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Frankfurt. (wak) Vier Jahre hat es gedauert, zum Jahreswechsel hört es auf: Die Europäische Zentralbank EZB stellt die Anleihenkäufe ein. Seit März 2015 waren die unter dem Stichwort "Quantitative Easing" (QE) die wichtigste Waffe der EZB im Kampf gegen eine schwache Konjunktur und eine zu geringe Inflation.

Haben denn die QE-Maßnahmen Wirkung gezeigt?, wird EZB-Chef Mario Draghi bei der Pressekonferenz gefragt. Nun, schmunzelt Draghi, er sei da ein wenig voreingenommen. Schließlich hat der Italiener QE immer verteidigt, insbesondere gegen deutsche Kritik. Aus Sicht Draghis war QE aber in den vergangenen Jahren zum Teil "das Einzige, was den Weg zur Erholung brachte". Und: "Es gab Anfang 2015 keine andere Wachstumsquelle."

Das Anleihenkaufprogramm werde aber definitiv weiterhin ein Instrument der Geldpolitik der EZB bleiben, und bei Bedarf auch in Zukunft eingesetzt werden. Das war zwar in der Theorie "schon immer so", sagt Draghi, aber es sei nun auch vom Europäischen Gerichtshof EuGH sanktioniert worden.

Erst am Dienstag hatte das oberste Gericht mit Sitz in Luxemburg nämlich entschieden, dass die Notenbank mit ihrem Anleihenkauf nicht gegen ihr Mandat verstoße und auch nicht gegen das Verbot der Staatsfinanzierung. Bei dem Teilprogramm namens PSPP (Public Sector Asset Purchase Programme), bei dem eben öffentliche Anleihen erworben worden sind, haben die jeweiligen nationalen Notenbanken nicht direkt von den ausgebenden Staaten gekauft, sondern bereits im Umlauf befindliche Papiere von Investoren.

Die von den Ankäufen aufgeblähte Bilanz der EZB wird aber bis auf weiteres nicht reduziert werden. Bis Jahresende werden die Wertpapier-Transaktionen ein Niveau von rund 2,6 Billionen Euro erreicht haben.

Die Euro-Wächter wollen weiterhin auslaufende Papiere in ihrem Bestand ersetzen. Laut Allianz müssen 2019 rund 165 Milliarden Euro wiederverangelegt werden. Ein konkretes Enddatum für diese Reinvestitionen nannte die EZB nicht. Die amerikanische Fed hatte rund zwei Jahre gewartet, bevor sie nach der ersten Zinserhöhung begann, ihre seit der Finanzkrise angeschwollene Bilanz zu verringern.

Leitzins bleibt weiterhin auf Rekordtief von 0,0 Prozent

Und auf die Zinserhöhung in der Eurozone selbst kann man noch länger warten. Der Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Wenn Banken ihr Geld bei der EZB parken, müssen sie sogar einen Strafzins von minus 0,4 Prozent zahlen. "Auf diesem Niveau werden die Leitzinsen jedenfalls noch über den Sommer 2019 bleiben", bekräftigte Draghi einmal mehr. Das Abschmelzen der Bilanz werde jedenfalls erst danach passieren.

Und wann die EZB nun die Leitzinsen erhöht? Wenn eine Konvergenz mit der Inflationsentwicklung gegeben ist - die EZB sieht eine Verteuerung von rund zwei Prozent als stabilitätsfördernd für die Wirtschaft an.

Und eben jene Wirtschaftsentwicklung bereitet derzeit Sorgen. "Das Wachstum ist schwächer und langsamer als angenommen", erklärt Draghi.

Weltpolitische Unsicherheiten und wirtschaftliche Abschottung dämpfen den Konjunkturoptimismus der Währungshüter. Für heuer erwartet die Notenbank für den Euroraum noch einen Zuwachs von 1,9 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Vor drei Monaten hatten die EZB-Experten ihre Wachstumsprognose bereits auf 2,0 Prozent heruntergesetzt. 2019 soll die Wirtschaft im Währungsraum nach der neuesten Vorhersage um 1,7 (September-Prognose 1,8 Prozent) zulegen.