Stark in letzterem Bereich ist ebenso ein Unternehmen, das keinen Buchstaben im Gafa-Universum abbekommen hat: Microsoft. Die Mitnennung schien vorgestrig, denn Microsofts Ausflug in den Smartphone-Markt geriet zum Flop, die Quasi-Monopole der Hauptprodukte Windows und Office bröckelten und Stand-PC galten sowieso als out. Doch Microsoft gelang der Umbruch mit Cloud-Computing und dem Fokus auf Geschäftskunden.

Vorbauen für den nächsten Technologiesprung

Mag Microsoft bis heute nicht trendig sein, rechtfertigt der kommerzielle Erfolg die Erweiterung von "Gafa" zu "Gafam". Gemeinsam kamen die großen fünf Ende 2018 auf knapp 3000 Milliarden Euro Börsenwert. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands liegt bei rund 3200 Milliarden Euro. Auf der einen Seite steht Europas größte Volkswirtschaft mit rund 81 Millionen Einwohnern. Auf Gafam kommen ein paar hunderttausend Angestellte weltweit.

Der Datenschatz soll die Vormachtstellung auch nach dem nächsten Technologiesprung sichern. Dabei verwischen die Grenzen zwischen den Branchen, Gafams Angebote reichen von Zahlungssystemen über Telekom-Anbieter bis zum Einzelhandel. Google (Assistant), Amazon (Alexa) und Apple (Siri) marschieren beim nächsten Großtrend vorweg, dem "intelligenten Lautsprecher". Er zählt zum "Internet der Dinge", jenen Produkten, die mit Sensoren ausgestattet und dem Internet verbunden sind. "Die Vernetzung zu Hause befindet sich erst am Anfang. Wenn wir den Stand umlegen auf die Entwicklung von Mobiltelefonen, sind wir derzeit auf einer Stufe mit den allerersten Handys", sagt Nadia Abou Nabout.

Die Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien erwartet große Entwicklungssprünge in den kommenden zehn Jahren bei einem weiteren Großtrend: Automatisierung mithilfe künstlicher Intelligenz. Maschinen werden immer mehr Entscheidungen treffen. "Roboter halten vom selbstfahrenden Auto bis in die Altenpflege Einzug", meint Abou Nabout. Jedoch: "Der Mensch bleibt als Unterstützung wichtig."

Die unbekannte Logik selbstlernender Maschinen

Geld für Forschung oder Zukäufe ist reichlich vorhanden. Alleine Apples Reserven betragen 245 Milliarden Dollar. Doch niemand außerhalb der Konzerne weiß, nach welcher Logik selbstlernende Maschinen ihre Entscheidungen treffen. Wohin etwa ein selbstfahrendes Auto bei einem Unfall kracht, wenn es Fußgängern nicht ausweichen kann. Verschont es das Kind und überfährt es den alten Mann, weil er eine geringere Lebenserwartung hat?

Und wo wird künftig die Grenze gezogen, welche Daten kommerziell verwertbar sein dürfen? Bereits heute zahlen Versicherungen Boni an Kunden, die mehr als 10.000 Schritte täglich gehen oder deren Fahrverhalten beim Autofahren gemessen werden darf. In den USA würden auch Daten aus WhatsApp-Nachrichten für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit herangezogen, erklärt Abou Nabout, die das WU-Institut für interaktives Marketing und soziale Medien leitet.