London/Frankfurt. Die Unsicherheit vor der Brexit-Abstimmung hat am Montag zusammen mit schwachen Wirtschaftsdaten aus China über den Börsen in Europa gelastet. Vor der Rede von Premierministerin Theresa May im Unterhaus um 17.30 Uhr fiel der Euro-Stoxx-50 um 0,95 Prozent, der DAX in Frankfurt notierte um 0,75 Prozent tiefer und der FTSE-100 der Börse London gab um 0,94 Prozent nach. Bis Börsenschluss konnten der DAX unter der Euro-Stoxx-50 ihre Verluste zwar eingrenzen, beide Indizes blieben aber im Minus. "Die Verunsicherung über den Brexit wird noch eine ganze Woche andauern", sagte Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank. Denn im Fall einer Ablehnung des Abkommens seitens des britischen Unterhauses müsse die Regierung May binnen drei Tagen einen Plan B vorlegen und stehe mithin "enorm unter Zeitdruck".

Das Pfund Sterling legte vor der Abstimmung allerdings leicht auf 1,2851 Dollar zu. Damit notierte die britische Währung so hoch wie in den vergangenen sieben Wochen nicht. Händler erklärten den Anstieg mit zuletzt gestiegenen Hoffnungen, dass es bei einer Nicht-Annahme des mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrags im britischen Unterhaus zu einem weichen Brexit oder sogar einem Verbleib Großbritanniens in der Union kommen könnte. Bei einem Brexit ohne Abkommen rechnet die Bank of England mit einem Absturz der britschen Währung von bis zu 25 Prozent.

Finanzbranche mit Gegenwind

Deutlich zu spüren bekommt die Brexit-Unsicherheit auch die britische Finanzbranche. Erstmals seit 2013 ist die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen von Unternehmen im Vereinigten Königreich gesunken und wird voraussichtlich im laufenden Quartal weiter nachgeben, wie aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Industrieverbandes CBI und PricewaterhouseCoopers hervorgeht.

Die Gewinne in der Branche, die die meisten Steuern in Großbritannien beisteuert, würden zudem erstmals seit drei Jahren zurückgehen, heißt es in der Umfrage, an der 84 Unternehmen teilgenommen haben. "Der anhaltend schwache Optimismus und die Eintrübung der Erwartungen lassen für die Aussichten die Alarmglocken läuten", sagte CBI-Chefvolkswirtin Rain Newton-Smith am Montag.

Der Umfrage zufolge ist insbesondere bei Anlageverwaltern der Verlust an Dynamik auffällig. Sie verzeichneten den stärksten Rückgang seit der Finanzkrise vor zehn Jahren. Die große Mehrheit solcher Investmentfirmen sei für die Aussichten in den nächsten Monaten weniger zuversichtlich. Insbesondere die Geschäfte mit ausländischen Kunden seien betroffen.