• vom 07.12.2018, 08:02 Uhr

International

Update: 07.12.2018, 09:38 Uhr

Südafrika

Strabags Prestige-Projekt kurz vor dem Aus




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Von Konstanze Walther

  • Eine umstrittene Autobahn soll entlang der unberührten Küste am Ostkap gebaut werden.

Das Modell der Brücke, die von der Strabag gebaut werden sollte, in einer Visualisierung der südafrikanischen Straßenbauagentur Sanral. - © Sanral

Das Modell der Brücke, die von der Strabag gebaut werden sollte, in einer Visualisierung der südafrikanischen Straßenbauagentur Sanral. © Sanral



Pretoria/Wien. Es sah wie ein vielversprechendes Prestigeprojekt für die Strabag aus. Der Bau-Riese mit Sitz in Wien hatte ein Brückenprojekt in Südafrika an Land gezogen, das seinesgleichen sucht: Über den Mtentu-Fluss im Osten des Landes sollte die höchste Brücke in ganz Afrika gebaut werden - eine vierspurige Straße würde dabei über eine tiefe Schlucht geführt. 223 Meter hoch und 1132 Meter lang sollte die Brücke werden.

Doch der österreichische Konzern ist mit dem Auftrag zwischen die Fronten geraten - in einer lange schwelenden südafrikanischen Saga um Menschenrechte, Naturschutz und Mitbestimmungsrechte. Dazu kommt der ständig mitschwingende Verdacht, dass der von der Regierung vorgegebene Straßenverlauf der neuen N2, der N2 Wild Coast Toll Road, nicht der Bevölkerung dient, sondern einer etwaigen Titan-Mine, gegen die sich die Bevölkerung ebenfalls seit mehr als einem Jahrzehnt zur Wehr setzt.


Baubeginn wird seit einem Monat blockiert

Nonhle Mbuthuma braucht als Anti-Minen-Aktivistin Personenschutz.

Nonhle Mbuthuma braucht als Anti-Minen-Aktivistin Personenschutz.© Walther Nonhle Mbuthuma braucht als Anti-Minen-Aktivistin Personenschutz.© Walther

Der Baubeginn der Strabag-Brücke wird jedenfalls physisch von der demonstrierenden Bevölkerung blockiert. Die Anwälte der betroffenen Gemeinden decken in einem juristischen David-gegen-Goliath-Kampf sowohl die südafrikanische Straßenbauagentur Sanral als auch das Umweltministerium mit Beschwerden und Klagen ein, und schreiben auch an die Strabag geharnischte Briefe. Dabei wird das Bauunternehmen daran erinnert, dass es auch Gesetze des Auslands respektieren müsse. Bei dem fraglichen Straßenbau wurde etwa von den Anwälten vorgebracht, dass die Umweltprüfung nicht ausreichend war, um einen Baubescheid an Sanral zu geben - dieses Verfahren wurde diese Woche in Pretoria verhandelt. Ein Urteil soll es im Februar geben.

Außerdem wurde an manchen Orten sogar schon mit Arbeiten begonnen, obwohl es noch keinen Umsiedelungsplan für betroffene Bewohner gibt, der vom Gesetz her zwingend vor dem Baubeginn notwendig gewesen wäre.

Strabag will maximal nur
noch bis Ostern ausharren

Die Strabag International ist vom Widerstand der Bevölkerung nach eigenem Bekunden überrascht worden, wie die "Wiener Zeitung" exklusiv in Erfahrung brachte. Denn das Bauunternehmen ist davon ausgegangen, dass sämtliche notwendigen Voraussetzungen - die Umweltverträglichkeitsprüfung, die Einbindung der Bevölkerung - schon vor der Vergabe von der Regierung beziehungsweise der Straßenbau-Agentur Sanral erbracht worden sind.

Längst hätten die Bauarbeiten beginnen sollen - aber der Strabag bleibt derzeit nichts anderes übrig, als im Hotel Planungsarbeiten zu leisten. Die Arbeiter suchen inzwischen woanders nach neuen Jobs. "Unser Auftraggeber ist die Sanral. Die aktuelle Situation darf kein Dauerzustand werden", erklärt Jörg Wellmeyer, zuständig für das internationale Geschäft der Strabag. "Wenn bis spätestens Ostern nichts passiert, müssen wir mit dem Kunden eine Lösung finden. Das könnte auch ein Vertragsende sein", fügt Wellmeyer hinzu.

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Schlagwörter

Südafrika, Strabag

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-06 18:13:46
Letzte Änderung am 2018-12-07 09:38:59


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