Frankfurt/Berlin. Der Aufschrei blieb zunächst aus. Doch als sich die Gerüchte um einen Zusammenschluss zwischen Deutscher Bank und Commerzbank verdichteten, wurden auch die Gegenstimmen lauter. So sprach sich sowohl die Banken- als auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi klar gegen eine solche Variante aus. "Wir lehnen die Fusion ab", erklärte der Gewerkschafter Jan Duscheck, der für Verdi im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, am Dienstag in einer E-Mail. Die Arbeitnehmervertreter befürchten unter anderem, dass tausende Jobs gefährdet wären.

Scharfe Kritik übten ebenfalls die Genossenschaftsbanken: Sie wiederum stoßen sich an der Rolle des Bundes bei den Gesprächen. "Es ist nicht Aufgabe des Staates, nationale oder europäische Champions zu schaffen", befand Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). "Champions entstehen im Wettbewerb als Folge guter unternehmerischer Entscheidungen." Große Firmen seien oft nicht die besseren Unternehmen, und wenn sie scheiterten, treffe es am Ende nicht selten den Steuerzahler.

Der Druck aus der Politik scheint aber nicht nachzulassen. Ein Hinweis darauf kann da schon eine Bestätigung sein: "Es gibt Beratungen über die Situation, wie sie ist", sagte Finanzminister Olaf Scholz am Rande eines Treffens mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel. Der SPD-Politiker und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der ehemalige Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, gelten als Befürworter eines Banken-Zusammenschlusses.

Unterstützung aus Politik

Auch wenn Regierungsvertreter immer wieder betonen, dass das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank eine Angelegenheit der Geldhäuser ist, dürften sie mit einer Fusion sympathisieren. Scholz plädiert eben für die Schaffung "nationaler Champions". Und Wirtschaftsminister Peter Altmaier nahm die Deutsche Bank in seine Industriestrategie auf - in die Liste jener Unternehmen, deren Erfolg für die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands wichtig wäre.

Die Politiker scheinen anzunehmen, dass ein Zusammenschluss mit der Commerzbank die krisengeplagte Deutsche Bank stärken könnte. Beide Institute für sich, ist die Befürchtung, wären zu schwach, um einen Finanzkrach oder eine Rezession zu überstehen. Diese würde die zwei Häuser hart treffen, weil die Finanzpolster für magere Zeiten nicht besonders groß sind.

Die Deutsche Bank hatte zwar 2018 nach drei Verlustjahren in Folge erstmals wieder einen Gewinn geschafft, doch die Renditen sind so niedrig wie bei keinem großen Konkurrenten. Immer mehr Beobachter bezweifeln deshalb, dass dem Geldhaus die Wende aus eigener Kraft gelingt. In den vergangenen fünf Jahren ist der Aktienkurs um rund 75 Prozent gefallen; an der Börse ist der Wert des Konzerns auf 17 Milliarden Euro zurückgegangen.

Durch eine Fusion mit der Commerzbank, an der der Staat gut 15 Prozent hält, entstünde zwar ein neuer deutscher Bankenriese mit rund 38 Millionen Kunden, einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro und anfänglich rund 130.000 Mitarbeitern. Im Vergleich mit europäischen Konkurrenten wäre das neue Institut aber mit einem Börsenwert von rund 24 Milliarden Euro immer noch ein Leichtgewicht.

International im Hintertreffen

Auf fast drei Mal so viel kommt nämlich die spanische Großbank Santander, das wertvollste Institut der Eurozone. Dahinter folgt das französische Geldhaus BNP Paribas mit rund 66 Milliarden Euro. Die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit wiederum wurde im Vorjahr mit rund 33 Milliarden Euro bewertet.

Ob Deutsche Bank und Commerzbank gemeinsam da mithalten können, ist offen. Daher zweifeln wichtige Anteilseigner von Deutschlands größtem Kredithaus am Sinn der Fusion. Ein Zusammenschluss würde Geld und Zeit kosten und müsste keine Garantie für steigende Erträge sein.

Dennoch hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, bereits das Plazet seiner Kollegen im Vorstand für informelle Gespräche bekommen. Die könnten auch Donnerstag in einer Woche ein Thema sein, wenn die Aufsichtsräte beider Banken zu lange geplanten - getrennten - Sitzungen zusammenkommen. Zwar stehen die Fusionsberatungen bisher nicht auf den Tagesordnungen, dennoch dürften die Bankchefs ihre Kontrolleure wenigstens inoffiziell über den Stand der Sondierungen im kleinen Kreis informieren.

An der Börse verflog am Dienstag jedenfalls die Euphorie über die Fusionsspekulationen. Die Aktien der beiden Banken, die noch am Montag kräftig zulegen konnten, gingen wieder in die Knie.