London. (reu/afp/dpa/sig) James Dyson, Gründer und Eigentümer des gleichnamigen Staubsaugerherstellers, ist eigentlich ein glühender Brexit-Befürworter der ersten Stunde. Geht es um seine eigene Firma, dann geht der Brite aber lieber auf Nummer sicher. Als Reaktion auf die Gefahr eines ungeordneten Brexit hat Dyson angekündigt, seine Zentrale nach Singapur zu übersiedeln.

Der reichste Mann Großbritanniens ist nicht der Einzige, der kurz vor dem geplanten EU-Austritt des Vereinigten Königreichs ins Ausland flüchtet. So verlegt der japanische Elektronikkonzern Sony seinen Europa-Sitz in die Niederlande, um ihn "in der EU" zu belassen und "umständliche Zollprozeduren zu vermeiden". Der Sony-Konkurrent Panasonic ist schon vergangenes Jahr von Großbritannien in die Niederlande übersiedelt.

Auch 47 Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter haben angekündigt, einen Teil ihres Geschäfts von Großbritannien nach Luxemburg zu verlegen. Laut der Agentur Luxemburg for Finance hat das Großherzogtum im vergangenen Jahr 80 neue Banklizenzen vergeben.

"Hört nicht auf den Wahnsinn"

Bei Drohungen belassen hat es vorerst Airbus. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern fertigt die Tragflächen für fast alle seine Passagier- und Frachtflugzeuge in Großbritannien. Bei einem ungeregelten Brexit muss Airbus um seine Lieferketten fürchten.

"Wenn es einen Brexit ohne Abkommen gibt, müssen wir bei Airbus möglicherweise sehr schädliche Entscheidungen für Großbritannien treffen", sagte Airbus-Chef Tom Enders am Donnerstag in einer Videonachricht. "Bitte hört nicht auf den Wahnsinn der Brexiteers, die behaupten, dass wir, weil wir hier riesige Fabriken haben, nicht bewegen und immer hier sein werden." Es gebe auf der Welt Länder, die gerne Tragflächen für Airbus bauen würden. Die britische Luft- und Raumfahrtindustrie stehe vor dem Abgrund, ein Jahrhundert der Entwicklung sei in Gefahr.

Indes versucht der Billigflieger Easyjet, Aktionäre aus Großbritannien und anderen Ländern, die nicht am EU-Wirtschaftsraum teilhaben, loszuwerden. Bei einem harten Brexit müsste eine Mehrheit der Eigentümer EU-Bürger sein, weil die Airline ansonsten keine Strecken innerhalb der EU fliegen dürfte.

London sieht kein Problem

Die Regierung in London reagierte gelassen auf diesen "Brexodus". "Großbritannien bleibt ein attraktives Ziel für ausländische Direktinvestitionen", sagte der für den internationalen Handel zuständige Minister Liam Fox beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Der Minister verwies auf Zahlen der Wirtschaftsberatung Deloitte, wonach Großbritannien seit dem Brexit-Votum 2016 mehr ausländische Investitionen angezogen habe als Deutschland und Frankreich zusammen.

Seit klar ist, dass das britische Parlament den Deal von Premierministern Theresa May nicht annehmen wird, steigt die Angst vor einem ungeregelten Brexit. Verstärkt wurde die Sorge durch Mays schwache Rede vor dem britischen Parlament am Montag (bei der sie eigentlich einen Plan B präsentieren hätte sollen). Kommt es bis 29. März zu keiner Einigung, dann scheiden das Königreich automatisch aus der EU aus - und wird über Nacht zum Drittstaat. Es gäbe dann keine Übergangszeit, in der sich vorerst nichts ändert: Großbritannien würde aus dem Binnenmarkt ausscheiden, an den Grenzen müssten wieder Zölle eingehoben werden. Der wirtschaftliche Schaden wäre enorm - für beide Seiten.