"Solidarität und Zusammenhalt sind in der DNA der Region"

Die Branche werde zudem noch lange "ein wesentlicher Aspekt der Identität" des Reviers bleiben, sagt Hans-Christoph Seidel vom Haus der Geschichte des Ruhrgebiets in Bochum. Die positive Identifikation mit der Montanindustrie werde sogar "stärker, je mehr Bergbau und Stahl abnehmen", haben die Geschichtsforscher beobachtet. Die gefährliche Arbeit habe die Mentalität der Menschen im Revier bis heute geprägt, meint auch Museumsdirektor Grütter: "Die Werte des Bergbaus wie Solidarität und Zusammenhalt sind in der DNA der Region verankert." Auch die Integration von Millionen Zuwanderern habe vergleichsweise gut funktioniert, denn "im Ruhrgebiet war ja quasi jeder ein Fremder".

Und Hauer Stieglan? Der muss mit seinen Kollegen noch das tun, was in der Bergmannssprache "rauben" heißt. Was noch brauchbar ist, wird ausgebaut und nach oben gebracht. Das ganze nächste Jahr dauert das Aufräumen unter Tage wohl noch. Dann ist auch für Stieglan endgültig Schluss, weil er das Alter erreicht hat, mit dem Bergleute in Rente gehen dürfen. Pläne für die Zeit danach hat er schon gemacht, ungewöhnliche für einen Bergmann aus dem Ruhrgebiet: "Ich möchte nach Schweden auswandern", sagt er ohne Zögern. Wegen der vielen Natur, und wegen seiner beiden Schlittenhunde, die viel Auslauf brauchen. Also spürt er keine Wehmut, wenn er an seinen Abschied von der Kohle denkt? "Kommt noch", sagt Stieglan.