Washington. (wak/reuters) Die Notenbank in den USA hat bereits mit dem Kauf von Anleihen aufgehört. Die Europäische Zentralbank lässt ihr Anleihenkaufprogramm gerade auslaufen. Und das sind schlechte Nachrichten für Anleihen, die sich die längste Zeit im Höhenflug befunden haben. Und zwar so steil, dass manche Marktbeobachter schon 2016 vor einer immensen Blase auf dem Anleihenmarkt warnten: Denn Anleihen aller Art waren gefragt wie nie - nur so konnten die Notenbanken ihr Quantitative Easing umsetzen: also die Liquidität im Markt erhöhen, ohne allzugroße Risiken einzugehen, sprich sicher scheinende Anleihen kaufen.

Doch diese Zeit ist vorbei. Anleihen sind nicht mehr so attraktiv wie einst, vor allem nicht, weil sie mit steigenden US-Zinsen und der wachsenden Attraktivität der Aktienmärkte - dank der US-Steuererleichterungen - konkurrieren. Die Körperschaftssteuer ist etwa von 21 auf 35 Prozent gesunken.

Es sei beunruhigend, dass eine der wesentlichen Nachfragequellen nach Anleihen genau dann verschwindet, wenn mehrere Regierungen ihr Defizit wieder ausbauen wollen, zitiert das Schweizer Portal Fondstrends etwa Experten der Aviva Investment Gruppe. Denn diese Regierungen brauchen Abnehmer für Staatsanleihen. Auch die Märkte für Unternehmensanleihen dürften 2019 unter anhaltendem Druck stehen, meinen die Aviva Investors.

Enttäuschung trotz Rekorde

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Der rückläufige Anleihenmarkt ist der Hauptgrund, weshalb die Aktionäre von US-Banken derzeit lange Gesichter ziehen.

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Denn viele der Institute veröffentlichen derzeit ihre Quartalsergebnisse. Und obwohl sie dank der Steuererleichterungen von Donald Trump Rekordergebnisse erzielt haben, blieb das Anleihengeschäft weit hinter den Prognosen.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat als einzige Großbank die Erwartungen der Wall Street in der angelaufenen Berichtssaison bedient. Denn bei Goldman war das Handelsgeschäft mit Aktien stark genug, um die Verluste bei Anleihen zu überdecken.

Die Erlöse im Aktienhandel legten im vierten Quartal um 17 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) zu, während der Bondhandel fast um ein Fünftel auf 822 Millionen Dollar einbrach, wie Goldman Sachs am Mittwoch mitteilte.

Unter dem Strich führte das zu einem Quartalsgewinn von 2,32 Milliarden Dollar. Wegen der deutlich besser als erwartet ausgefallenen Bilanz verteuerte sich die Aktie vorbörslich um 3,6 Prozent. Netto verdiente die Bank im Jahr 2018 knapp 10 Milliarden Dollar - um 168 Prozent mehr als im Vorjahr. Grund dafür ist eben auch die Unternehmenssteuerreform in den USA, die das Jahr 2017 belastet hatte, 2018 aber zu deutlich steigenden Gewinnen führte. Vor Steuern legte der Jahresgewinn um zwölf Prozent auf 12,5 Prozent zu.