In Westdeutschland sei dagegen der "rheinische Kapitalismus" mit seiner starken Stellung der Gewerkschaften relativ gut in der Lage gewesen, den Umbruch planvoll zu steuern. "Das hat zu einem sozial sehr verträglichen Strukturwandel geführt", sagt Berger.

In kaum einer anderen Branche hat die Gewerkschaft eine so starke Stellung gehabt wie im Steinkohlebergbau. Wenn es hart auf hart kam, zogen Bergleute in Unterhosen und der Parole "Kanzler hier mein letztes Hemd" zum Bonner Regierungsviertel, um Subventionskürzungen abzuwehren. Als die Gewerkschaft schließlich 2007 doch dem Ende des Bergbaus zustimmen musste, konnte sie heraushandeln, dass die Bergleute nach 25 Jahren unter Tage mit 50 in Rente gehen dürfen.

Hohe Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet

Vergleicht man das Revier aber mit anderen Regionen in den westlichen Bundesländern, ergibt sich ein anderes Bild. Trotz aller Förderprogramme, der Gründung von Universitäten und Hochschulen mit inzwischen rund 280.000 Studierenden und gelungenen Unternehmensansiedlungen ist der Strukturwandel im Revier einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft nach "insgesamt nicht durch ausreichende Erfolge im Aufbau neuer, wachstumsstarker Branchen" geprägt. Das ehemalige industrielle Herz Deutschlands sei inzwischen eine Region mit unterdurchschnittlichem Industrieanteil an Beschäftigung und Wertschöpfung.

Das hat Folgen für die Arbeitslosenzahlen, die rund doppelt so hoch sind wie im deutschen Durchschnitt. In Dortmund, wo auch Stahlindustrie und Brauereien weitgehend verschwunden sind, sank die Arbeitslosenquote im Oktober zum ersten Mal seit den 1980er-Jahren unter die Marke von 10,0 Prozent - 30 Jahre nach der Schließung der letzten Zeche dort. "Die strukturelle Arbeitslosigkeit in Dortmund - wie im gesamten Ruhrgebiet - bleibt auch heute noch die größte Herausforderung", heißt es bei der örtlichen Agentur für Arbeit.

Bergbau bleibt Ruhrgebiet erhalten

Auch wenn der Bergbau bald endgültig Geschichte ist, er bleibt dem Ruhrgebiet erhalten. Nicht nur wegen der vielen liebevoll restaurierten Bergarbeitersiedlungen und der zu Museen und Veranstaltungshallen gewordenen Zechengebäude. Die Bergleute haben die Landschaft umgewälzt. Davon zeugen die großen Halden, auf denen lagert, was mit der Kohle aus der Erde geholt wurde. Als begrünte Hügel sind sie jetzt Freizeitziele.

Große Teile des Ruhrgebiets haben sich durch den Kohleabbau abgesenkt, in extremen Fällen bis zu 25 Meter und mehr. Damit sich in den Senken kein Wasser sammelt und das Revier zu einer Seenplatte wird, müssen die Wasserströme auf Dauer mit Hunderten Pumpen reguliert werden. "Ewigkeitslasten" heißen diese und andere Aufgaben, die auch bleiben, wenn die letzte Zeche geschlossen ist. Pro Jahr sind dafür geschätzt 220 Mio. Euro nötig, die der Bergbau über eine Stiftung selbst aufbringen muss.