrt geeignet sind. So erinnert sich der DDSG-Flottenkapitän an ein Kabinenschiff, das sowohl auf der Donau unterwegs war als auch auf dem Schwarzen Meer. "Aber der damalige Eigentümer hat zu mir gesagt: Wenn er gewusst hätte, mit welchen Schwierigkeiten das verbunden war, hätte er sich das nicht angetan. Das war zwar meerestauglich, aber es hatte so einen großen Tiefgang, dass es auf der Donau Schwierigkeiten hatte. Da konnte er sich zwar mit Trimmtanks behelfen, um mehr Tiefgang zu bekommen, dafür hatte er dann wieder Probleme mit der Fahrwassertiefe."

Nicht nur im Ticketverkauf haben die Frauen die Schifffahrt erobert. Der Konkurrent Brandner hat sogar eine Chefin.

Nicht nur im Ticketverkauf haben die Frauen die Schifffahrt erobert. Der Konkurrent Brandner hat sogar eine Chefin.© DDSG Blue Danube GmbH Nicht nur im Ticketverkauf haben die Frauen die Schifffahrt erobert. Der Konkurrent Brandner hat sogar eine Chefin.© DDSG Blue Danube GmbH

Fünf neue DDSG-Lehrlinge pro Jahr

Die DDSG ist übrigens auch der größte Lehrlingsausbilder in Österreich. "Binnenschifffahrt ist ein Lehrberuf wie Bäcker oder Schlosser, das bedeutet drei Jahre Lehrzeit mit einer Lehrabschlussprüfung", sagt DDSG-Flottenkapitän Johannes Kammerer. "Der kleine Unterschied zu anderen Wiener Berufsschulen ist, dass wir den Unterricht im Winter geblockt haben, weil die Lehrlinge sich im Sommer die Praxis auf den Schiffen holen. Im Winter, während der Instandhaltungen und Wartungen, gibt es für sie nicht so viel zu tun."

Früher war der Staatsbetrieb DDSG österreichweit der einzige Ausbildungsbetrieb. Nach dessen Einstellung 1995 klaffte sechs Jahre lang auch in der Ausbildung eine große Lücke – bis die DDSG Blue Danube GmbH im Jahr 2001 ihren ersten Lehrgang ins Leben rief. "Das waren damals fünf Lehrlinge von uns und noch drei weitere von anderen Unternehmen", erzählt Kammerer. "Wenn man in die Schulklasse hineingeschauthat, hätte man glauben können, die große Epidemie wäre ausgebrochen – aber die acht Berufsschüler waren halt die gesamte Klasse." In der Zwischenzeit hatten auch viele andere europäische Länder eher den Ausbildungsbetrieb eingestellt als Lehrlinge aufzunehmen. "Nachdem die Kabinenschifffahrt extrem boomt und ein Schiff acht bis zehn nautische Besatzungsmitglieder braucht, hat somit jeder, der bei uns die Lehre abgeschlossen hat und auch im Beruf bleiben wollte, auch schnell einen Job bekommen." Das immer wieder propagierte Schlagwort "Karriere mit Lehre" traf hier also tatsächlich zu. Und es trifft auch heute noch zu, sagt Kammerer. Vor allem weil eine französische Reederei. Aktuell hat die DDSG 15 Lehrlinge in Ausbildung, weil sich die Zahl von fünf Neuaufnahmen pro Jahrgang bewährt hat. Mehr könnte man bei einem Mitarbeiterstand von rund 60 Personen gar nicht sinnvoll leisten. "Es gibt österreichweit 22 Lehrlinge im Bereich der Binnenschifffahrt, davon haben wir 15 – da sind wir ohnehin schon sehr stark unterwegs", betont Hanreich. Insgesamt hat die DDSG bisher 65 Lehrlinge fertig ausgebildet, einige davon sind mittlerweile bereits selbst Kapitän.

Am Ende der Ausbildung hat man einen Lehrabschluss in Binnenschifffahrt und schließt mit der Funktion des Matrosen ab, danach folgt Bootsmann beziehungsweise Bootsfrau (derzeit sind 4 der 15 Lehrlinge weiblich). Danach kann man bei der DDSG die nautische Schiene weiterführen (Steuermann – Steuermann mit Patent – Kapitän) oder die technische (Motorenwart – Maschinist), wobei die eine die andere nicht ausschließt, im Gegenteil, betont Kammerer. "Ich denke mir auch bei manchen Autofahrern, es wäre ganz gut, wenn sie wüssten, was sie ihrem Fahrzeug gerade antun. Und auch auf einem Schiff ist es ganz gut, wenn derjenige, der vorne den Hebel runterdrückt, weiß, was sich hinten alles abspielt."

Das Steuern ist bei der Schifffahrt der einfachste Teil

Also gehört auch zur nautischen Ausbildung ein gewisses Grundwissen über technische Dinge: "Stromverkabelungen, Hydraulik, Bodenverlegung, Schweißarbeiten, das lernt man auch alles bei uns", sagt Kammerer. Schließlich ist es durchaus möglich, dass die Lehrlinge später nicht auf der sogenannten Weißen Flotte (Passagierschifffahrt) unterwegs sind, sondern auf einem Frachtschiff. "Und wenn sie dann von Amsterdam nach Izmail in der Ukraine fahren und zurück, sind sie sechs bis acht Wochen unterwegs und haben bei Problemen nicht die Möglichkeit, irgendwo schnell einen Techniker herzuholen, sondern da muss vieles selbst gemacht werden. Insofern brauchen wir auch daheim keinen Handwerker. Haben wir ein Problem mit der Wasserleitung oder der Heizung, reparieren wir es selber." Das Fahren mit dem Schiff selbst jedenfalls ist sicher der geringste und einfachste Teil, meint der Flottenkapitän.

