Frankfurt. (da/reu) Es war kein grelles Licht, ein wenig leuchtete es am Freitag aber doch am Ende des Deutsche-Bank-Tunnels: 341 Millionen Euro verdiente das krisengeplagte Geldhaus im vergangenen Jahr. Zum ersten Mal seit 2014 wurde wieder ein Überschuss erwirtschaftet. Danach setzte die Talfahrt ein: 6,8 Milliarden Euro betrug der Verlust im Geschäftsjahr 2015 - der höchste der Unternehmensgeschichte -, 1,4 Milliarden Euro waren es 2016 und 735 Millionen Euro 2017.

Das einstmals stolze und risikoscheue Flaggschiff der deutschen Finanzwirtschaft erhielt die Quittung für den Kurswechsel der Nullerjahre, in dem Wachstum auf Biegen und Brechen zur Maxime wurde. Alleine auf dem US-Immobilienmarkt wurden infolge der Hypothekenkrise neun Milliarden Dollar in den Sand gesetzt.

Tausende Mitarbeiter entlassen

Von einst 47 Milliarden Euro Börsenwert ist die Deutsche Bank heute 30 Milliarden Euro entfernt. In den vergangenen fünf Jahren verlor der Titel rund 75 Prozent, somit deutlich mehr als die ohnehin schwach abschneidende Konkurrenz in der Eurozone (siehe Grafik).

Nach den letztlich desaströsen Jahren unter Josef Ackermann, dem Katastrophen-Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie dem glücklosen John Cryan bemüht sich Christian Sewing seit vergangenem April um die Sanierung der Bank. Runter mit den Kosten und raus aus unrentablen Geschäftsfeldern, lautet das Rezept des 48-Jährigen. Die Zahl der Mitarbeiter auf Vollzeitbasis sank binnen eines Jahres um knapp 8000 auf 91.700, bis Ende 2019 sollen es laut Sewing "deutlich unter 90.000" sein. Er verweist darauf, dass 19 der 20 Rechtsstreitigkeiten, in die die Bank ganz oder teilweise verwickelt war, beigelegt seien. Wachstumschancen sieht der Vorstand im Kreditgeschäft mit Privat- und Firmenkunden.

Sewing gibt jedoch zu, das Institut sei "noch lange nicht" dort, wo er es haben will. Im Schlussquartal rutschte die Deutsche Bank sogar wieder in die roten Zahlen. Vor allem der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren - einst die Paradedisziplin - schwächelte. Hier brachen die Erträge um 23 Prozent ein. Beim Investmentbanking, das neben dem Handel auch das Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen und die Begleitung von Kunden etwa bei Börsengängen umfasst, sanken die Erträge um mehr als eine Milliarde auf rund 13 Milliarden Euro.

Ganz schlecht für das Image war das Polizei-Großaufgebot vor der Konzernzentrale im November. Daten aus den "Panama Papers" legten nahe, dass Bankmitarbeiter Kunden geholfen haben sollen, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu gründen und Gelder aus Straftaten zu waschen. Bank-Rechtsvorstand Karl von Rohr betonte nun, es gebe keine Hinweise auf Fehlverhalten der Bank oder deren Mitarbeiter. Ebenso wenig sei bisher eine Verwicklung in den Geldwäsche-Skandal bei der Danske Bank erwiesen.

Ende Dezember aber hatte der Aktienkurs mit 6,68 Euro den historischen Tiefststand erreicht. Banken, Analysten, einige Anteilseigner - größter Aktionär ist mit knapp fünf Prozent der Vermögensverwalter Blackrock - und das deutsche Finanzministerium hätten laut Insidern noch vor wenigen Monaten angenommen, die Deutsche Bank hätte mehr Zeit, um die Trendwende zu schaffen. Doch es gebe keine Reserven mehr, eine Entscheidung ob einer etwaigen Fusion müsse daher schnell fallen.

Fusions-Planspiele

Der Bund hält 15 Prozent an der Commerzbank, nicht verstummen möchten daher die Gerüchte über eine Fusion der beiden deutschen Geldhäuser. Davon will Deutsche-Bank-Chef Sewing offiziell nichts wissen: "Wir haben unseren Plan und den arbeiten wir ab. Über alles andere mache ich mir keine Gedanken." Der Vorstandsvorsitzende der Erste Group, Andreas Treichl, schlug vor kurzem eine Fusion von Deutscher Bank und dortigen Sparkassen vor, er selbst sah aber die Chancen auf Realisierung als minimal an.

Nicht nur im deutschen Finanzministerium, auch im Wirtschaftsministerium laufen Planspiele über die Zukunft der Bank. Ressortchef Peter Altmaier will laut einem Bericht der "Welt", dass strategisch wichtige Konzerne durch gezielte staatliche Maßnahmen unterstützt werden. Dazu zählt er Industriemulti Siemens, die Autohersteller BMW, Daimler und den Volkswagen-Konzern, den Chemieriesen BASF, den Industriekonzern Thyssenkrupp - und die Deutsche Bank. Kommenden Dienstag soll die "Nationale Industriestrategie 2030" vorgestellt werden.