Begonnen hatte der Niedergang schon 1958, als Millionen Tonnen Kohle und Koks unverkäuflich auf den Halden lagen. Das Öl lief der Kohle beim Heizen von Häusern und Wohnungen mehr und mehr den Rang ab. Später kam die deutlich billigere Importkohle hinzu, die in Australien oder Kanada unter viel einfacheren Bedingungen und zu niedrigeren Kosten abgebaut werden kann. In immer kürzeren Abständen wurden im Revier Zechen stillgelegt. Großdemonstrationen von Bergleuten mit schwarzen Fahnen schreckten die Republik auf.

Auf Druck der Politik und der Bergarbeitergewerkschaft schlossen sich die Bergwerksbesitzer schließlich am 27. November 1968 zur Ruhrkohle AG zusammen. Die Fusion der damals noch fördernden 52 Schachtanlagen gilt als erster wichtiger Schritt des geordneten Rückzugs des deutschen Steinkohlebergbaus. Ein Ausstieg, der schließlich 50 Jahre dauerte und viele Subventionsmilliarden kostete.

Wie viele, das lässt sich wohl nicht ganz genau sagen - über Subventionen reden Politik und Unternehmen nicht gerne. Als das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI 2005 nachrechnete, standen unter dem Strich fast 130 Mrd. Euro. "Das waren vor allem Absatzhilfen, um die teure deutsche Steinkohle überhaupt verkaufen zu können", sagt der an der Untersuchung beteiligte Energieökonom Manuel Frondel. Inzwischen, schätzt der Experte, "dürften wir uns auf rund 200 Mrd. Euro an Subventionen zubewegen, die geflossen sind und noch fließen".

Eine emotionale Branche

Dass der Bergbau über Jahre so massive Unterstützung erhielt, führt Frondel auf eine große Pro-Kohle-Koalition zurück. "Politik, Bergbauunternehmen und Gewerkschaft haben eine Interessengemeinschaft zulasten der Stromverbraucher und der Steuerzahler gebildet", meint er. Hinzu komme, dass sich die Region mit dem Bergbau identifiziert habe. "Der Bergbau ist eben eine sehr emotionale Branche." Deshalb habe es die Politik schwer gehabt, die Bevölkerung von der Notwendigkeit zu überzeugen, "dass man sich von diesem Wirtschaftszweig verabschieden muss". Ohne die Subventionen wäre "der Strukturwandel an der Ruhr sehr viel schneller in Gang gekommen".

Ganz anders sieht das Stefan Berger, der an der Ruhr-Universität das Institut für soziale Bewegungen leitet. "Nirgends auf der Welt ist der Strukturwandel schwerindustrieller Ballungsregionen vergleichsweise so gut gelungen wie im Ruhrgebiet", ist Berger überzeugt. Er vergleicht die Entwicklung an Ruhr und Emscher mit den Montanregionen in Großbritannien und den USA. Dort habe man die Umstrukturierung den Märkten überlassen. "Das hat zum Zusammenbruch ganzer Industrien innerhalb kurzer Zeit und im schlimmsten Fall zu Geisterstadt-Phänomenen geführt, wie wir sie aus Detroit, aber auch aus den Montanregionen im Norden Englands und in Südwales kennen."

"Kanzler hier mein letztes Hemd"