Wien. Anlässlich des heute beginnenden EU-Afrika-Forums in Wien haben die heimische entwicklungspolitische Organisationen die wichtige Rolle der Zivilgesellschaft für eine nachhaltige Entwicklung betont. Wirtschaft alleine schaffe "kein stabiles Fundament", betonte der Geschäftsführer von "Jugend Eine Welt", Reinhard Heiserer, bei einer Pressekonferenz in Wien.

Das hochrangig besetzte EU-Afrika-Forum, bei dem die Bundesregierung nach eigenen Angaben "ganz bewusst" das Thema Migration ausspart, hat die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen mit Afrika zum Ziel. Die Wirtschaft könne aber nur "einen Teil leisten", gab Annelies Vilim, Geschäftsführerin des Dachverbandes entwicklungspolitischer NGOs, der AG Globalen Verantwortung, zu bedenken. "Damit die Wirtschaft florieren kann, braucht es auch andere Maßnahmen", so Vilim bei dem Medientermin, der unter dem Motto "Weil Konzerne keine Schule machen", stand.

"Sinnvoll zusammenarbeiten" 

Man könne "nicht alles auf einen Aspekt zusammendämpfen", strich auch der Geschäftsführer von Fairtrade, Hartwig Kirner, hervor. "Es gibt Bereiche, die Unternehmen gut abdecken können, andere aber nicht", sagte er unter Verweis auf die Notwendigkeit von staatlichen Akteuren, um etwa Kohärenz unterschiedlicher Politikbereiche sicherzustellen.

Die Zivilgesellschaft müssen einen "starken Untergrund bauen", erklärte Heiserer. Die Wirtschaft brauche beispielsweise gut ausgebildete Menschen, in die "Grund-, Berufs- und Herzensbildung" investierten Unternehmen aber nicht.

Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von Care: "Es ist kein Widerspruch, dass Zivilgesellschaft und Wirtschaft sinnvoll zusammenarbeiten." Man müsse nur erkennen, dass man einander brauche und "sinnvoll ergänzen" könne. Der Fokus auf Wirtschaft alleine sei jedenfalls "kein Generalrezept", betonte auch sie.

Damit Menschen am Markt teilnehmen können, müssten zuallererst die "elementaren Grundbedürfnisse" erfüllt sein, erläuterte Christoph Schweifer, Generalsekretär Internationale Programme der Caritas Österreich. Denn noch immer würde jeder zehnte Mensch weltweit in Armut leben. Genau hier setzt die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) an, die unter anderem die Bekämpfung von Armut und Hunger oder auch die Förderung von Schulbildung zum Ziel hat. EZA bleibe also weiterhin ein wichtiger Aspekt.

"Zukunftspakt mit Afrika"  gefordert

Erneut forderten die 35 Mitgliedsorganisationen der AG Globalen Verantwortung einen "umfassenden Zukunftspakt mit Afrika" und eine zusätzliche "Entwicklungsmilliarde" der Bundesregierung in der laufenden Legislaturperiode, um diesen zu finanzieren. "Soziales, Wirtschaft und gute Regierungsführung sollen in dem Pakt mit Afrika zusammengeführt werden", sagte Schweifer. "Wer eine gute Zukunft für Österreich will, muss die Welt im Blick haben", begründete Vilim. In einer globalisierten Welt wirkten Krisen auch "bis zu uns und wir können nicht in Sicherheit und Wohlstand leben, wenn neben uns Ungerechtigkeit und Elend herrschen."