• vom 05.12.2018, 17:58 Uhr

International

Update: 05.12.2018, 18:16 Uhr

EU

Euro soll global gestärkt werden




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  • EU-Kommission will erreichen, dass mehr Transaktionen in Euro getätigt werden. Das würde die Macht des Dollars - und damit auch der USA -schwächen.

In der Gemeinschaftswährung sollen künftig mehr Energiegeschäfte getätigt werden. - © afp/Miguel Medina

In der Gemeinschaftswährung sollen künftig mehr Energiegeschäfte getätigt werden. © afp/Miguel Medina

Brüssel/Wien. (klh) Die neuerlichen Sanktionen gegen den Iran haben die internationalen Machtverhältnisse deutlich gemacht: Wenn das die USA wollen, dann müssen noch immer die meisten Akteure nach ihrer Pfeife tanzen. Die Macht der USA fußt stark darauf, dass der Dollar international die Leitwährung ist.

Denn die EU war keineswegs damit einverstanden, dass US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit dem Iran, das er seit jeher als fürchterlichen Deal ansah, aufgekündigt hat - obwohl sich der Iran laut der Internationalen Atomenergiebehörde an das Abkommen hielt. Zudem wollten die Europäer den iranischen Markt mit all seinem Potenzial nicht verloren geben.


Also suchte die EU nach Alternativen, um ihren Konzernen weiterhin Geschäfte im Iran zu ermöglichen. Doch bis heute ist dafür kein funktionierender Mechanismus gefunden worden, und fast alle europäischen Konzerne haben ihre Iran-Geschäfte abgebrochen. Und viele machten dies schon alleine aufgrund einer US-Drohung, die zwar nicht so scharf umgesetzt wurde wie angekündigt, deren Verwirklichung für fast alle Firmen aber verheerende Folgen hätte: Wer mit dem Iran handelt, wird von den Finanzierungsströmen in Dollar ausgeschlossen.

Wem das passiert, der ist vom Weltmarkt mehr oder weniger abgeschnitten: Denn rund 60 Prozent des Welthandels werden in Dollar abgewickelt. Darüber hinaus ist die US-Währung an rund 88 Prozent aller globalen Devisentransaktionen beteiligt. Das geht aus Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für 2016 hervor.

Diese Macht der USA stand zwar nicht im Vordergrund, war aber Begleitmusik, als am Mittwoch die EU-Kommission verkündet, dass sie den Euro stärken wolle. Zwar wurde betont, dass diese Initiative keine Antwort auf die Iran-Politik der USA sei, doch Finanzkommissar Pierre Moscovici sagte ganz offen, dass im Währungsbereich die Beziehungen zwischen der EU und den USA "unverhältnismäßig" seien.

Daher auch die Stoßrichtung, die Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis vorgab: "Der Euro sollte das politische, wirtschaftliche und finanzielle Gewicht des Euroraums widerspiegeln", betonte er.

Mehr Euro, mehr Sicherheit
Doch dafür braucht es noch eine Menge Maßnahmen, die die Kommission auch benannt hat: Die Bankenunion, die Wirtschafts- und Währungsunion und die Kapitalmarktunion müssten mehr zusammenwachsen. Zudem sollen die europäischen Finanzmärkte gestärkt werden. Darüber hinaus soll etwa ausländischen Akteuren der Zugang zum Euro-Zahlungssystem erleichtert werden.

Ein entscheidender Baustein der Kommissions-Initiative ist auch, dass in Schlüsselsektoren der Euro stärker verwendet wird. Viele Geschäfte schließen europäische Konzerne weiterhin in Dollar ab - auch wenn sie sowohl Großproduzent als auch Großabnehmer sind. Die EU will nun direkte Beratungen mit Managern aufnehmen, um zu erörtern, wie es mehr Euro-Transaktionen geben kann. Zudem sollen auch die EU-Staaten mehr in diese Richtung arbeiten und somit dazu beitragen, dass die europäische Energieunion Wirklichkeit wird.

Am Ende des Tages sollen dann im Rohstoff- und Energiebereich mehr auf Euro lautende Transaktionen getätigt werden. Das würde laut Energiekommissar Miguel Arias Canete erstens die Versorgungssicherheit in der EU stärken und zweitens den europäischen Unternehmen mehr Autonomie geben. Noch aber hat der Dollar bei Öl und Gasgeschäften etwa eine deutliche Vormachtstellung.

Der Euro ist global immerhin die zweitgrößte Leitwährung. So wurden 2017 laut Kommission bereits mehr als 36 Prozent der internationalen Transaktionen in Euro verrechnet. Eine weitere Stärkung des Euro wäre freilich nicht nur eine wirtschafts-, sondern auch eine geopolitische Initiative - die US-Präsident Donald Trump, der die Union ohnehin als Projekt zur Schwächung der USA ansieht, nicht gefallen wird.

Am Ende entscheiden aber die Marktteilnehmer, welche Währung sie nutzen. Und damit sie mehr zum Euro greifen, müssen sie laut Analysten aus der Finanzwelt von der Stabilität der Währung überzeugt sein. Streitigkeiten, wie sie die EU gerade wegen des italienischen Budgets erlebt, seien dafür nicht hilfreich.




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Dokument erstellt am 2018-12-05 18:10:41
Letzte Änderung am 2018-12-05 18:16:30


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