Stockholm. (da/reu/apa) Zum siebenten Mal in Folge sank der Gewinn von H&M. Im Ende Februar abgelaufenen Quartal fiel das Plus nach Steuern von 1,3 Milliarden auf 803 Millionen Schwedische Kronen (77 Millionen Euro). Dennoch waren die Börsianer entzückt, der Aktienkurs der schwedischen Modekette stieg am Freitag zeitweise um 15 Prozent. Der Optimismus an den Finanzmärkten beruht auf H&Ms Umsatzplus um zehn Prozent auf 51 Milliarden Kronen (4,9 Milliarden Euro). "Unser Umbau hat zu stärkeren Kollektionen geführt, die vermehrt zum vollen Preis verkauft werden, die Preisabschläge sind gesunken und unsere Marktanteile gestiegen", sagte H&M-Boss Karl-Johan Persson.

Neben einem neuen Ladenkonzept hat sich H&M auch vorgenommen, den Rückstand bei Logistiksystem und Digitalisierung aufzuholen. Vergleichsweise spät ist der zweitgrößte Modehändler der Welt in den Online-Handel eingestiegen. Vergangenen Oktober etwa kaufte sich H&M beim Bezahldienst Klarna ein. Mithilfe der Beteiligung sollten Einkäufe in den Online-Shops als auch im Laden vereinheitlicht und Retouren vereinfacht werden. Als letzter Markt sei Deutschland im ersten Quartal auf die neue Online-Plattform umgestellt worden, erklärte H&M am Freitag. Kunden erhielten ihre bestellte Ware nun schneller. Zu den bisher existierenden Online-Shops in 47 Ländern kommen dieses Jahr Mexiko und Ägypten hinzu.

170 Filialen geschlossen

Die veränderten Einkaufsgewohnheiten hin zum Online-Shopping bringen jedoch die H&M-Geschäfte in Bedrängnis. Von den rund 4900 Läden weltweit werden 170 geschlossen, vorwiegend in Europa. In Österreich betreibt der Modehändler 78 Geschäfte unter der Marke H&M. Dazu kommen fünf Cos-Läden, zwei Monki-Stores, ein Weekday-Standort und ein "& Other Stories"-Store. Im Gegensatz zum Branchenprimus Inditex - bekannt vor allem durch die Marke Zara - hat H&M auch Filialen in Kleinstädten. "Stationär hat H&M die Wachstumsgrenze erreicht", sagt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung. Wachstum in gesättigten Märkten wie in Westeuropa kann nur mehr über Verdrängung der Konkurrenten erfolgen, Rabattschlachten und niedrige Margen sind die Folge. Inditex setzt mit rasch wechselnden Kollektionen H&M unter Druck.

Somit ist der Weg zurück zu alten Erfolgen für H&M ein weiter. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten scharfe Auf- und Abwärtsbewegungen durchlaufen. Seit dem Höchststand im Februar 2015 hat der Kurs um mehr als 50 Prozent nachgegeben.

In die Negativ-Schlagzeilen gerieten die Schweden auch aufgrund eines Werbesujets, das einen dunkelhäutigen Buben im Affenpulli zeigte. Nach Rassismusvorwürfen zog H&M die Kampagne zurück.

Kritik an Arbeitsbedingungen

Die Clean Clothes Kampagne (CCK) warf H&M vor, der Modekonzern halte sich nicht an sein Versprechen für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Im November 2013 kündigte H&M einen Existenzlohn binnen fünf Jahren an. Laut CCK erhalten Arbeiter in H&Ms Zulieferfabriken in Kambodscha durchschnittlich nur 46 Prozent eines existenzsichernden Lohnes, in Indien durchschnittlich 35 Prozent.

Zuletzt kritisierte Greenpeace den Modegiganten. H&M würde massenhaft Kleidung verbrennen, deren Fehler man hätte ausbessern können. Das Unternehmen entgegnete, verbrannt werde nur, was mit gefährlichen Chemikalien verunreinigt sei.