In dem nun ausverhandelten Kompromiss, der der Agentur Reuters vorliegt, ist unter anderem vorgesehen, dass die deutsche Regierung bei Nord Stream 2 ab einem bestimmten Punkt der Pipeline für die Aufsicht zuständig ist. Damit würden sich Bau und Betrieb der Pipeline verteuern, aber letztlich eben doch möglich sein, meinen EU-Diplomaten. Aus Kreisen des Pariser Elysee-Palasts hieß es, die Einigung sei wichtig für Frankreich, denn sie erlaube eine "verstärkte europäische Kontrolle" über Energieprojekte, also auch über Nord Stream 2. Deutschlands Wirtschaftsminister Peter Altmaier sagte, es sei wichtig, "dass Frankreich und Deutschland gemeinsam vorgegangen sind, dass wir uns nicht zerstritten haben".

Und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel suchte den Eindruck mancher europäischen Staaten zu zerstreuen, ihr Land würde mit seiner Politik Europa in die Energieabhängigkeit von Russland treiben. "Deutschland hat den Anspruch, seine Energieversorgung divers sicherzustellen", sagte sie. "Dazu gehört auch russisches Erdgas, aber nicht ausschließlich russisches Erdgas."

Vermittlungsverfahren nötig

Endgültig beschlossen ist die Gas-Reform allerdings nicht. In einem Vermittlungsverfahren müssen sich Kommission, EU-Parlament und die Länder noch auf die Richtlinie einigen. Und dann wäre da noch die wohl letzte Hürde für
die Realisierung des Projekts: die angedrohten Sanktionen der USA gegen an Nord Stream 2 beteiligte Firmen. Sie könnten - ähnlich wie im Falle des Iran - ihre Wirkung entfalten.