- © afp/Christos Avraamides
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Nikosia. Nach der Entdeckung weiterer reicher Erdgasvorkommen im Meer südlich von Zypern hat Präsident Nikos Anastasiades die Bildung eines Erdgas-Fonds angekündigt. Die Gewinne durch die Gasverkäufe sollten sowohl den griechischen wie den türkischen Zyprioten zugutekommen, sobald die Teilung der Mittelmeerinsel überwunden sei. "Das ist ein freudiges Ereignis, dass Zypern einen starken Auftritt auf der Landkarte verschafft", sagte Anastasiadis am Freitag. Indirekt machte er klar, dass die sensationellen Energiefunde auch politische Folgen zeitigen könnten.

Am Tag davor hatten die Regierung der griechischen Republik Zypern und der US-Konzern ExxonMobile mitgeteilt, dass bei den jüngsten Probebohrungen im Seegebiet "Glafkos" ein gigantisches Gasfeld entdeckt worden sei. "Es ist der drittgrößte Gasfund weltweit innerhalb der letzten zwei Jahre", sagte Energieminister Giorgos Lakkotrypis; man vermute Reserven von bis zu 227 Milliarden Kubikmeter und erwarte Gewinne in Höhe von mehr als 40 Milliarden Euro. Vor der Südküste Zyperns waren bereits in den vergangenen Jahren zwei kleinere Gasfelder mit geschätzt zusammen rund 230 Milliarden m3 gefunden worden. Zypern plant im Verbund mit Ägypten, Israel und Griechenland eine "East-Med-Pipeline" bis nach Italien.

Militärische Muskelspiele

- © M. Hirsch
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Die neue Entdeckung könnte zwar die bisher auf Tourismus, Finanz- und Landwirtschaft gestützte Ökonomie des EU-Mitglieds revolutionieren, doch politisch verursacht sie Kopfzerbrechen, denn sie heizt die Spannungen zwischen Ankara und Nikosia an. Die türkische Regierung ist die Schutzmacht der außer von ihr von keinem anderen Staat anerkannten "Türkischen Republik Nordzypern". Die Insel ist seit einem griechischen Putsch und einer anschließenden türkischen Invasion 1974 geteilt. Seit den ersten Funden vor acht Jahren kritisiert Ankara die Erdgassuche ohne vorherige Lösung der Zypernfrage und verlangt die Beteiligung der türkischen Zyprioten an der Ausbeutung der Energiefelder.

Die international anerkannte Regierung Südzyperns weist diese Ansprüche bisher mit dem Argument zurück, es sei ihr Recht als souveräner Staat, solche Erkundungen durchzuführen. Ankara konterte mit Machtdemonstrationen. Vor einem Jahr blockierten türkische Marineschiffe zweimal ein italienisches Erkundungsschiff, das sein Bohrvorhaben daraufhin abbrechen musste. Auch die Erkundungen von ExxonMobile hatte Ankara scharf kritisiert, aber von Blockademaßnahmen abgesehen, nachdem die USA Kriegsschiffe in die Region schickten.