Wie viele andere Bereiche ist auch die Schiffstechnik viel elektronischer geworden, Computer spielen eine immer größere Rolle. Die DDSG-Schiffe sind hier zwar auf dem neuesten Stand (auf dem Radarschirm kann man sogar kleine Enten erkennen), trotzdem legt Kammerer großen Wert darauf, dass die DDSG-Kapitäne ihre Schiffe auch ohne technische Hilfsmittel gut steuern können. An sich wäre ja auch auf dem Wasser ein Autopilot möglich. Warum man sich auf Österreichs Gewässern trotzdem nicht ausschließlich auf den Computer verlassen darf, erläutert Reinhard Vorderwinkler, der ehemalige Leiter der Schifffahrtsaufsicht, im Gespräch mit dem "Wiener Journal": Prinzipiell gäbe es bereits eine automatische Bahnführung, doch diese ist laut Wasserstraßenverkehrsordnung verboten. Denn eine französische Reederei hat zwar in Kooperation mit der Universität Mannheim ein entsprechendes System erfolgreich entwickelt, aber "es gibt keine automatischen Ausweichsysteme. Und um die Technologie zuzulassen, bräuchten wirentsprechende Kriterien – nur wurde auf unsere diesbezügliche Bitte bis heute leider nicht reagiert", sagt Vorderwinkler, der das Produkt eigentlich "wirklich gut" findet. "Von der Serienreife ist es heute jedenfalls noch weit weg", ergänzt Kammerer. "Aber wer weiß, wie es in ein paar Jahren aussieht." Und so besteht das größte Problem immer noch: Die Bahn wird nach Faktoren wie Energieverbrauch, Geschwindigkeit und Strömung vorgegeben, das System berücksichtigt aber nicht den Verkehr. Sprich: "Wenn irgendetwas ist, muss der Schiffsführer das Gerät sofort overrulen und das machen, was notwendig ist und nicht das, was die Bahnführung vorgibt", betont Vorderwinkler.

Unterdessen gibt es Parallelentwicklungen, die weit nicht dasselbe können, aber in Schiffe eingebaut wurden und sicher auch in Verwendung sind. Formal sind allerdings auch diese Geräte verboten. "Ich kann nicht überprüfen, ob sie eingesetzt werden. Und ich will es auch gar nicht überprüfen", sagt dazu Vorderwinkler. "Wenn eine Havarie passiert, brauchen wir auch gar nicht nachzuschauen, ob es verwendet wurde, weil sowieso der Schiffsführer verantwortlich für sein Schiff ist." Da spielt es also gar keine Rolle, ob eine verbotene automatische Bahnführung in Betrieb war, ob diese falsch verwendet wurde, oder ob der Kapitän einen anderen Fehler gemacht hat.

Auch im legalen Bereich ist die Binnenschifffahrt längst hochtechnologisch unterwegs: Alle Schiffe ab 20 Meter Länge beziehungsweise Fahrgastschiffe müssen seit Mitte 2008 mit Transpondern ausgerüstet sein. Deren Positionen werden zwar nicht ständig überwacht, aber bei Havarien zur Dokumentation genutzt. "Es ist zwar interpretationsbedürftig, weil wir nur den Wegpunkt des Transponders auf der Karte sehen und nicht die Ausrichtung des Schiffes, aber es funktioniert auch so ganz gut." Und es wird oft nicht nur von unschuldigen Unfallbeteiligten angefordert, sondern auch von den Versicherungen der Verursacher.

Schiffsbesatzungen als Lebensretter

Und Unfälle gibt es auch auf der Donau – wenngleich Kollisionen wie jene vor zwei Wochen zwischen der "MS Schönbrunn" und der "MS Austria" Gott sei Dank die Ausnahme sind. Immer wieder kommt es aber zu heiklen Situationen mit kleinen Booten, die den großen Schiffen die Quere kommen. "Grundsätzlich schreibt der Gesetzgeber vor, dass Kleinfahrzeuge die Großschifffahrt nicht behindern dürfen", sagt Flottenkapitän Kammerer. Ob dies in der Praxis tatsächlich so ist, will er lieber nicht kommentieren. Nur so viel: "Wenn mir ein Schlauchboot im Weg ist und nicht ausweicht, ändere ich im Zweifel meinerseits den Kurs."

Die DDSG-Schiffer werden übrigens auch immer wieder zu Lebensrettern. So konnte die Besatzung der "MS Wachau" vor einiger Zeit einen gekenterten Kanufahrer bergen. Und erst vor wenigen Wochen haben die "MS Wien" und ein weiteres Kabinenschiff einen Mann, die leblos im Wasser trieb, mittels Rettungsboot ans Ufer gebracht, berichtet Kammerer. "Auch der hat überlebt."





Schlagwörter

Schifffahrt, DDSG, Donau

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Dokument erstellt am 2016-07-03 14:24:54
Letzte Änderung am 2016-07-03 15:09:44


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