Weltweit hymnisch verehrtes Genussprodukt: Britischer Scotch. - © Philipp Lipiarski
Weltweit hymnisch verehrtes Genussprodukt: Britischer Scotch. - © Philipp Lipiarski

London. Seit einiger Zeit kursiert ein Foto durch die sozialen Medien, das die lukullische Wüste in Großbritannien nach dem Brexit verdeutlichen soll: Auf der einen Seite des Bildes sind unter anderem französischer Champagner und Käse, italienische Paste und Weine, spanische Würste und belgisches Bier zu sehen. Auf der britischen Seite steht lediglich eine geöffnete Konservendose mit der Aufschrift "Baked Beans". Dass das Vereinigte Königreich in der Geschichte der Kulinarik keine führende Position einnimmt, ist vielen Menschen spätestens seit der Lektüre von "Asterix bei den Briten" (Zitat Obelix: "Das arme Wildschwein!") bekannt.

Aber das Bild greift natürlich zu kurz. Denn auf ein jahrhundertealtes, weltweit hymnisch verehrtes Genussprodukt kann die Insel sehr wohl verweisen. O.k., das Elixir, der Whisky, stammt aus dem EU-freundlichen Schottland, würde aber nach dem Brexit den von der Londoner Regierung ausverhandelten Rahmenbedingungen unterliegen. Wenn die überhaupt zum Tragen kommen und es nicht zu einem harten Ausstieg kommt.

Was bedeutet nun ein harter oder weicher Brexit für die Liebhaber der schottischen Spirituose? Besteht die Gefahr, dass sie Anfang April auf dem Trockenen sitzen? Oder müssen sie sich Alternativen aus Irland, den USA oder Japan suchen?

Das "Wasser des Lebens" (die schottisch-gälische Übersetzung von Whisky) ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Schottland. Der Whiskyexport mit seinen durchschnittlich 15 Milliarden Litern pro Jahr übertrifft sogar die Öl-Exporte des Landes. Der boomende Tourismus basiert zu einem erheblichen Teil auf Besuche von und Verkostungen in Whisky-Brennereien. Daher liegt es im ureigenen Interesse der schottischen Regionalregierung, dass die Lieferkette in die europäischen Exportmärkte nicht zum Erliegen kommt.

Wie groß ist die Gefahr eines Lieferstopps? "Diese Gefahr ist sehr hoch", analysiert Gert Weihsmann, Premium Brand Manager bei Pernod Ricard (mit Whiskys wie Ballentine’s, Chivas Regal, Aberlour oder Glenlivet), im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die momentane Lage. "Grundsätzlich weiß niemand in der Spirituosenindustrie, wie es am 1. April aussehen wird. Selbst beim ausverhandelten Deal bleiben grundlegende Fragen unbeantwortet. Eines ist jedoch auf jeden Fall sicher - der Scotch wird merklich teurer werden. Bei einem harten Ausstieg wird zusätzlich Chaos regieren."