Berlin. Die Probleme in der Autoindustrie - Stichwort Dieselskandal - haben die deutsche Konjunktur nach unten gezogen: Erstmals seit dreieinhalb Jahren schrumpfte die Wirtschaftsleistung wieder. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mit. Mitverantwortlich dafür waren auch schwächelnde Exporte - was aber wiederum mit der Automobilindustrie zusammenhängt.

Zum letzten Mal war die Wirtschaftsleistung im ersten Vierteljahr 2015 rückläufig. Damals war das BIP um 0,1 Prozent gesunken. Ökonomen gehen aber davon aus, dass dies kein Trend ist, sondern sich Deutschlands Aufschwung fortsetzt - zumal die Wirtschaft lediglich im Vergleich zum Vorquartal gesunken ist. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal preisbereinigt um 1,1 Prozent.

"Der Aufschwung wurde im dritten Quartal nur unterbrochen", erklärte das deutsche Wirtschaftsministerium. Die Ursache dafür seien die Probleme wegen der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP. Weil nicht alle Automodelle rechtzeitig eine Genehmigung für eine Neuzulassung hatten, mussten Hersteller die Produktion herunterfahren. "Die aufgrund fehlender Zulassungen gedrosselte Automobilproduktion wird in den kommenden Monaten aufgeholt, das Wachstum dann entsprechend größer sein", erläuterte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Die Probleme der Autobauer schlugen auch auf den Privatkonsum durch, der als Stütze der Konjunktur gilt. Die Verbraucher im In- und Ausland warteten mit ihren Autokäufen ab. Das drückte die Konsumausgaben gegenüber dem Vorquartal.

Der Export fiel als Wachstumstreiber aus. Nach vorläufigen Berechnungen gab es im Sommer weniger Ausfuhren, aber mehr Importe als im zweiten Quartal des Jahres. Die Exportnation Deutschland leidet zunehmend unter den vor allem von den USA angeheizten Handelskonflikten. Die Nachfrage aus China ist kaum gewachsen, was mit den vom Handleskonflikt ausgelösten Turbulenzen zusammenhängt.

Ökonomen rechnen aber weiterhin mit einem Aufschwung, das weitere Wirtschaftswachstum dürfte aber an Stärke verlieren. Volkswirte, internationale Organisationen sowie die Bundesregierung hatten zuletzt ihre Konjunkturprognosen gesenkt.

So rechnen beispielsweise die "Wirtschaftsweisen" inzwischen für dieses Jahr mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent und für 2019 von 1,5 Prozent. Etwas optimistischer ist die deutsche Regierung. Sie ging zuletzt von einem Plus von jeweils 1,8 Prozent aus.