Buenos Aires/Wien. Es ist wieder so weit. Die Verbraucherpreise in Argentinien sind im Dezember 2018 im Vergleich zum Vorjahr um fast 50 Prozent gestiegen. Zuletzt waren die Preise binnen Jahresfrist 1991 so stark angezogen.

Auch im internationalen Vergleich sieht es bedenklich aus: die Landeswährung Peso verlor 2018 massiv an den Dollar, es war die stärkste Abwertung seit 2002, als die Währung vom US-Dollar entkoppelt wurde.

Um die derzeitige wirtschaftliche Misere des südamerikanischen Landes zu verstehen, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen - denn viele Probleme von heute haben dort ihre Wurzeln. Sie sind nie oder nur unzureichend behoben worden. Die Politik versucht, je nach ideologischer Ausrichtung, immer den ihrem Lager eigenen, oft schon gescheiterten Lösungsansatz. Und die Bevölkerung reagiert aus der Geschichte heraus mit reflexartigem Misstrauen gegenüber Beschränkungen im Währungsverkehr und antwortet im Zweifel mit einem Bankenrun.

"Argentinien leidet unter zwei grundlegend verschiedenen Entwicklungsmodellen, die zu zwei unterschiedlichen sozialen Blöcken gehören. Je nachdem, welche Regierung an der Macht ist, schlägt das wirtschaftspolitische Pendel massiv in die eine oder andere Richtung aus", erklärt Joachim Becker, stellvertretender Vorstand des Instituts für Außenwirtschaft und Entwicklung an der Wirtschaftsuniversität Wien. Extrem liberale Wirtschaftspolitik stehen den protektionistisch denkenden Peronisten gegenüber.

Vor dem Präsidenten Carlos Menem (1989 bis 1999 im Amt) grassierte eine Hyperinflation in dem Land. Menem versuchte die Währung zu stabilisieren, indem er mit dem Wechselkurs-Gesetz den Peso an den US-Dollar mit einem Kurs 1:1 festsetzte - eine künstliche Aufwertung des Peso.

Das stabilisierte zwar vorerst die Entwicklung der Verbraucherpreise, führte aber zu einer massiven Auslandsverschuldung.

Die Importe waren auf einmal extrem billig, die einheimische Industrie konnte da im Wettbewerb nicht mehr mithalten. Das hat auch dazu geführt, dass das Leistungsbilanzdefizit sowie die Auslandsverschuldung Argentiniens deutlich gestiegen sind. "Die Verschuldungsdynamik im Land war stark von der Nutzung von US-Dollar geprägt. Die Menschen hatten sowohl Dollar-Konten als auch vielfach Dollar-Kredite aufgenommen. Sogar die Miete ist damals in Dollar gezahlt worden", erklärt Becker.

Das geht nur solange gut, als die Verlockung der hohen Zinsen Kapital ins Land fließen lässt. Doch ab dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass es sich um ein Kartenhaus handelt, das jederzeit einstürzen kann, haben die Menschen Geld von den Konten geräumt. Es kam zu einem veritablen Bankenrun. Den Banken ging das Kapital aus.