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Update: 07.06.2018, 13:57 Uhr

Dinosaurier

Ausgestorben, aber nicht totzukriegen




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Von Mathias Ziegler

  • Rechtzeitig vor "Jurassic World 2" hat in Korneuburg die neue "Dinoworld" eröffnet und bedient damit Kindheitsträume.

Auge in Auge mit einem lebensgroßen Allosaurus in Korneuburg. - © www.dinoworld.at

Auge in Auge mit einem lebensgroßen Allosaurus in Korneuburg. © www.dinoworld.at

Der T-Rex in der "Dinoworld" ist nackt.

Der T-Rex in der "Dinoworld" ist nackt.© www.dinoworld.at Der T-Rex in der "Dinoworld" ist nackt.© www.dinoworld.at

Wien. Es war ein kleiner Schock, als im Jänner 2006 ein Deinonychus im Wiener Naturhistorischen Museum als lebensgroßes Modell ausgestellt wurde. Die Neigungsgruppe Raubsaurier hatte ja immer noch die Bilder aus "Jurassic Park" vor Augen: Dort hatten mannshohe Raptoren mit glatter Schuppenhaut Jagd auf menschliche Zweibeiner gemacht. Und dann das: Der Deinonychus (mit dem Steven Spielberg 1993 seine Raptoren besetzt hatte, weil der echte Velociraptor kaum größer als ein Truthahn war) hatte lauter Federn - was übrigens auch für den mit Deinonychus verwandten Velociraptor gegolten haben soll.

Noch krasser ist der Unterschied zwischen der Rekonstruktion des Dilophosaurus und der Darstellung im Film. Spielberg, der sich Anfang der 1990er überwiegend an den damaligen Stand der Wissenschaft hielt, ließ hier seine Fantasie spielen: "Das war meine eigene Erfindung. Ich wollte einen Saurier, der Gift spuckt und dabei eine Haube wie eine Kobra ausfährt. Und die Haube musste flattern, wie eine Flagge."

Information

"Dinoworld" im Donaupark Korneuburg
Mo-Fr 9.30-18 Uhr, Sa/So 9-18 Uhr
www.dinoworld.at

Die Darstellung der Saurier in "Jurassic Park" hat jedenfalls eine ganze Generation geprägt - zu einer Zeit, als die Paläontologie durchaus begann, ihnen zumindest teilweise Federn zuzuschreiben. Bis heute ist man uneinig, ob etwa auch der Tyrannosaurus Rex welche hatte oder nicht.

Die Drachen der Urzeit

In der neuen "Dinoworld", die vor kurzem in Korneuburg (eine halbe Autostunde von Wien) eröffnet hat, ist er jedenfalls nackt. Betreiber Anton Walzer erhebt bei seinen Modellen den Anspruch, dem aktuellen Stand der Paläontologie gerecht zu werden. Auch wenn er selbst in einer Zeit aufgewachsen ist, in der Dinosaurier eher den Status riesengroßer urzeitlicher Drachen innehatten.

Andere Saurier im Park haben Federn.

Andere Saurier im Park haben Federn.© www.dinoworld.at Andere Saurier im Park haben Federn.© www.dinoworld.at

"In meiner Kindheit in den 1960er Jahren waren sie umso faszinierender, weil man aus Mangel an Wissen sehr viel mehr Fantasievorstellungen hatte." Sein erster Kontakt war eine Zeichenaufgabe in der Schule: "Der Kampf der Dinosaurier" als Federzeichnung. "Da sind sehr interessante Dinge herausgekommen bei den Mitschülern. Wir hatten damals jedenfalls ein ganz anderes Bild von den Dinosauriern als heute." Erst in den folgenden Jahrzehnten brachten diverse weitere Funde mehr und mehr Realismus hinein.

Was Walzer vor allem an den Sauriern fasziniert, ist der "brutal lange Zeitraum, in dem sie ihre Spuren auf der Erde hinterlassen haben - ohne sie so zu zerstören wie wir moderne Menschen". Im Vergleich zu 160 Millionen Jahren Existenz der Urzeitgiganten sei unsere eigene bestenfalls ein Wimpernschlag. "Im Verhältnis zur Gesamtzeit des Lebens auf der Erde ist sie eigentlich ein Planet der Dinosaurier."

Etwa zur gleichen Zeit, als "Jurassic Park" ins Kino kam, begann Walzer, eigene Modelle zu bauen, mit denen er dann auch Ausstellungen bestückte. Ab den frühen 1990ern bis 2004 war er damit in ganz Europa unterwegs. Im Gegensatz zu den lebensgroßen Modellen in der neuen "Dinoworld" waren die früheren oft viel kleiner, um sie besser transportieren zu können. Gebaut wurden Walzers heutige Exponate bei Hannover anhand von Funden. "Das sind alles Einzelanfertigungen aus Polyesterharz." Neben diesen statischen Figuren hat er für den Erlebnisbereich auch bewegliche Insekten aus China zugekauft. Dort würden zwar auch bewegliche Sauriermodelle produziert, "aber erstens ist deren Mechanik sehr anfällig, und zweitens sind sie nicht unbedingt realitätsnah".

Eine Fantasie-Projektionsfläche

Wobei auch im Jahr 2018 gilt: Wie sie wirklich aussahen, wie sie wirklich lebten, das kann selbst die hochtechnologische Forschung 65 Millionen Jahre später im Grunde nur raten. Und so bilden sie bis heute eine wunderbare Projektionsfläche für unsere Fantasie: hier die tumben, gutmütigen Langhälse mit erbsengroßem Hirn, da die wehrhaften Pflanzenfresser mit Rückenplatten, Stachelschwänzen oder Hörnern, dort die listigen, brutalen Jäger. Und was der Weiße Hai in den 1970ern (auch dank Spielberg) war, wurde zwei Jahrzehnte später der T-Rex. Da waren wir dann schon auch ein bisschen froh, dass er ausgestorben war. Auch wenn wohl jedes zweite Kind irgendwann von einem kleinen Dino als Haustier geträumt hat.

Und auch wenn selbst der größte und schwerste bisher entdeckte Dinosaurier, der 37 Meter lange und auf knapp 70 Tonnen geschätzte Patagotitan mayorum, ein Leichtgewicht im Vergleich zum heutigen Blauwal (200 Tonnen auf 33 Meter Länge) war, hat es seither kein Landtier gegeben, das es auch nur annähernd mit T-Rex & Co aufnehmen würde.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-07 12:40:19
Letzte Änderung am 2018-06-07 13:57:01


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