Wien/Caracas. Die Krise in Venezuela lässt den Ölpreis steigen. Ende der Woche haben sowohl die Brent-Ölpreis-Benchmark als auch der WTI-Wert nahe ihren viermonatigen Höchstständen notiert.

Der Future auf die Rohölsorte Brent notierte gegen 11 Uhr in London bei 67,51 Dollar je Barrel (159 Liter). Das waren 14 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 11 Cent auf 58,72 Dollar.

Einer der Gründe, weshalb der Ölpreis im Aufwind ist, ist die immer schlechter werdende Versorgung in Venezuela. Laut den Daten des Opec-Monatsberichts, der diese Woche veröffentlicht worden ist, sank die Ölproduktion in dem Land gewaltig. Offiziell nahm allein von Jänner auf Februar die Ölförderung um 56.000 Barrel am Tag ab. Unabhängige Beobachter glauben, dass das Volumen eher dreifach so hoch ist: Um satte 142.000 Barrel pro Tag sei die Produktion in dem erdölreichen Land zurückgefallen.

Damit ist Venezuela zu einem Gutteil für den Rückgang der Opec-Produktion verantwortlich.

Grundsätzlich hatte sich die Organisation der Erdöl produzierenden Länder im Dezember auf eine Drosselung von 800.000 Barrel bei der Förderung geeinigt (von 31,5 Millionen auf 30,7 Millionen Barrel). Diese Punktlandung ist ihnen mit der Produktion im Jänner schon gelungen.

Doch laut dem Opec-Monatsreport vom März ist die Produktion der Mitglieder von Jänner auf Februar um noch einmal 221.000 Barrel gesunken. Mehr als die Hälfte davon geht auf die immer kleiner werdende Herstellung in Venezuela zurück.

Wie sehr die Ölnation Venezuela mit der Produktion ihres wertvollsten Rohstoffs - und Haupteinnahmequelle für Devisen - zu kämpfen hat, zeigt sich auch an der Zahl der betriebenen Öl- und Gasförderanlagen im Land.

Nur noch 27 Öl- und Gasförderanlagen in Betrieb

Laut der Opec waren 2016 noch 58 solcher Anlagen in Venezuela in Betrieb, 2018 nur noch 32. Im Februar dieses Jahres waren es sogar nur noch 27 solcher Anlagen - damit ist deren Infrastruktur halbiert. Der eine Woche anhaltende Stromausfall Mitte März wird das seine dazu tun, um die Fördermenge weiter zu kappen.

Inwieweit Venezuelas Realität Einfluss auf weitere, freiwillige Kürzungspläne der Opec hat, wird sich zeigen. Das heißt: ob andere Länder überhaupt ihre Produktion noch mehr drosseln müssen. An diesem Wochenende treffen sich die Opec-Plus-Staaten (inklusive Verbündeten wie Russland) in Aserbaidschan, um die Umsetzung ihrer Kürzungsstrategie zu überprüfen. Die Drosselung der Produktion zur Preiskorrektur war notwendig geworden, weil die Nachfrage aufgrund der gedämpften Weltkonjunktur gesunken ist.

In Venezuela verschärft sich unterdessen die humanitäre Krise. Aufgrund der fehlenden Staatseinnahmen aus dem sinkenden Ölexporten sowie der westlichen Sanktionen leidet das Land unter einer Hyperinflation.

USA wollen Zahlung mit Visa und Mastercard sanktionieren

Der Stromausfall zuletzt hatte die Venezolaner zur Barzahlung gezwungen - an und für sich ist die Zahlung mit Bankomat-Karten gang und gäbe, weil die Menschen ansonsten wegen der Geldentwertung säckeweise Peso mitnehmen müssten, um Grundnahrungsmittel zu zahlen. Im Zuge des Stromausfalls erlebte damit auch der US-Dollar, beliebte Parallelwährung, am Schwarzmarkt eine Verteuerung - denn die harte Währung war so gesucht wie nie zuvor. Die USA denken unterdessen darüber nach, Sanktionen gegen Finanztransaktionen von Visa und Mastercard in Venezuela auszusprechen. Das würde das Leben noch komplizierter machen.

Zuletzt hat sich neben Boliviens linkem Präsident Evo Morales auch sein konservativer Amtskollege in Kolumbien, Iván Duque, dezidiert gegen eine Intervention von außen - sprich: seitens der USA - in Venezuela ausgesprochen. Die USA kokettierten immer wieder öffentlich mit dem Gedanken.