Berlin. (is/reu) SAP hat es dank seiner zahlreichen Einkaufstouren ganz nach oben geschafft. Mit einem Börsenwert von knapp 123 Milliarden Euro (139 Milliarden Dollar) und einem Jahresumsatz von 24 Milliarden Euro 2017 stieg der deutsche Konzern zum größten Softwarehersteller Europas und zum viertgrößten weltweit auf. Die am Wochenende verkündete Übernahme von Qualtrics soll dem Expansionskurs weiteren Schwung verleihen. SAP legt für den US-Spezialisten für Datenverarbeitung 7 Milliarden Euro (8 Milliarden Euro) auf den Tisch. Zu viel, monieren viele Analysten.

Auch bei den Anlegern kam der hohe Übernahmepreis nicht gut an. Die SAP-Aktien sackten am Montag zeitweise um 4,6 Prozent auf 90,78 Euro ab und waren größter Verlierer im DAX. Der Kaufpreis für Qualtrics erscheine recht hoch. "Das verschreckt wahrscheinlich viele Investoren", meinte ein Händler. Ein Blick auf die Zahlen erklärt die Zurückhaltung. SAP zahlt demnach in Dollar das Zwanzigfache des für 2018 geschätzten Umsatzes von Qualtrics. Selbst bei einer unterstellten Wachstumsrate desselben von 40 Prozent wäre der Zukauf noch immer teurer als bei den anderen Übernahmen von Concur (7 Milliarden Euro), SuccessFactors und Ariba.

In Euro gemessen handelt es sich somit um den teuersten Zukauf in der 46-jährigen Unternehmensgeschichte, in Dollar um die zweitgrößte. Dennoch beließ JPMorgan die Einstufung für SAP auf "Overweight" mit einem Kursziel von 115 Euro. Qualtrics sei teuer, bringe die Walldorfer aber in eine Führungsrolle im Softwarebereich Experience Management XM, schrieb Analystin Stacy Pollard. Qualtrics zählt zu den Pionieren bei der Entwicklung von Unternehmenssoftware, mittels derer über eine Cloud gesammelte Kundendaten unmittelbar abrufbar sind und rascher ausgewertet werden können. Auf seiner Homepage wirbt das US-Unternehmen aus Utah selbst damit, dass Webseitenbesucher schneller wiedererkannt würden, um ihnen gezielt Produkte anbieten zu können. Für 2018 erwartet die Firma über 400 Millionen US-Dollar Umsatz.

SAP will mit dem Kauf von Qualtricks dem kalifornischen Branchenprimus Salesforce in der lukrativen Cloud-Sparte den Rang ablaufen. Im Vorjahr machte Salesforce mit der Cloud-Expertise 9,7 Milliarden Dollar Umsatz und steigerte diesen schneller als SAP, obwohl die Deutschen schon vor Jahren ins Cloud-Geschäft eingestiegen sind.