Stockholm. (da/reu/dpa) Seit ihrer Einführung 2008 haben sich Apps auf Smartphones und Tablets zu einem riesigen Markt entwickelt. Alleine im ersten Halbjahr 2018 gaben Nutzer weltweit 30 Milliarden Euro dafür aus. In Apples App Store stehen rund zwei Millionen Programme zur Verfügung, Nutzer mit Android-Betriebssystem können sogar auf 3,8 Millionen Programme in Googles Play Store zurückgreifen. Apple schneidet bei jedem App-Kauf mit, behält 30 Prozent ein.

Eine unfaire Praxis, meint der Musikstreaming-Dienst Spotify. Apple habe dadurch einen Vorteil bei der Preisbildung seines eigenen Musikangebots Apple Music, wo es den gesamten Betrag behalten könne, kritisierte das schwedische Unternehmen und reichte eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein.

Apple ging am Freitag zum Gegenangriff über und verteidigte naturgemäß sein Geschäftsmodell: "Apple verbindet Spotify mit Apple-Nutzern. Wir stellen die Plattform, über die Nutzer deren App herunterladen und aktualisieren." Außerdem habe Apple ein sicheres Bezahlsystem aufgebaut. Spotify wolle weiter von all diesen Vorteilen profitieren, so als wäre es eine kostenlose App, während es auch 100 Prozent der Erlöse einbehalte.

Auf den Vorwurf, dass Apple als Plattformbetreiber einen Preisvorteil habe, ging der Konzern in seiner Antwort nicht direkt ein. Spotify argumentiert wiederum, es sei 2014 dazu gedrängt worden, Apples Bezahlsystem für App-Käufe zu nutzen. Die Gebühr dafür habe dazu geführt, dass Spotify den Monatspreis für den Premiumdienst von 9,99 auf 12,99 Euro habe erhöhen müssen, gerade als 2015 Apple Music zu einem Preis von 9,99 Euro an den Start gegangen sei.

Nicht einmal die Hälfte der Kunden zahlt für den Dienst

Apple verwies hingegen darauf, dass ein Großteil der Spotify-Nutzer die Gratis-Version der App verwende. Tatsächlich sind von den 180 Millionen lediglich 83 Millionen zahlende Kunden. Apple liegt mit 50 Millionen Abo-Kunden jedoch deutlich hinter dem Branchenprimus.

Wer nichts ausgeben will, muss zwischendurch Werbeclips hören. Spotify kritisiert, durch die App-Store-Regeln würden Weiterleitungen zu Werbeaktionen behindert, die für das Geschäftsmodell der Schweden unerlässlich sind. Solche Einschränkungen gebe es beim konkurrierenden Handy-Betriebssystem Android nicht.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager will nach der Beschwerde Spotifys prüfen, ob Apple eine marktbeherrschende Stellung zugeschrieben werden kann. "Wir haben eine Plattform, die Kunden zu verschiedenen Anbietern leitet, und dann beginnt die Plattform, solche Geschäfte selbst zu machen, also selbst zum Anbieter zu werden", sagte die Dänin. Das sei ein Muster, "das wir schon kennen", betonte die Kommissarin. "Und es betrifft eine Kernfrage des Wettbewerbsrechts, nämlich: Wie geht man mit Internetplattformen um"?

Die Kommission hatte 2017 ein Bußgeld von 2,42 Milliarden Euro gegen Alphabet verhängt, weil dessen Tochter Google Preissuchmaschinen zum Vorteil seiner eigenen Shopping-Suche benachteiligt hatte. Geld ist aber Apple geringstes Problem: Alleine im ersten Quartal betrug der Gewinn rund 18,7 Milliarden Euro. Viel mehr würde eine Änderung der Regularien schmerzen.