New York. In der US-Pharmaindustrie bahnt sich eine große Übernahme an: Der Branchenriese Bristol-Myers will den Biotechkonzern Celgene für rund 74 Milliarden Dollar übernehmen und damit sein Geschäft mit lukrativen Krebsimmuntherapien ausbauen. Die Immuntherapie ist das am schnellsten wachsende Feld im jährlich 100 Milliarden Dollar schweren Markt für Krebsmedikamente.

Bristol-Myers gehörte in diesem Gebiet zu den Pionieren, bekam aber starken Konkurrenzdruck durch den US-Rivalen Merck & Co, der mit seiner Immuntherapie Keytruda eine dominierende Position bei der Behandlung von Lungenkrebs - der weltweit häufigsten Krebsart - einnimmt. Durch den Zusammenschluss von Bristol-Myers und Celgene soll ein führendes Unternehmen in den Bereichen Krebs, Immunologie, Entzündungs- sowie Herzkreislauferkrankungen entstehen.

Celgene hatte sich erst 2018 mit dem Kauf des Krebsspezialisten Juno Therapeutics für neun Milliarden Dollar in der Immuntherapie verstärkt. Der Kauf durch Bristol-Myers wäre eine der größten Übernahmen in der Pharmaindustrie in den vergangenen Jahren. 2018 hatte der japanische Arzneimittelhersteller Takeda den größten Zukauf in der Branche bekanntgegeben; er übernahm für 59 Milliarden Dollar den irischen Rivalen Shire.

Konzentrationsprozess fortgesetzt

Seit Jahren befindet sich die Pharmaindustrie in einem unaufhörlichen Konzentrationsprozess. Da viele Patente auslaufen und die Kosten für Forschung und Entwicklung steigen, bündeln immer mehr Firmen ihre Kräfte.

Einer mit der Sache vertrauten Person zufolge begannen die Gespräche zwischen Bristol-Myers und Celgene im vergangenen September. Nach Einschätzung von Analyst Alex Arfaei von BMO Capital Markets zahlt der Pharmakonzern einen hohen Preis. Investoren hatten sich zuletzt besorgt über die Wachstumsaussichten sowohl von Bristol-Myers als auch Celgene geäußert, nachdem beide Unternehmen Rückschläge bei der Medikamentenentwicklung verdauen mussten und wachsendem Konkurrenzdruck im Krebsgeschäft ausgesetzt waren.

Zusammen hoffen die beiden Unternehmen, in der nächsten Zeit sechs neue Medikamente mit einem Umsatzpotenzial von mehr als 15 Milliarden Dollar auf den Markt bringen zu können. Im frühen Stadium der Entwicklung befänden sich alleine 50 Produkte mit hohem Potenzial. Durch den Zukauf erwartet Bristol-Myers zudem jährliche Einsparungen in Höhe von rund 2,5 Milliarden Dollar bis 2022. Den Abschluss des Deals, der bereits grünes Licht vom Celgene-Aufsichtsrat erhalten hat, erwartet der Konzern im dritten Quartal.