• vom 05.11.2018, 18:08 Uhr

International


Konkjunktur-Prognose

"Unruhiges Fahrwasser"




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  • Das Ifo-Institut sieht das Wirtschaftsklima der Eurozone eingetrübt. Vor allem in Italien sind die Bewertungen eingebrochen. Auch Österreichs Wachstum schwächt sich ab.





Berlin/Wien.(ast) Das Wirtschaftsklima in der Eurozone hat sich kräftig eingetrübt. Das entsprechende Barometer für das vierte Quartal sackte auf 6,6 Zähler von 19,6 Punkten ab, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag unter Berufung auf seine vierteljährliche Umfrage unter 370 Experten mitteilte. Die Befragten korrigierten sowohl ihre Lageeinschätzung als auch ihre Erwartungen kräftig nach unten.

"Die Konjunktur im Euroraum steuert auf unruhiges Fahrwasser zu", erklärte der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Clemens Fuest. Vor allem in Italien, das wegen seiner Haushaltspläne mit der EU-Kommission zerstritten ist, sind die Bewertungen der Experten eingebrochen. Sie stuften sowohl die Lage als auch die Erwartungen in dem unter hoher Schuldenlast ächzenden Land als deutlich negativer ein. Angesichts des internationalen Zollstreits senkten sie zugleich ihre Exporterwartungen für den Euroraum.


Gleichzeitig erwarten die Experten nun vermehrt, dass die kurz- und langfristigen Zinsen in den nächsten sechs Monaten steigen werden und dass der Dollar weiter an Wert zulegen wird. Die Prognose für die Inflationsrate 2018 hoben sie um einen Tick auf 1,8 Prozent an: "Das Vertrauen der Experten in die Wirtschaftspolitik schwindet weiter", fasste Fuest zusammen.

Auch an der Börse herrscht in Europa Katerstimmung. Nach der Kursrally der vergangenen Tage haben die Anleger am Montag den Fuß vom Gas genommen. DAX und EuroStoxx50 verloren zeitweise je 0,2 Prozent auf 11.494 und 3212 Punkte.

Investoren halten sich zurück
Gedrückt wurde die Laune der Investoren ebenso von neuen Spekulationen rund um den schwelenden Handelsstreit zwischen China und den USA. Laut dem Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, arbeitet die Regierung in Washington doch nicht an einem konkreten Plan für ein Handelsabkommen. Trump hatte Hoffnungen auf eine baldige Einigung vergangene Woche noch geschürt. Auch die bevorstehenden US-Zwischenwahlen warfen ihre Schatten voraus.

Selbst wenn es bald zu einer Einigung im Zollstreit komme, gebe es weitere Belastungsfaktoren für die Börsen, sagte Marktanalyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba. "Es ist noch ein Weg zu gehen, bevor mittel- bis langfristige Entspannungszeichen auszumachen wären."

Mit Spannung blickten Anleger zum Ölmarkt, nachdem die USA neue Strafen gegen die Ölindustrie im Iran verhängt haben. Damit soll die Regierung in Teheran zur Aufgabe ihrer Atom- und Raketenprogramme gebracht werden. Um eine Destabilisierung der Ölpreise zu verhindern, sollen voraussichtlich acht Länder weiterhin iranisches Öl importieren dürfen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um 0,7 Prozent auf 72,35 Dollar.

In Mailand standen Aktien von Banken unter Druck, der Branchenindex fiel um 1,7 Prozent. Die größten Verlierer waren Intesa Sanpaolo und BPER mit Verlusten von bis zu 4,2 Prozent. Die auf einem riesigen Berg fauler Kredite sitzenden Institute schlossen beim Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA erwartungsgemäß schwach ab. Zudem lastete ein negativer Kommentar der US-Bank Goldman Sachs auf der Stimmung. Wenig beeindruckt auf den Fitness-Check reagierten dagegen Anleger der Deutschen Bank und der britischen Häuser Barclays und Lloyds, die ebenfalls kein gutes Zeugnis erhielten. Ihre Papiere bewegten sich kaum vom Fleck.

Die vorlaufenden Indikatoren weisen bis Jahresende noch auf eine gute Konjunktur in Österreich hin. Das Wirtschaftswachstum erhöht sich heuer auf drei Prozent. Währungskrisen in den Schwellenländern, die unklare handelspolitische Ausrichtung der USA und Unsicherheiten im Zuge des Brexit belasten zunehmend den internationalen Handel und damit die Konjunktur in exportorientierten Ländern. Dies wird auch in Österreich das Wachstum dämpfen, für 2019 wird eine Rate von nur mehr zwei Prozent prognostiziert.




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Dokument erstellt am 2018-11-05 18:19:15


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