Die EU-Botschafter haben Handelsdossiers beschlossen, die den Standort Europa stärken sollen. Zum einen betrifft das laut Wirtschaftsministerium das sogenannte FDI-Screening - bei größeren ausländischen Direktinvestitionen durch Investoren aus Nicht-EU-Ländern wird die gesetzliche Kontrolle verschärft. Zum anderen werden Schutzklauseln bei internationalen Freihandelsabkommen besser verankert.

Verstärkt unter Beobachtung stehen sollen bei ausländischen Direktinvestitionen (foreign direct investments, FDI) Übernahmen von Unternehmen, bei denen es Bedenken im Hinblick auf Sicherheit und öffentliche Ordnung gibt. Darunter fallen Unternehmen aus den Bereichen Strom-oder Schieneninfrastruktur, Hafen- oder Flughafenanlagen, Wasserversorger und Konzerne, bei denen es um Technologie- und Know-how-Transfer geht. Aufhorchen ließ etwa die mehrheitliche Übernahme des deutschen Roboterkonzerns Kuka durch chinesische Investoren vor zwei Jahren.

Vorreiter Österreich

Österreich sei beim FDI-Screening im EU-Vergleich bereits relativ weit fortgeschritten, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Derzeit hätten erst weniger als die Hälfte der 28 EU-Mitgliedsländer Gesetze, die ausländische Direktinvestitionen in sensiblen Branchen kontrollierten. "Wir sind eines der ersten Länder, die das haben", sagte Ministeriumssprecher Felix Lamezan-Salin. Wenn es um den Bereich kritischer Infrastrukturen geht, ist die Meldepflicht von Beteiligungen an sicherheitsrelevanten Unternehmen in Österreich ab einem Schwellenwert von 25 Prozent gesetzlich geregelt.

Somit ändert die jüngste EU-Einigung wenig. "Österreich wird nicht großartig anpassen müssen", so der Sprecher. Allerdings soll das nationale Außenwirtschaftsgesetz 2019 laut Wirtschaftsministerium novelliert werden. So werde Liste der vom Screening erfassten kritischen Infrastrukturen "sobald wie möglich um Telekommunikationsunternehmen erweitert", um beispielsweise digitales Know-how besser als bisher zu schützen, sagte Lamezan-Salins zur APA. "Offenbar kaufen jetzt mehr Unternehmen gezielt Kommunikationsunternehmen in Europa."

Durch die EU-Trilogergebnisse zum FDI-Screening und die Annahme durch die EU-Botschafter gebe es nun auch einen Leitfaden für nationale Parlamente, also einen Rahmen für nationale Gesetze. Neben dem FDI-Screening erhielten auch die EU-Verhandlungsergebnisse zur wirksameren Umsetzung von Schutzklauseln in internationalen Freihandelsabkommen (der EU mit anderen Wirtschaftsräumen) grünes Licht von den europäischen Botschaftern.