Rom. Nachdem der chinesische Staatschef Xi Jinping am Donnerstagabend seinen dreitägigen Italien-Aufenthalt begonnen hat, verteidigt der italienische Premier Giuseppe Conte Italiens Pläne, eine Absichtserklärung mit China in Sachen der umstrittenen Initiative "Neue Seidenstraße" zu unterzeichnen, vor Kritik aus Europa.

"Auf wirtschaftlicher Ebene sind wir daran interessiert, die großen Chancen des riesigen chinesischen Marktes zu nutzen, ebenso wie bilaterale Investitionen. Dabei müssen wir in der Lage sein, eine Zusammenarbeit mit Peking auf der Basis der Gleichberechtigung aufzubauen - ohne auch nur einen Schritt von unseren eigenen Werten und Prinzipien abzuweichen, ohne unsere Bindungen, unsere Gesetze und unsere historischen Allianzen infrage zu stellen", so Conte in einem Beitrag, der am Freitag von der deutschen Tageszeitung "Die Welt" veröffentlicht worden ist.

Premiere bei Panda-Anleihen

"Verantwortung, Solidarität, Wachstum und Arbeit, Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Führungskraft gegenüber dem Rest der Welt, all das sind Säulen, ohne die das europäische Gebäude wacklig bleibt und ein weiteres Abbröckeln oder gar einen Zusammenbruch riskiert", meinte Conte weiter.
Die chinesische Zentralbank erlaubt Italien als erstem westlichen Industriestaat die Emission einer Anleihe in der Volksrepublik. Die italienische Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) könne sogenannte Panda-Bonds - Schuldscheine ausländischer Institutionen für chinesische Anleger - ausgeben, sagte der stellvertretende Notenbankchef Lin Jingzhen am Freitag am Rande des Staatsbesuchs. "Wir können bestätigen, dass die Cassa Depositi e Prestiti durch Panda-Anleihen Kapital aufnehmen kann."

Dies könnte schon bald erfolgen. "Wir werden in den kommenden Wochen die erste Tranche auflegen", sagte CDP-Manager Nunzio Tartaglia. Der chinesische Anleihen-Markt gilt als einer der größten der Welt: Jährlich werden dort Bonds im Wert von etwa zwölf Billionen Dollar ausgegeben. Auch deutsche Unternehmen haben bereits chinesische Geldgeber angezapft - so gab etwa Daimler Panda-Bonds aus.

China hat versprochen, Hindernisse für ausländische Emittenten zu beseitigen. Damit will die Regierung die Landeswährung Yuan stärker international öffnen und zugleich neue Finanzierungsquellen für ihr Seidenstraßenprojekt erschließen.

Chinas Staatschef Xi Jinping in Rom

Staatschef Xi Jinping wurde am Freitagvormittag in Rom vom italienischen Präsidenten Sergio Mattarella empfangen. Am Samstag wollen italienische Regierungsvertreter eine Absichtserklärung unterschreiben, mit der sie Pekings umstrittene Initiative einer "Neuen Seidenstraße" formell Unterstützung zusagen.

China will im Rahmen des geostrategischen Vorhabens Milliarden in Häfen, Straßen, Bahnstrecken, Telekom-Netze oder Flughäfen investieren. So sollen neue Wirtschafts- und Handelskorridore nach Europa, Afrika, bis nach Lateinamerika, aber auch innerhalb Asiens entstehen. Große EU-Partner und die USA haben große Bedenken. Sie kritisieren unter anderem mangelnde Transparenz und unfaire Wettbewerbsbedingungen. (apa)