Frankfurt. (rs) Bisher hatte sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing öffentlich eher zurückhaltend darüber geäußert, ob es am Ende der kürzlich begonnenen Fusions-Verhandlungen mit der Commerzbank auch zu einem Zusammenschluss der beiden größte deutschen Privatbanken kommen wird. Tatsächlich scheint Sewing, der sich vom Maturanten mit Bankkaufmann-Lehre zum Chef des wichtigsten deutschen Geldinstituts hinaufgearbeitet hat, aber viele gute Gründe für eine Fusion zu sehen. Sogar so viele, dass der 48-Jährige auch bereit ist, gegen massive Widerstände anzukämpfen. Sewing, so heißt es aus seinem engsten Kreis, sei in die am Donnerstagmittag begonnenen Aufsichtsratssitzung mit dem Ziel gegangen, die Gremiumsmitglieder vom Sinn eines Zusammengehens zu überzeugen.

Dass das nicht einfach sein würde, stand dabei schon im Vorhinein fest. So hatten sich wenigstens drei Großaktionäre der Deutschen Bank bisher skeptisch gegenüber einem Zusammenschluss mit der Commerzbank gezeigt. Und auch die Arbeitnehmerseite ist klar gegen eine Fusion, weil diese mit großer Sicherheit mehrere zehntausend Arbeitsplätze in ganz Deutschland kosten würde.

In Sewings Umfeld wurde unmittelbar vor der Aufsichtsratssitzung vor allem mit der "klaren Dominanz" auf dem deutschen Markt, Größenvorteilen und sinkenden IT-Kosten argumentiert. Zudem würden die Refinanzierungskosten der neu entstehenden Mega-Bank deutlich sinken. "Die Refinanzierung wäre so gut wie nie", sagte ein Insider. Und zu massiven Stellenstreichungen würde es so oder so, also mit oder ohne Fusion der beiden Banken, kommen.

Geheiratet, geschieden

Dass Größe allein noch kein Garant für Erfolg ist, zeigt allerdings schon die Vergangenheit, in der sich so mancher als "Meilenstein" apostrophierter Zusammenschluss in der deutschen Finanzbranche am Ende doch als schwere Bürde erwies. So wurde etwa 1998 mit der Vereinigung von Hypobank und Vereinsbank zur Bayerischen Hypo- und Vereinsbank (HVB) die bis dato größte deutsche Bankenhochzeit gefeiert. Beide Banken, vor allem aber die Hypo-Bank, waren nach der Wiedervereinigung stark in Ostdeutschland engagiert. Als die Immobilienmärkte dort in die Krise gerieten, standen die beiden ähnlich aufgestellten Institute mit massenweise faulen Krediten in den Büchern da. Im Jahr 2005 übernahm die italienische UniCredit schließlich die HVB, Filialschließungen und Stellenabbau folgten.

Wenig erfolgreich verlief auch der Ausflug der Allianz in die Bankbranche. Mit der 2001 genehmigten Übernahme der Dresdner Bank wollte das größte deutsche Versicherungsunternehmen einen Allfinanz-Konzern schaffen und in der "Welt der integrierten Finanzdienstleistungen" so richtig durchstarten. Dabei hoffte man vor allem auf neue und zusätzliche Vertriebschancen für Versicherungs- und Bankprodukte - über Bankschalter und Allianz-Vertreter. Doch lange Zeit bescherte die Tochter dem Versicherungsriesen teils drastische Verluste, die sich mit der ab Mitte 2007 tobenden Finanzkrise noch einmal vergrößerten.

2008 verleibte sich schließlich die Commerzbank die Dresdner Bank für 9,8 Milliarden Euro ein. Die "neue Commerzbank" sollte ein "zweiter deutscher Champion" werden, doch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers stürzte die Finanzmärkte ins Chaos. Die ohnehin riskante Übernahme wurde zur existenziellen Bedrohung für die Commerzbank, der Staat musste mit Rettungsmilliarden einspringen.

Nicht viel besser lief es für die Deutsche Bank mit der Postbank, bei der man sich 2010 um sechs Milliarden Euro die Mehrheit gesichert hatte. Nur fünf Jahre später stand bereits wieder die Trennung im Raum, da sich die hohen Erwartungen in Folge von Zinsflaute, Regulierungswellen und hausgemachter Probleme nicht erfüllt hatten. 2017 entschieden sich die Deutsche-Bank-Chefs allerdings, die Postbank doch in den bis heute mit den Folgen der Übernahme kämpfenden Mutterkonzern zu integrieren.

Ein Rucksack voller Probleme

Dass es diesmal besser wird, also der vor drei Jahre begonnene Sommerflirt zwischen Deutscher Bank und Commerzbank in einer rundum glücklichen Ehe mündet, halten viele Experten daher für wenig wahrscheinlich. Denn ebenso wie bei früheren Zusammenschlüssen stehen die beiden potenziellen Partner nicht nur vor einem extrem komplexen Projekt, bei dem es gilt, ganz unterschiedlich Kulturen und Kundenkreise zusammenzuführen. Beide deutsche Großbanken schleppen auch einen ganz Rucksack mit Problemen mit. So schlummern bei der Commerzbank etwa höchst wackelige Staatsanleihen in Milliardenhöhe. Bei der deutschen Bank wiederum könnte sich ein riesiger Berg komplexer Derivate als gefährliche Mitgift erweisen.