Rubaya/Goma. In Gummistiefeln steht Richard Bisingimana knietief im Matsch. Der 24-jährige Bergmann gräbt einen Kanal in das Flussbett und legt Steine an den Rand. "So waschen wir die Mineralien aus", erklärt er und greift in den Matsch: ein Gemisch aus Kieseln. Er zeigt auf ein paar glitzernde Steinchen in seiner Handfläche. Ein Grinsen rutscht ihm über das Gesicht: "Hier, das ist das Coltan", sagt er stolz. "Davon bezahle ich die Schulgebühren für meine Kinder."

Der Fluss Mwumba, in dem Bisingimana gräbt, wird von der lokalen Bevölkerung der "rote Fluss" genannt, nach seiner rostroten Farbe. Tiefe Frakturen ziehen sich durch die Flanken dieser Berge des ostafrikanischen Grabensystems. Regenwasser wäscht das rotbraune Gestein aus, das in den Fluss gespült wird. Er fließt durch die Stadt Rubaya, hoch oben in den Bergen des Bezirks Masisi, im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Dunkle schwere Wolken hängen in den Tälern. Nur wenn die Wolkendecke kurz aufreißt, sieht man unzählige Stollen, die die Berge durchlöchern wie Schweizer Käse. Dazwischen schleppen Männer Säcke. Sie kriechen in die Löcher hinein und kommen schmutzig wieder hinaus. Von allen Seiten hallt das Echo der Spitzhacken.

Arbeiter auf der Suche nach Coltan. Vom Bergbau sind tausende Familien abhängig. - © Simone Schlindwein
Arbeiter auf der Suche nach Coltan. Vom Bergbau sind tausende Familien abhängig. - © Simone Schlindwein

Bisingimana sammelt die Coltansteinchen in einer Wanne. Wenn er fleißig ist, schafft er an einem Tag rund ein halbes Kilo, erzählt er. Das bringt ihm umgerechnet rund zehn Euro. "Das ist eine gute Arbeit", sagt er. Er sei gerade dabei, sich ein Haus zu bauen.

Rubaya - das war noch vor zwei Jahrzehnten ein kleines verschlafenes Bergdorf rund 60 Kilometer westlich der ostkongolesischen Provinzhauptstadt Goma. Auf den Almen rund herum grasten die Kühe der Tutsi-Farmer. Dazwischen pflanzten Hutu-Bauern Kartoffeln, Bohnen und Mais an.

Dann fanden Geologen in den Gesteinsschichten Coltanerz - noch dazu mit einer hohen Konzentration von Tantal, das in der Elektronikindustrie weltweit gefragt ist. Als in den 1990er Jahren die Tantal-Nachfrage aufgrund der vermehrten Produktion von Computern und Mobiltelefonen in die Höhe schoss, strömten immer mehr Menschen nach Rubaya, um nach Coltanerz zu graben. Mittlerweile graben dort rund 50.000 Schürfer.

In diesem Kriegsgebiet gibt es nicht viele Jobs. Bisingimana ist froh, einen zu haben. Er zeigt einen Mitgliedsausweis der Kooperative "Cooperamma". Diesen muss er vorzeigen, wenn er abends seine Ausbeute im Lager oberhalb der Stollen abgibt und seinen Lohn erhält. Im Depot wird das Erz in Säcke abgepackt. Angestellte des Minenministeriums versiegeln sie. Dann werden die Säcke nach Goma transportiert. Dort verkauft sie Cooperamma an die Firma SMB, die die Mineralien offiziell exportiert. In Schmelzöfen in Asien wird aus dem Erz Tantal gewonnen, das in Handys verarbeitet wird. Bisingimana sagt, er wisse nicht, wo die Steinchen hingehen. Er vermutet: "Viele Leute machen damit sehr viel Geld."