Berlin/Stockholm. (ast) Wer kennt das nicht: Man sitzt im Zug, telefoniert - und die Verbindung bricht ab. Das soll sich nun ändern. In Deutschland ist das Zulassungsverfahren zur Versteigerung der Funkfrequenzen zum Aufbau von 5G-Netzen gestartet. Bis 25. Jänner haben Unternehmen Zeit, sich für die Auktion im Frühjahr 2019 bei der Bundesnetzagentur zu bewerben (in Österreich werden voraussichtlich ab Februar Frequenzen versteigert). Die Vergabe soll für eine bessere Versorgung mit leistungsfähigem Breitband in der Fläche sorgen. Bis 2022 sollen etwa in jedem Bundesland 98 Prozent der Haushalte mit Geschwindigkeiten von mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Die Versteigerung der Frequenzen liefert zum einen den Startschuss für den Aufbau eines 5G-Netzes, das wiederum Voraussetzung für neue Schlüsseltechnologien wie das autonome Fahren, die Kommunikation von Maschinen untereinander oder die Steuerung von Drohnen ebnet. Dafür wird ein Netz benötigt, das riesige Datenmengen in Echtzeit transportiert.

Mobilfunkantennen - hier noch nicht 5G. - © umb-o
Mobilfunkantennen - hier noch nicht 5G. - © umb-o

Zum anderen sollen "weiße Flecken" - also Landstriche ohne Breitbandversorgung - mittels der Auflagen erstmals überhaupt ans Internet angeschlossen, aber auch Autobahnen, Schienenwege und Wasserstraßen besser ausgestattet werden.

Streitpunkt um
Roaming in Funklöchern

Jeder Mobilfunk-Netzbetreiber, der sich um 5G bemüht, muss die strengen Auflagen der Behörde erfüllen. Wer dabei sein wird, ist noch nicht bekannt. Es wird aber erwartet, dass erneut Marktführer Deutsche Telekom wie auch die Nummer zwei und drei, die deutsche Töchter der britischen Vodafone sowie der spanischen Telefonica, in den Ring steigen. Auch das global agierende deutsche Unternehmen United Internet, das bisher kein eigenes Netz hat, hat Interesse signalisiert.

Trotz scharfer Kritik und zahlreicher Änderungsvorschläge seitens der Politik und Wirtschaft wurden die Mitte November veröffentlichten vorläufigen Vergabebedingungen nicht mehr geändert. Die Deutsche Telekom sprach von unverhältnismäßigen, kaum umsetzbaren Versorgungsauflagen. Zudem bemängelte der Branchenprimus, nationales Roaming dürfe nicht durch die Hintertür eingeführt werden. Hierbei würden Handynutzer in einem Funkloch kostenlos mit einem anderen Anbieter verbunden. Dafür wurde keine Verpflichtung festgeschrieben, aber ein "Verhandlungsgebot". Zugleich sprach sich die Behörde selbst eine Schiedsrichterrolle zu, sollten die Gespräche zwischen den Betreibern ohne Ergebnis bleiben. Bundestagsabgeordnete der Regierungsparteien forderten am Dienstag aber erneut ein lokales Roaming.

Die flächendeckende Versorgung dürfte die Netzbetreiber einiges kosten, weswegen auch die Mindestgebote für die Frequenzen gesenkt wurden. Es wird mit deutlich geringeren Einnahmen als bei der letzten großen UMTS-Auktion gerechnet, als umgerechnet 50 Milliarden Euro in die Staatskasse flossen.

Kritik kam etwa vom Präsidenten des Branchenverbandes Bitkom, Achim Berg: "Die Auflagen konterkarieren das Ziel, 5G möglichst schnell zu den Menschen und den Unternehmen zu bringen."

Kritisch wird auch die Beteiligung von Wirtschaftsriesen wie Huawei beim 5G-Ausbau gesehen. Die USA haben eine Kooperation mit dem chinesischen Telekommunikationsausrüster verboten und Regierungsvertreter und Telekom-Chefs befreundeter Staaten dazu aufgefordert, auf dessen Technik zu verzichten, aus Angst vor chinesischer Spionage.

Hintergrund ist ein 2017 in Kraft getretenes Gesetz in China, nachdem chinesische Organisationen und Bürger die nationale Nachrichtenarbeit unterstützen und mit ihr zusammenarbeiten sollten. Befürchtet wird, dass Huawei von der Regierung gezwungen werden könnte, Hintertüren in seine Produkte einzubauen, die China den Zugriff auf Daten und Kommunikation ermöglichen würde. Huawei weist diesen Vorwurf zurück.

Die Deutsche Telekom kooperiert mit Huawei. Digitalministerin Dorothee Bär von der CSU versicherte im Interview mit dem "Handelsblatt", dass man stark darauf schauen müsse, Abhängigkeit jeglicher Art aber immer ein Risiko sei.

Netzwerkausrüster wie Ericsson wittern Chancen

Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson wittert bereits seine Chancen. Er sieht in den kommenden Jahren einen sprunghaften Ausbau von 5G. Angetrieben von Nordamerika und Asien, dürften bis 2024 mit 1,5 Milliarden Mobilfunkanschlüssen mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zu dem neuen Mobilfunkstandard erhalten, prognostizierte der Konzern am Dienstag.

Die USA gehören neben China und Südkorea zu den Ländern, die den Aufbau der Technologie anführen. Neben Ericsson bieten auch Nokia, Huawei und ZTE Netzwerkausrüstungen für 5G an. Derzeit befindet sich die Branche in einer Hängephase, da sich die Telekomkonzerne mit Bestellungen zurückhalten.