• vom 07.11.2018, 17:35 Uhr

International

Update: 07.11.2018, 17:58 Uhr

Konjunktur

Deutsche Wirtschaftsweise warnen




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  • Die Ökonomen erwarten eine deutliche Konjunkturabkühlung.



Berlin/Wien. Angesichts der radikalen Steuersenkungen in den USA drängen die Wirtschaftsweisen auf Reformen in Deutschland, um die abkühlende Konjunktur zu stabilisieren. Sie plädierten in ihrem am Mittwoch vorgelegten Herbstgutachten unter anderem dafür, den Solidaritätszuschlag für den Aufbau des Ostens zu kippen und für eine Entlastung der Firmen zu sorgen. Wegen der hohen Preissteigerungen bei Immobilien müssten zudem Grund- und Grunderwerbssteuer überarbeitet werden. Das Land stehe vor "wirtschaftspolitischen Weichenstellungen", sagte der Chef der fünf Top-Ökonomen, Christoph Schmidt, in Berlin.

Auf Kritik trafen die Empfehlungen der Ökonomen beim deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Der CDU-Politiker plädiert - anders als die Wirtschaftsweisen - im Einzelfall für staatliche Eingriffe in die Industrie, etwa bei der Batteriezellfertigung. Die Batterie stehe für rund 40 Prozent der Wertschöpfung im Bereich der Elektromobilität. "Hier dürfen wir uns nicht damit abfinden, dass diese Wertschöpfung in der Zukunft allein in Asien und den USA stattfindet."

Die Wirtschaftsweisen sehen Handlungsbedarf, weil die Konjunktur "in der längsten Aufschwungphase der Nachkriegszeit" an Tempo zu verlieren droht. Für 2018 veranschlagen sie nur noch ein Wachstumstempo beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,6 Prozent. Bei der März-Prognose sind die Ökonomen noch von 2,3 Prozent ausgegangen. Für 2019 werden nur 1,5 Prozent anstatt 1,8 Prozent erwartet.

WIIW sieht schlechteres Umfeld

Auch der Konjunkturausblick in Mittel-, Ost- und Südosteuropa ist nicht mehr so gut wie im Frühling angenommen. Das Wachstum habe seinen Höhepunkt überschritten, urteilt das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).

Zu den Hauptrisiken für die Region zählen globale Handelskriege sowie die Gefahr, dass die Krise in der Eurozone zurückkehrt, aber auch absehbar kleinere EU-Subventionsbudgets, wenn die Briten aus der EU austreten. Das trifft vor allem die osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten, die zwischen zwei und fünf BIP-Prozent aus dem EU-Haushalt erhalten. Auch das kann Wachstum kosten.

Akuter geworden ist der Arbeitskräftemangel in der Region. Auch das gilt laut WIIW als ein Mittelfristproblem für Wachstum. In einigen Ländern könne dies durch Einwanderung aus Nachbarstaaten abgefedert werden. Kurzfristig sorgt der Arbeitskräftemangel für deutliche Lohnanstiege, die den privaten Konsum stützten. Viel investiert werde gerade in die Automatisierung. Tschechien oder die Slowakei haben es etwa bei Roboter-Einkäufen unter die Top-20 der Welt gebracht.





Schlagwörter

Konjunktur, Wirtschaftsweise, WIIW

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Dokument erstellt am 2018-11-07 17:46:10
Letzte Änderung am 2018-11-07 17:58:21


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