Wien. (klh) Die Zahlen aus Kasachstan sind auch für so manchen österreichischen Unternehmer eine Verheißung: In Chorgos, einem Frachtzentrum nahe der chinesischen Grenze, wurden 2017 rund 200.000 Container umgeschlagen. Dieses Jahr werden es wohl um die 400.000 sein, verkündete am Freitag der kasachische Botschafter Kairat Sarybay bei einer Pressekonferenz der Wiener Wirtschaftskammer.

Für die WKÖ, die ÖBB und weitere Firmen - vor allem aus der Logistikbranche - ist Chorgos ein Beispiel dafür, dass es sich auszahlt, Teil der Neuen Seidenstraße zu sein. Sie werben daher dafür, dass auch Österreich sich der Initiative, mit der China seine Infrastruktur enger an die Welt anbindet, anschließt. Nachdem die Züge Kasachstan, die Ukraine und die Slowakei passiert haben, sollen die Waren in Österreich noch einmal umgeschlagen und weiterverschickt werden. "Ziel ist es, Österreichs Ostregion zu einer Drehscheibe der internationalen Logistik zu machen", sagte ÖBB-Vorstand Thomas Kargl.

Dafür muss aber noch einiges geschehen: Die Breitspurbahn endet derzeit im slowakischen Kosice, sie müsste um 420 Kilometer verlängert werden. Um auch die Slowakei dafür zu gewinnen, wirbt Österreich dafür, dass das Ganze ein Projekt der Twin-City-Region Wien-Bratislava wird.

Zudem muss dieses große Infrastrukturvorhaben finanziert werden. Kargl beziffert die voraussichtlichen Kosten bei 6,5 Milliarden Euro. Wie diese gestemmt werden sollen, darüber wird noch verhandelt. Für Finanzierung von Seidenstraßenprojekten steht eine Reihe von Institutionen zur Verfügung - etwa die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank, bei der Österreich Mitglied ist, oder etwa auch die "Industrial and Commercial Bank of China". Diese könnten auch für dieses Infrastrukturvorhaben genutzt werden, unterstrich Chinas Botschafter Li Xiaosi.

Für WKÖ-Wien-Präsident Walter Ruck ist das Projekt trotz seiner Kosten eine "Jahrhundertchance". Der Terminal würde jährlich eine zusätzliche Wertschöpfung von fast einer halben Milliarde Euro bringen und für neue Arbeitsplätze sorgen. Er verweist zudem auf eine Umfrage von Makam Research, wonach mehr als 70 Prozent der Befragten das Projekt unterstützen - sowohl unter der Bevölkerung als auch unter Unternehmern. Auch das sind verheißungsvolle Zahlen für die WKÖ.