Die lassen sich vom Streikweltmeister Frankreich aber nicht abschrecken. Laut Vertrauensindex in Industrie und Dienstleistungen des Statistikamts Insee befindet sich die Zuversicht der Unternehmen auf einem Höchststand. Die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt ist unter Macron also wieder deutlich attraktiver geworden.

Und auch österreichische Investoren schätzen den Standort. 300 österreichische Unternehmen sind im Land präsent und beschäftigen 11.000 Mitarbeiter. Darunter Mayr-Melnhof, der Kartonhersteller ist mit 100 Millionen Euro bilanziell in Frankreich engagiert und beschäftigt hier rund 300 Mitarbeiter. Vorstandsvorsitzender Wilhelm Hörmanseder schätzt den "wirtschaftlichen Geist" im Land, die Steuerfrage sei für ihn sekundär. Außerdem zählen die Kosten für Strom, Gas und Telekommunikation mit zu den günstigsten in Europa. Auch sei das Land als "Hub" für Westafrika sehr wichtig, so Hörmanseder beim Investor’s Day vor Journalisten in der französischen Botschaft in Wien.

Es sei natürlich schlecht, dass keine Lkw fahren wegen der "Gilets Jaune", doch von der Streikfreudigkeit der Franzosen gibt er sich unbeeindruckt. Er rät, den Großraum Paris, die Region mit der höchsten Firmendichte in Europa, als Investor zu meiden. Mitarbeiter am Land seien loyaler, der Einfluss als Arbeitgeber und Steuerzahler auf die Politik in der Provinz zudem viel größer als in der Ile-de-France.

Management mit österreichischer Konsenskultur

Die österreichischen Investorenvertreter, darunter auch Christoph Salzer vom Immobilienentwickler Warimpex und Bernd Eder von Kapsch CarrierCom, sind sich einig, dass man mit dem "österreichischen Weg" in Frankreich viel erreichen könne. Die österreichische Managementkultur, die geprägt davon ist, mit allen zu reden und einen Kompromiss zu finden, durchbricht das Hierarchiedenken der Franzosen und die Streitkultur. Streiks sind für die Unternehmensvertreter an ihren französischen Standorten so gut wie kein Problem. Salzer bewertet die Reformansätze Macrons durchweg positiv. Es gebe bereits massiv weniger Rechtskonflikte und mehr Planungssicherheit. Auch Eder sieht in den bisher umgesetzten Reformen die richtigen Maßnahmen. Das Risiko neue Arbeitnehmer einzustellen, sei nun etwa viel geringer.

Kritisch sehen die Investorenvertreter aber den Punkt Bildung. Auf hohem Niveau sei die Ausbildung exzellent, etwa im Bereich Ingenieurwesen. Doch das "Mittelstück" fehle und damit der "Kitt der Gesellschaft", so Hörmanseder. Arbeiter absolvieren selten eine Lehre, das Handwerk hat keinen guten Ruf. Wählen in Österreich 40 Prozent der Jugendlichen eine Lehre, sind dies in Frankreich lediglich sieben Prozent. Ein duales Bildungssystem existiert in Frankreich nicht, was den Unternehmen einige Sorgen bereitet. "Es fehlt nicht die Arbeit, sondern der Arbeiter", betont Hörmanseder. Ob sich Macron bei seinen Investitionen in die Weiterbildung von Arbeitslosen und Jugendlichen künftig vom österreichischen System inspirieren lässt, bleibt abzuwarten.

Dass die Reformen spürbar positive Früchte für die Bevölkerung tragen werden, muss Macron in den nächsten 3,5 Jahren beweisen. Am 22. Jänner findet in Versailles ein internationaler Wirtschaftsgipfel statt. 140 internationale Konzerne werden hier bezirzt - sie sollen in den nächsten fünf Jahren drei Milliarden Euro in Frankreich investieren und 2200 neue Jobs schaffen.