"Als die Strabag einen Vertrag mit der südafrikanischen Straßenagentur Sanral abgeschlossen hatte, hätte das Unternehmen wissen müssen, dass die Rechtmäßigkeit des Projekts seit 2012 bei den Gerichten anhängig ist", meint der südafrikanische Anwalt Johan Lorenzen im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Der Baukonzern hätte eine "Verpflichtung, die Rechtmäßigkeit seiner Bauprojekte" zu überprüfen und "darf sich nicht hinter der Sanral verstecken". Verstöße gegen die Umweltverträglichkeit werden in Südafrika strafrechtlich verfolgt.

Geplante Autobahn schneidet in unberührtes Gebiet

Weshalb die Strabag überhaupt für das Projekt gebraucht wird, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Brücke ist wegen der landschaftlichen Gegebenheiten technisch extrem herausfordernd. Der Mtentu-Fluss ist hier, in Meeresnähe, besonders breit. Doch genau hier, in der Unberührtheit der Natur, parallel zum Küstenstreifen, soll die neue N2 Wild Coast Toll Road entstehen - ein Highway, der das traditionelle Leben der Bewohner im Pondoland zu zerstören droht und ihren auf Landwirtschaft und Ökotourismus basierenden Lebensunterhalt. Der Highway, so heißt es von den offiziellen Stellen, soll Entwicklung bringen.

Gibt es eine Verbindung zwischen Straße und Mine?

"Wenn sie Entwicklung haben wollen, wieso verbreitern sie dann nicht einfach die existierende N2-Autobahn, die mehrere Dörfer verbindet? Wieso wollen sie eine Autobahn im Nirgendwo, neben der Küste?", fragt Nonhle Mbuthuma. Für sie, so wie für viele anderen Bewohner der Gemeinde Xolobeni, liegt die Antwort auf der Hand: Wegen eines riesigen Titanfeldes am fraglichen Küstenstreifen, der den bezeichnenden Namen "Wild Coast" trägt. Dort hat eine australische Minengesellschaft (MRC - Mineral Commodities) ein riesiges Titan-Vorkommen ausgemacht. MRC und der Staat waren schon handelseins, doch die Bevölkerung in Xolobeni probte Widerstand.

Das Projekt brauchte Unruhe in die Region. Mindestens vier Morde wurden seit Mitte 2000 schon gezählt - stets Personen aus der Gemeinde, die sich prominent gegen die Mine ausgesprochen haben. Augenzeugen berichten, dass die Mörder aber nicht aus dem Ort waren und sie noch nie jemand gesehen hatte. Wer sie geschickt hat, weiß man bis heute nicht. Keiner der Morde wurde je aufgeklärt. Für die Bewohner der Region ist die Untätigkeit der offiziellen Stellen in diesem Zusammenhang zumindest verdächtig.

Doch auch in der Gemeinde selbst wurden heftige Wortgefechte ausgetragen: Die einen sahen das schnelle Geld, die anderen sahen eine unwiederbringlich zerstörte Natur und eine zeitlich befristete kurzzeitige Geldquelle - die Minenlaufzeit ist auf 22 Jahre angelegt. Aber was dann?

Was bleibt, habe man in ganz Südafrika gesehen: Verbrannte Erde, erzählt Nonhle Mbuthuma, seit 2016 Vorsitzende des Amadiba Crisis Committee (ACC), das 2007 gegründet wurde, um gegen die Mine zu kämpfen.

Nonhle Mbuthumas Vorgänger an der ACC-Spitze, Sikhosiphi "Bazooka" Radebe, ist 2016 am helllichten Tag erschossen worden. Auch Nonhle Mbuthumas Name befindet sich auf einer angeblich unter Kopfgeldjägern kursierenden Liste. Sie benötigt zeitweise Personenschutz. Manchmal muss sie untertauchen.