Hannover. Es ist die nach Veranstalterangaben weltgrößte Industrieleistungsschau, die am Montag in Hannover ihre Tore geöffnet hat. Zu den prominenten Besuchern zählte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven, die sich bei einem Rundgang über die Highlights der Schau informierte.

Die bis Freitag dauernde Ausstellung befasst sich heuer mit dem neuesten Stand bei der Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsabläufen ("Industrie 4.0"). Im Mittelpunkt stehen Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen sowie der Mobilfunkstandard 5G. Die Dimensionen sind enorm: Insgesamt sind 6500 Aussteller aus 75 Ländern vertreten.

Aussichten im Maschinenbau sind gedämpft

Getrübt wird die Schau durch das ökonomische Umfeld: Internationale Handelskonflikte und die Konjunkturabschwächung dämpfen die Aussichten auch für den Maschinenbau. Die exportorientierte deutsche Schlüsselindustrie halbierte ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1 Prozent, wie der Branchenverband VDMA pünktlich zum Start der Messe bekanntgab.

Ursprünglich hatten die Maschinenbauer ein Wachstum der Produktion bereinigt um Preiserhöhungen von 2 Prozent erwartet (2018: 2,1 Prozent).

"Die Konjunkturdynamik ebbt ab, sowohl im Aus- als auch im
Inland. Und die politisch verursachten Risiken auf wichtigen Absatzmärkten zeigen Wirkung, ohne dass Lösungen in Sicht sind", so VDMA-Präsident Carl Martin Welcker. Mit einer Exportquote von fast 79 Prozent ist der Maschinenbau auf starke Ausfuhren angewiesen. Die Exporte legten im vergangenen Jahr um 4 Prozent auf knapp 178 Milliarden Euro zu, der Umsatz im Maschinenbau stieg um 1,3 Prozent auf den Rekordwert von 232,5 Milliarden Euro.

Chancen sieht die Branche, die mit gut 1,3 Millionen Erwerbstätigen nach eigenen Angaben der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland ist, durch den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Produktion. "Andere Länder wie China oder die USA mögen uns in der Grundlagenforschung zur Künstlichen Intelligenz voraus sein. Aber der Mehrwert entsteht erst durch die zielgerichtete Kombination von Algorithmen mit realer Physik", sagte Welcker. Darin liege die Stärke des Maschinenbaus.

Allerdings gibt es für Deutschland einigen Aufholbedarf: Die deutschen Unternehmen sehen sich selbst in puncto Künstliche Intelligenz hinter China und den USA. In einer am gestrigen Montag veröffentlichten Umfrage des Verbands der Elektrotechnik (VDE) zeigten sich nur zehn Prozent der Unternehmen und sieben Prozent der Hochschulen überzeugt, dass die deutsche KI-Forschung mit den USA und China mithalten kann.